Ex-Generalkonservator äußert sich zu Kaufhof-Brache und kritisiert arabisch-islamisches Kulturzentrum

Von Christian Eckl · 6. Februar 2025 um 11:00

Der frühere Kulturreferent Regensburgs, Egon Greipl, erinnert in einer Stellungnahme an das jüdische Erbe des Neupfarrplatzes und an die Geschichte des Kaufhauses, das als „Schocken“ begann.

Die Debatte rund um das frühere Gebäude von Galeria Kaufhof ist seit Wochen in vollem Gange. Ein Aspekt dabei ist die Frage, inwiefern der neue Investor damit rechnen muss, Einschränkungen für die Nutzung von Seiten der Behörden auferlegt zu bekommen. Hintergrund ist die Ankündigung, ein islamisches Kultur- und Shoppingcenter mit Barber-Shops und Halal-Speisen bis 2026 zu verwirklichen.

Die Stadt erwägt derzeit mehrere Optionen, unter anderem, das Vorkaufsrecht zu ziehen. Eine andere Option ist es, einen Bebauungsplan für das Areal aufzustellen und mit einer Nutzungssperre zu arbeiten. Klar ist aber auch: Der Investor beruft sich auf eine rechtsgültige Baugenehmigung, die bisher kommunizierte Nutzung wäre von dieser wohl weitgehend abgedeckt – und auch ein islamisches Kulturzentrum wäre im Hinblick auf die Nutzung von Räumen anderer Religionsgemeinschaften in der Altstadt wohl schwer zu verhindern.

Das Gebäude wird seit zwei Jahren genau beäugt – nämlich vom Denkmalschutz. „Die denkmalfachliche Untersuchung ist weit fortgeschritten, sodass bald ein Ergebnis vorliegen wird“, teilte das Landesamt für Denkmalpflege auf Anfrage kürzlich mit. Dabei steht laut einer Sprecherin nun erst einmal im Fokus, ob das Gebäude die Eigenschaften für ein Denkmal erfüllt. Zum einen steht das Gebäude für eine Ära der Kaufhaus-Bauten in Innenstädten. Symbolhaft dafür ist die sogenannte Horten-Kachel in Richtung Pfauengasse. Aber auch ein anderes Erbe dürfte die Denkmalschützer interessieren: Das jüdische Erbe nämlich, das sowohl der Neupfarrplatz, als auch das Kaufhaus-Gebäude mit sich bringt.

Nun hat sich ein Hochkaräter in Sachen Denkmalschutz geäußert, der in Regensburg durchaus einen Namen hat: Egon Greipl, früherer Kulturreferent der Stadt und Ex-Chef des Landesamts für Denkmalpflege spricht sich in einem offenen Brief (liegt der Mediengruppe Bayern vor) vehement gegen die Nutzung aus, die der Investor öffentlich kommunizierte. Greipl wiederholte die Argumentation der hiesigen Denkmalschützer: „Wer aus seinem oberpfälzischen Dorf in d`Stod fuhr, sprach meist davon, was er bon Schoggn einkaufen wolle“, schreibt Greipl.

In der Tat nannten bis heute noch ältere Regensburger den Kaufhof lieber „Schocken“. Der jüdische Gründer des Kaufhauses Schocken wurde Opfer des NS-Regimes und musste das Land verlassen. Auch das Kaufhaus in Regensburg wurde „arisiert“ und firmierte bis in die 70er–Jahre unter dem Namen Merkur. Übrigens legte Salman Schocken in Israel den Grundstein für die bis heute erscheinende linksliberale Zeitung „Haaretz“. Greipl verweist in seinem Schreiben auch auf die Ausgrabungen am Neupfarrplatz. Hier wurden in den 90er– Jahren die Überreste der 1519 niedergerissenen Synagoge archäologisch ausgegraben.

„Die Person des Investors ist wenig bekannt, auch fehlt die Kenntnis von Stroh-Hintermännern“, gibt Greipl zu bedenken. Und er fragt sich, ob sich ein solches Projekt mit der angedachten Nutzung verträgt: „Die Bezeichnung des Projekts als Arabisch-islamisches Kulturkaufhaus mit Shop in Shop Konzept, insbesondere Barbershops sowie Halal-Lebensmittelshops lässt viele Fragen offen, insbesondere ob und wie sich das Konzept mit den historischen Gegebenheiten in einer Zeit verträgt, in der die Konflikte des Nahen Ostens zunehmend auf andere Länder und Regionen übergreifen.“

Der frühere Generalkonservator und Ex-Kulturreferent von Regensburg, Egon Greipl