Ärzte wie gemacht für Cham: Landarztmacher begeistern seit zehn Jahren Medizinstudenten für die Region

Von Bernd Hofmann · 5. Februar 2025 um 19:00

Ein Paradoxon plagt die medizinische Versorgung auf dem Land: So viele Menschen studieren Medizin wie noch nie, aber trotzdem herrscht in ländlichen Gegenden ein Ärztemangel. Um das Problem zu lösen, gibt es seit zehn Jahren die Landarztmacher. Die versuchen, Medizinstudenten für den ländlichen Raum zu begeistern. Am Mittwoch wurde das Programm verlängert.

Das Projekt ermöglicht es Medizinstudenten in ihrem Studium Praktika bei Allgemeinärzten auf dem Land zu absolvieren, erklärt Dr. Wolfgang Blank. Er ist Gründer der Landarztmacher und unterzeichnete mit den Landräten der teilnehmenden Regionen und der Vorstandsvorsitzenden der AOK Bayern, Irmgard Stippler den Vertrag für drei weitere Jahre.

„Es ist nicht, dass wir besonders toll sind, aber wir sind die Einzigen, die sie offensichtlich ernst nehmen.“

Dr. Wolfgang Blank

Bei den Praktika sollen die Nachwuchsmediziner Erfahrungen sammeln und in Kontakt mit dem ländlichen Raum kommen, erklärt Blank. Er hat 2014 das Projekt mit seiner Praxis in Kirchberg im Wald im Landkreis Regen gestartet. Seitdem wurde das Projekt erweitert; mit dabei sind die Landkreise Cham, Regen, Freyung-Grafenau, Passau, Deggendorf und Schwandorf. Die Medizinstudenten können zu verschiedenen Zeitpunkten in ihrem Studium an dem Programm teilnehmen.

In den Praktika arbeiten die werdenden Ärzte entweder vier Wochen oder vier Monate in Praxen auf dem Land, erklärt Blank. Je nachdem, in welchem Teil ihres Studiums sie diese machen.

Bewerber aus Deutschland

Bewerber kommen aus ganz Deutschland, um in der Region eingesetzt zu werden. Vor allem die Mundpropaganda habe laut Blank einen großen Einfluss auf den Erfolg des Projekts: „Ich habe schon jetzt Bewerbungen für 2026 im Sommer.“ Der Arzt erklärt sich diesen Erfolg mit der Betreuung der werdenden Ärzte: „Es ist nicht, das wir besonders toll sind, aber wir sind die einzigen, die die Medizinstudenten offensichtlich ernst nehmen. So ein Student sagt, er will Menschen helfen – und dann dürfen die das nicht. Wenn 20 Leute um ein Bett rumstehen, wo einer eine Lungenerkrankung hat und alle dürfen nacheinander horchen, da lerne ich nichts.“ In den Praxen sehe das anders aus: „Wenn die bei uns ins Zimmer geschickt werden, ist das so: Der Patient hat Atemnot, schau dir das mal an und sag mir dann danach, was du dir überlegt hast.“

Diese Wertschätzung in den Praxen auf dem Land stelle eine positive Verbindung mit den Regionen her. Nach der Zeit an der Universität sei für viele Ärzte die Möglichkeit, in einer Klinik auf dem Land zu arbeiten, eine bessere Option als vor dem Praktikum. Die Studenten werden für ihre Tätigkeit bezahlt und bekommen mit fünf bis 15 anderen Studierenden eine Unterkunft gestellt.

Die AOK Unterstützt

Finanziert wird das Programm laut Blank durch einen Obolus der AOK Bayern von jährlich 150 000 Euro. Hiervon werden auch Tutoren bezahlt, die praxisnahe Kurse, wie zum Beispiel Nahtkurse oder Kinderkurse, halten. Hier werden laut Blank den Teilnehmern direkt Tipps an die Hand gegeben, die im Praktikum am nächsten Tag ausprobiert werden können.

Das Projekt funktioniert, das kann man im Landkreis Cham bereits sehen. Julia Kohlbeck ist ein Kind der ersten Stunde. Vor zehn Jahren machte sie, ausgelöst durch die Landarztmacher, ein Praktikum in einer Landarztpraxis. Als es für sie Zeit wurde, sich nach der Universität für einen Karriereweg zu entscheiden, fiel ihre Wahl auf Bad Kötzting. Dort hat ihr Mann eine Praxis übernommen, inspiriert von ihren Erlebnissen im Praktikum. Mittlerweile führt das Ehepaar Kohlbeck seit drei Jahren die Praxis in Bad Kötzting – und hat mittlerweile selbst Studenten der Landarztmacher in der Praxis.

Praxen der Regionen wurden für ihr Engagement geehrt.