Werden alte Windräder im Landkreis Neumarkt bald überall durch höhere ersetzt?

Im Landkreis Neumarkt drehen sich mehr als 60 Windräder teils seit einem Jahrzehnt und mehr. Moderne Anlagen sind höher und ernten mehr Wind. Alte Windräder zu ersetzen, scheint daher naheliegend. Im Grenzgebiet von Berg und Lauterhofen sorgt ein solches Vorhaben jedoch für Ärger. Welche Aussichten hat das Projekt, genehmigt zu werden? Und wie sieht es im Rest des Landkreises aus?
Im Fachjargon nennt sich der Vorgang Repowering. Auch zwischen den Ortschaften Häuselstein (Gemeinde Berg) und Traunfeld (Lauterhofen) soll ein bestehendes Windrad mehr Kraft erhalten. Statt der bislang 100 Meter würde das neue Windrad 267 Meter hoch sein. So zumindest lautete der Plan des Betreibers der 2001 errichteten Anlage.
Die Stromproduktion ließe sich durch ein modernes Windrad im Jahr um das 20-fache erhöhen, erklärt Richard Sachs, der gemeinsam mit seinem Sohn Christian die SRE Bau und Betriebs GmbH & Co. KG in Freystadt führt. 2023 hat das bisherige Windrad laut Energieatlas Bayern errechnete 889.000 Kilowattstunden Strom produziert. Ein Vier-Personen-Haushalt verbraucht jährlich im Schnitt zwischen 3500 und 4000 Kilowattstunden.
Windrad ist unter 1000 Meter von Traunfeld entfernt
Sachs hat deswegen einen Antrag auf Vorbescheid beim Landratsamt gestellt, um zu erfahren, ob sein Plan möglich ist oder nicht. Im Rahmen dieses Verfahrens, sollte sich auch die Gemeinde Berg dazu äußern. Der Gemeinderat hat das Projekt abgelehnt. Der Grund: Das neue Windrad liegt zu nah an den beiden Ortschaften. 970 Meter sollen es zum Berger Ortsteil Häuselstein sein, 780 Meter zu Traunfeld.
Die Ablehnung der Berger Gemeinderäte ist jedoch nicht entscheidend. Genehmigungsbehörde ist das Landratsamt Neumarkt. Noch ist keine Entscheidung gefallen. Aber die Anzeichen verdichten sich, dass der Antrag abgelehnt wird. Das geht aus der Antwort der Behörde auf eine Anfrage unseres Medienhauses hervor.
Allerdings wird es wohl gar nicht erst soweit kommen. Wie Richards Sachs erklärt, werde er den Antrag zurückziehen. „Schade, es ist ein guter Standort“, sagt der Windkraftunternehmer.
10H-Regelung ist nicht der Knackpunkt
Seine Hoffnung, dass die gesetzlich vorgeschriebenen Mindestabstände angepasst werden, hat sich bislang nicht erfüllt – und wird es nach Ansicht des Freystädter Unternehmers auch nicht in absehbarer Zeit.
Als Sachs das Windrad 2001 baute, gab es die heutigen Mindestabstände noch nicht. Die 10H-Regelung könnte das Windrad zwar aufgrund einer Ausnahmeregelung aushebeln, Knackpunkt sind aber die in Bayern vorgeschriebenen 1000 Meter zu Wohngebäuden, die das Windrad unterschreitet. Daran ändert auch nichts, dass es sich nicht um ein völlig neues Windrad an einem neuen Standort, sondern an einem bestehenden Standort handelt.
„Im Landkreis gibt es großes Potenzial für Repowering“, ist Sachs überzeugt. Kein Wunder angesichts der vielen bestehenden Windräder. Das älteste überhaupt hat Sachs 1998 nahe Litzlohe (Gemeinde Pilsach) errichtet. Seine Leistung von 500 Kilowatt übertrumpfen neuere Anlagen locker. Manches Windrad auf den Höhen über Neumarkt leistet 3000 Kilowatt und mehr. Ein vom Sengenthaler Unternehmen Max Bögl geplantes 285 Meter hohes Windrad auf dem Winnberg könnte sogar 7000 Kilowatt leisten.
Wie viele Anträge auf Repowering von Windrädern gibt es im Landkreis Neumarkt?
Aber auch im Fall des Windrads bei Litzlohe macht sich Richard Sachs keine große Hoffnung, die Anlage modernisieren zu können. Zum einen sprächen militärische Belange gegen ein höheres Windrad, sagt Sachs. Zum anderen dürfte auch dort der Mindestabstand von 1000 Meter zu Wohnhäusern ein Problem sein.
Vor dem Hintergrund dieser beiden Beispiele erscheint naheliegend, was eine Anfrage beim Landratsamt ergibt: Das Repowering von Windrädern im Landkreis ist bislang kein großes Thema. Dem Landkreis liegt bislang nur ein entsprechender Antrag vor.