Mit „Klartext“ bei Themen wie Energie, Wirtschaft, Migration will Maria Krieger (Grüne) punkten

Von legendären Anfängen mit Strickzeug und Schlabberpulli im Plenarsaal haben sich die Grünen weit entfernt. „Wir sind in der Verantwortung angekommen“, formuliert es die Direktkandidatin für Kelheim, Maria Krieger. Viele Forderungen, mit denen die Ökopartei einst Aufsehen erregte, seien mittlerweile längst im Alltag etabliert. Aber Erneuerung brauche es weiterhin, und deshalb die Grünen: „Wir müssen unser Land wirtschaftlich und in der Infrastruktur modernisieren.“
Von den Ansätzen der Partei und ihres Wirtschaftsministers Habeck schien die Republik zuletzt freilich wenig begeistert. Insbesondere die als „Heizungsgesetz“ bekanntgewordene Überarbeitung des Gebäudeenergiegesetzes brachte das halbe Land gegen die Grünen auf. Die ursprünglich geplante Hauruck-Umstellung auf Erneuerbare Energien wäre schon schwierig und weitreichend geworden, räumt Krieger ein. Aber eben auch deshalb, weil unter der vorherigen Regierung „bis zuletzt Öl- und Gasheizungen noch gefördert wurden“, als längst klar gewesen sei, dass dies mit den deutschen Klimazielen unvereinbar sein würde.
„Mediale Angstmache“
Schwierig gewesen seien aber auch die Zusammenarbeit mit Ampel-Partner FDP und eine „häufig zu populistische Darstellung des Heiz-Themas in den Medien: Mit Begriffen wie ,Heizungshammer‘ erzeugt man ohne Not Angst“, kritisiert Krieger. Sie hält ihrerseits CDU/CSU mangelnde Rücksicht auf den Geldbeutel der Bürgerinnen und Bürger vor: „Die Union will die Klimaziele rein über die CO2-Bepreisung steuern. Dieser Preis wird massiv steigern – das heißt, Heizen wird sehr, sehr teuer, wenn sie keine Alternativen zu Öl und Gas anbieten.“
Davor schütze man die Menschen, wenn man „Klartext spricht: dass man in Neubauten keine fossilen Heizungen mehr einbauen darf“. Im Gegenzug freilich müsse der Ausbau der erneuerbaren Energien schneller vorankommen, ergänzt sie.
Das stößt ebenfalls auf Widerstand, jedenfalls dann, wenn Windräder oder PV-Anlagen in der eigenen Nachbarschaft geplant sind. In Bayern erkläre sich das daraus, „dass viel Stimmung gegen die Energiewende gemacht wird“, kritisiert Maria Krieger in Richtung CSU, aber auch FW. Das Sankt-Florians-Prinzip „können wir uns aber nicht länger leisten“. Ein Umdenken erhofft sie sich von Bürgerbeteiligungsmodellen, die etwa Windparks finanziell attraktiv machen.
Massiven Widerstand aufseiten der Grünen gäbe es für eine Renaissance der Kernkraft, ob mit den noch vorhandenen Anlagen oder mit neuen modularen. Auch die Riedenburgerin lehnt die Atomkraft ab: Sie sei um ein Vielfaches teurer und CO2-intensiver als die Erneuerbaren, berge zudem über Jahrhunderte hinweg hohe Risiken. „Und wir wären wieder abhängig von Ländern wie Russland, die das Uran fördern.“ Diese Abhängigkeit habe schon beim Erdgas zu einem „naiven Umgang“ von Union und SPD mit der Putin-Regierung geführt. „Wir Grüne haben schon im Wahlkampf 2021 die Inbetriebnahme von Nord Stream 2 abgelehnt“.
Asyl, aber auch Abschiebung
Die Grünen selbst bekommen für ihren Umgang mit den Themen Asyl und Migration oft den Vorwurf der Naivität zu hören. Zu Unrecht, findet die Direktkandidatin. Bei der Arbeits-Migration sei klar, dass ohne sie der Fachkräftemangel nicht zu beheben sei. Beim Thema Asyl „sagen wir ganz klar Ja zu Humanität und Ordnung“. Ihre Partei stehe für das Grundrecht auf Asyl ein. Aber wer straffällig werde, müsse konsequent abgeschoben werden. Vor allem aber brauche es endlich das Gemeinsame Europäische Asylsystem (GEAS).
Von einer gerechten Verteilung Geflüchteter ist Europa freilich weit entfernt. Aber man könnte ja die EU-Fördertöpfe als Druckmittel einsetzen, um unwillige Mitgliedsstaaten zum Kooperieren zu bringen, schlägt Maria Krieger vor. Für nicht rechtskonform und nicht umsetzbar hält sie den von der Union geplanten deutschen Alleingang hin zu einer schärferen in der Asylpolitik.
Verschärft hat sich auch der Tonfall in der Politik, bestätigt die 39-Jährige. Ihr setze zu, dass die eigene Partei, obwohl „am meisten für Modernisierung stehend“, am stärksten angegriffen werde. Von solchen Angriffen bleibe natürlich etwas hängen, egal ob es via Soziale Medien erfolge, oder im „echten“ Leben. Ihr als Grünen-Politikerin habe mal ein Türsteher ins Gesicht gesagt, „Dich sollte man aufhängen“.
Häme „schadet Demokratie“
Auch wenn ein CSU-Chef Söder die Grünen als Insekten-Esser verunglimpfe, die Maden-Müsli schätzten, „ist das jenseits eines demokratischen Umgangs“. Das setze natürlich den Grünen zu. „Aber es schadet auch der gesamten Demokratie, wenn so übereinander gesprochen wird.“
Zur Person
Privates: Maria Krieger (39) lebt mit ihrer Tochter (7) in Riedenburg. Mit ihr mal zum Schwimmen oder Reiten gehen, oder eine Runde Joggen im Wald – mehr Zeit für Hobbys bleibt derzeit nicht neben Beruf und Politik.
Beruf: Die Riedenburgerin ist studierte Volkswirtin mit Master in Internationalen Beziehungen und zusätzlich Marketingwirtin. Aus der Familienbrauerei Krieger stammend, ist sie beruflich in der Lebensmittelbranche geblieben, u.a. in Frankreich und München; derzeit als Referentin für ökologische Lebensmittelwirtschaft im Bundes-Landwirtschaftsministerium. Wenn sie dafür in Berlin ist, kümmert sich ihre Mutter ums Kind.
Politik: Mit 16 Jahren trat sie den Grünen bei, überzeugt von der Notwendigkeit von Ökologie und Schutz der Lebensgrundlagen. 2020 wurde sie erstmals in den Kelheimer Kreistag gewählt und ist dort jetzt Fraktionssprecherin. 2021 kandidierte sie erstmals für den Bundestag, verpasste aber den Einzug via Landesliste.
Wir stellen in einer Serie die Direktkandidatinnen und Direktkandidaten für den Wahlkreis Kelheim-Landshut im Porträt vor. Die Veröffentlichung erfolgt in alphabetischer Reihenfolge.