Infineon baut Stellen ab – sichert aber den Standort Regensburg bis 2040 ab

Werksleitung und Unternehmensführung von Infineon stellten am Freitag das Zukunftsprogramm „Step Up“ vor. Der Betriebsratschef servierte den Medienvertretern den „Regensburg Plan 2040“ und kritisierte, dass das Zukunftsprogramm den Mitarbeitern übergestülpt wurde. Gleichzeitig wurde klar: Infineon leidet am Standort Regensburg unter den hohen Energiepreisen, profitiert aber weiter von der hohen Fachkräftedichte des Standortes.
Mit knapp 3100 Arbeitsplätzen ist das Infineon-Werk im Regensburger Westen ein wichtiger Standort für die Stadt. Aufhorchen ließ deshalb, als bekannt wurde, dass am Standort eine mittlere dreistellige Zahl an Jobs abgebaut werden soll. Am Freitag stellten Vertreter der Unternehmens- und der Werksführung zusammen mit Betriebsratschef Johann Dechant vor, was zwischen den Arbeitnehmervertretern und der Konzernleitung ausgehandelt wurde. Deutlich wurde dabei: Der Standort wird weiter automatisiert und der Schwerpunkt ein Stück weit weg von der Produktion hin zur Entwicklung gelegt.
„Die Maßnahmen hier im Werk sind eingebettet in ein weltweites Programm und wurden bereits im vergangenen Frühjahr eingeleitet“, sagte Alexander Gorski von der Unternehmensleitung, zuständig für das Frontend. Hier werden die Halbleiterscheiben, auch Wafer genannt, prozessiert. Gorski stellte das Programm „Step Up“ vor. „Unser Geschäft ist zyklisch“, sagte Gorski. In manchen Jahren sei die Nachfrage nach Halbleitern extrem hoch, Kunden hätten Sorge, dass ihre Nachfrage befriedigt werden kann. Dann kommt ein Zyklus mit geringerer Nachfrage. „Wir passen unsere Fertigungskapazitäten an, aber auch die Investitionen.“
Polit-Hochkaräter im Boot
Und um die wurde gerungen in den letzten Monaten. Das bestätigte auch Johann Dechant, der Vorsitzende des Konzernbetriebsrats. Er schilderte, dass man am Standort mit einer Postkartenaktion mit 2800 Unterschriften sowohl auf Landes-, als auch auf Bundesebene aufmerksam machte darauf, dass der Standort Regensburg gesichert werden müsse. Gespräche mit Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) und dem heutigen Finanzminister Jörg Kukies (ebenfalls SPD, bis zum Ampel-Bruch Chef des Bundeskanzleramts) fanden statt. Daraus entwickelte sich der Regensburg Plan 2040. „Die Veränderungen durch Step Up sind dem Standort übergestülpt worden und waren sehr überraschend für die Mitarbeiter“, kritisierte Dechant. Doch am Ende habe man mit einer Unterschrift von Jochen Hanebeck, dem Vorstandsvorsitzenden von Infineon, eine Zukunftsvereinbarung erreicht, die sogar „Tarifvertrag-Charakter“ habe. Man habe vor allem betriebsbedingte Kündigungen verhindert. Es gebe Programme mit Abfindungen, doch auch frei gewordene Stellen würden immer wieder mit vom Abbau betroffenen Mitarbeitern besetzt. Dechants Fazit war positiv.
Vorstandsmitglied Gorski skizzierte die Rahmenbedingungen, in denen sich Infineon weltweit bewegt. So fördere der chinesische Staat gezielt Halbleiter und verzerre damit den Wettbewerb. Die Autoindustrie sei in einem radikalen Wandel begriffen. Und die hohen Energiekosten machen auch Infineon an den deutschen Standorten Sorge: „Der Standort ist im internationalen Wettbewerb nicht leistungsfähig genug“, sagte Gorski. Das liege im Wesentlichen an der Größe des Standortes, man könne kaum wachsen. Er beschrieb aber auch, dass im Backend-Bereich gezielt auf das Entwickler-Knowhow gesetzt werden soll, beispielsweise indem hochspezialisierte Mitarbeiter mittels digitaler Tools auf Maschinen in der ganzen Welt zugreifen können.
Der neue Leiter für Manufacturing Excellence, der bisherige Werksleiter Jörg Recklies, machte deutlich, dass Infineon am Standort seit langem versucht, energieautark zu sein. Dafür habe man von der Stadt auch den Umweltpreis bekommen. Die Instabilität der Netze sei ein Thema. „Wir investieren in der Lilienthalstraße, um stabil versorgt zu werden“, sagte Recklies.
Entwickler-Bereich stärken
Sein Nachfolger als Sprecher der Betriebsleitung am Standort Regensburg, Jürgen Winterer, skizzierte, wie es am Standort Regensburg weitergehen wird: „Wir werden die Teams im Bereich Entwicklung und Innovation stärken.“ Der Kunde wolle immer schneller eine erste Anwendung auf dem Tisch haben. Hier müsse man an Geschwindigkeit zulegen, wofür nun die Weichen gestellt seien. Auch bei der Materialentwicklung will Winterer mit Innovationen punkten.
Wem Halbleiter nach wie vor zu abstrakt sind, dem sei ein Blick auf das eigene Smartphone empfohlen. Die Mikrofone beispielsweise des iPhones, werden mit Technik aus Regensburg ausgeliefert.



