Aus für Juliska Bar: Regensburg ältestes Bordell hat dicht gemacht – Flohmarkt am Wochenende

Auch in der finstersten Nacht und im dichtesten Nebel strahlte das pinke Herz vor der Juliska Bar im Regensburger Stadtteil in Reinhausen. Nun hat Juliane „Juliska“ Streich es endgültig abgeschraubt. In Regensburgs ältestem Bordell geht das Rotlicht aus.
Schon vor Weihnachten stellte die 78-Jährige den Betrieb ein, auch weil sie sich von der Stadt gegängelt fühlte. Aufgrund einiger angeblicher Verstöße wurde ihr eine Strafe von mehreren tausend Euro aufgebrummt. „Ich war stinksauer“, sagt Streich. Sie kramt eine alte Ausgabe der Mittelbayerischen Zeitung hervor und liest die Schlagzeile vor: „Stadt schreibt schwarze Zahlen.“ Sie muss kurz lachen. „Jetzt weiß ich auch warum.“ Zum Ende hin habe sie richtig Angst vor weiteren Kontrollen gehabt, sagt die ehemalige Bordell-Betreiberin. „Ich hätte weitergemacht, aber nicht unter diesen Umständen.“
Früher war mehr Lametta
Nun hat Streich das Gebäude verkauft. Am Donnerstag war sie beim Notar. Immobilienmaklerin Daniela Hecker von der Remax hat das Gebäude verkauft. Sie sagt, dass dort Wohnungen für Studenten entstehen sollen. Der neue Besitzer wolle ordentlich umbauen. Im Moment ist Juliane Streich dabei, alles auszuräumen. Bis Ende Februar hat sie noch Zeit, sich das zu sichern, was ihr nach 50 Jahren noch wichtig ist. Auch nach ihrem Abschied wird sie Regensburg treubleiben, auch wenn sie plant, in die Gegend um Frankfurt zu ziehen. Dort hat sie ein Haus mit ihrem Mann. „Bei uns im Dorf gibt es ja nix.“ In Regensburg habe sie viele Ärzte. Und das Autofahren? Macht ihr eh nichts aus. „Früher bin ich die Strecke mit dem Motorrad gefahren.“ Inzwischen geht das nicht mehr. Arthrose.
Überhaupt, es hat sich viel verändert im Geschäft. „Früher hatten die Leute mehr Geld. Die Gäste haben schon einiges dagelassen.“ Damals habe sie um 12 Uhr mittags aufgesperrt, erinnert sich Streich. Dann ging es bis 8 oder 9 Uhr morgens. Wer denn schon alles dagewesen sei, will der Reporter wissen? Promis, Stadträte, Unternehmer? Streich setzt zur Antwort an, dann läutet es. Sie eilt raus, spricht kurz mit einem Bekannten. „Der hätte einen gewusst, der das Haus kaufen will.“ Streich lacht kurz. „Ist schon weg.“ Früher, erzählt sie, seien viele Manager in ihrem Etablissement verkehrt. Seit einer Bordell-Affäre bei VW wurden die Manager ein wenig vorsichtiger. Aber Promis? „Kann ich nicht sagen. Es hat mich auch nicht interessiert und die haben sich ja auch nicht vorgestellt.“ Aber, gibt Streich zu, ab und zu habe sie einen prominenten Gast auch in einen eigenen Partyraum gelassen, wo er in Ruhe feiern konnte.
Streichs Start ins Leben war weniger glamourös. Geboren wurde sie in Oberbayern in den Wirren der Nachkriegszeit. Sie wuchs im Waisenhaus auf und landete schlussendlich im Regensburger Rotlichtmilieu. Von Männern war sie enttäuscht. Sie band sie an ein Brett und peitschte sie aus. Dafür gab es tausend Mark. „Geliebt habe ich das.“
Anfänge an der Donau
Ihr erstes Bordell eröffnete Streich im Hackengäßchen. „Da standen die Mädchen am Strich.“ Als sie ihr Haus eröffnete, sagte sie den Prostituierten, sie sollen doch zu ihr kommen. „Die haben gesagt: Da verdienen wir doch nichts. Es hat genau 14 Tage gedauert, da waren die alle bei mir.“ Es war ein anderes Regensburg damals. Verruchter, nicht auf Hochglanz poliert. Streich schüttelt den Kopf und lacht. „Damals war ich viel in der Zeitung.“ Tja, die Woche brachte auch die dunkelsten Abgründe dieser Stadt an den Tag. Aber Teil der Unterwelt? „Nö. Ich hatte ja auch keine Zeit mit den Leuten wegzugehen. Ich hatte ja meine Kinder.“ Damals habe sie keine ruhige Minute gehabt. „Schlafen kann ich auch, wenn ich tot bin“, sagt Streich. Ob sie stolz auf sich ist? „Ich würde den gleichen Weg noch mal gehen.“ Und dennoch: Streich hatte es nie einfach. „Jeder hat sein Päckchen zu tragen. Wenn es nach dem geht, was ich erlebt habe, hätte ich mich schon lange totsaufen müssen.“ Sie habe das Leben immer so genommen, wie es kam.
1973 kam Streich nach Reinhausen. „Am Anfang haben sich alle aufgeregt. Dann haben sie gemerkt, dass es ruhiger ist, als zuvor. Vorher war hier eine Gaststätte, da war immer Gaudi. Als ich kam, war Ruhe.“ In all der Zeit hat Streich viel erlebt. Einmal stand ein potenzieller Gast vor der Tür − stockbesoffen. „Ich hab ihn nicht reingelassen.“ Der Mann habe dann seine Frau angerufen. Die kam – und sah, wo ihr Angebeteter stand. „Die war richtig sauer.“ Ein anderer Gast war drei Tage und Nächte in der Juliska Bar. Auch dessen Frau rückte an – und fragte Streich, ob sie einen Mann für sie habe. „Aber das hatte ich nie“, sagt Streich.
Mit der Juliska Bar verschwindet nun eine Regensburger Institution. Am Wochenende findet ein Hausflohmarkt statt, bei dem sich Regensburger Andenken sichern können. Und das rosa Herz? „Deswegen haben mich schon viele angerufen“, sagt Streich. „Das werde ich versteigern.“ Es wird weiterleuchten. Irgendwo.
Flohmarkt in der Juliska Bar
Datum: Die Juliska Bar öffnet am Samstag und Sonntag jeweils ab Mittag ihre Pforten.
Angebot: Die Interessenten können durch das Haus schlendern. Es gibt Vorhänge, Handtücher, Bettwäsche, Nachtkästchen, Wasserkocher, Bilder, die legendären Gläser der Juliska Bar und vieles mehr zu kaufen.