Ausstellung über Überlebende KZ Flossenbürg: Gegen das Vergessen von Mord und Folter

Von Alexander Frimberger · 5. Februar 2025 um 11:00

„Heute ein Heiliger, morgen ein Schweinehund“, heißt eine Wanderausstellung, die am 18. Februar im Landestormuseum Halt macht. Sie beschreibt eindrücklich, wie schnell aus unbescholtenen tschechischen Bürgern Häftlinge im KZ Flossenbürg wurden.

Es darf kein Vergessen der Gräueltaten während der Herrschaft der Nationalsozialisten und auch nicht der späteren kommunistischen Machthaber geben.

Darüber sind sich alle demokratischen Kräfte einig. Um die Erinnerung wach zu halten und um den tschechischen Menschen, die im Konzentrationslager Flossenbürg unter unmenschlichen Bedingungen gelebt haben, ein Andenken zu geben, wurde die Wanderausstellung, in der 15 ehemalige Häftlinge zu Wort kommen, konzipiert.

Auf einmal ist alles anders

„Zwischen 1938 und 1945 waren im Lagerkomplex Flossenbürg etwa 4500 tschechoslowakische Staatsbürger inhaftiert, von denen ein Fünftel nicht überlebte“, heißt es seitens der Gedenkstätten-Mitarbeiter Winfried Helm und Annette Kraus.

Die Dargestellten waren einfache Leute, Landwirte, Bankangestellte, Mütter, Regimekritiker oder Juden. Menschen, die sich nichts hatten zuschulden kommen lassen und trotzdem beispielsweise im zu Flossenbürg gehörenden Steinbruch unter härtesten Bedingungen arbeiten mussten. Vielen Biografien ist eins gemeinsam: Sie wurden für ihre Überzeugung eingesperrt, gequält, gefoltert und ermordet. Konnten sie aus dem Lager Flossenbürg befreit werden, wurden sie unter den neuen kommunistischen Machthabern der Tschechoslowakei ebenfalls unter Druck gesetzt oder sogar ermordet. Deshalb sagt Katharina Drescher-Seidl, verantwortlich für das Museumskonzept, über die Beweggründe, die Ausstellung nach Furth zu holen: „Schnell kann man bei politischen Veränderungen in eine ganz andere Rolle gedrängt werden.“ Acht der 15 Biografien werden im Georgssaal Platz finden. Neben den Schauwänden wird auch eine Medienwand aufgestellt, auf der die Interviews der Protagonisten zu sehen sein werden. Drescher-Seidl sagt, die Ausstellung zum Themenkomplex „Grenze und die jüngere Vergangenheit“ passe genau zu Furth im Wald. „Wir haben einen Bildungsauftrag, den wir auch erfüllen wollen“, so die Kulturwissenschaftlerin. Die Schicksale sind direkt an der Grenze zum heutigen Tschechien passiert, daher sei es so wichtig, sie zu beleuchten. Geschichte könne sich immer wieder wiederholen, warnt sie und ergänzt: „Wir alle müssen aufpassen, dass sie das nicht tut.“ Deswegen wird sich das Landestormuseum auch in Zukunft verstärkt um Präsentationen dieses Themenkreises widmen. Damit liegt man übrigens ganz auf der Linie der Landesstelle für nichtstaatliche Museen in Bayern. In einer Stellungnahme heißt es:

Demokratie stärken

„Wir arbeiten auf dem Fundament des Grundgesetzes und der darin verankerten demokratischen Werte. Mit Sorge nehmen wir wahr, dass diese Grundwerte im aktuellen gesellschaftspolitischen Klima zunehmend missachtet und infrage gestellt werden.“ Museen verfügen demnach über wichtige Kompetenzen, um vielfältige Perspektiven auf Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft sichtbar zu machen und zu unabhängiger Meinungsbildung einzuladen. Museen sollten diese Potenziale nutzen und so einen wichtigen Beitrag zur Stärkung unserer Demokratie zu leisten.

• Die Ausstellung läuft vom 18. Februar bis zum 22. April im Georgssaal des Landestormuseums. Öffnungszeiten bis 31. März: Di, Do, Sa, So von 11 bis 16 Uhr. Ab 1. April ist am Freitag zusätzlich geöffnet. Montag ist Ruhetag. Museumseintritt: 4,50 Euro (Kinder: 3,50 Euro).

Hingerichtet nach einem Schauprozess

Záviš Kalandra wächst in einer Arztfamilie in Mähren auf. Zum Studium unter anderem der Philosophie geht er 1921 nach Prag. Er bewegt sich in avantgardistischen Kreisen, tritt der kommunistischen Partei bei und schreibt für linke Zeitungen. In den 1930ern entfernt er sich von der Parteilinie und wird ausgeschlossen. Nach der Besetzung Prags 1939 beteiligt er sich am Widerstand. Unmittelbar nach Kriegsbeginn wird er im Rahmen einer präventiven Verhaftungsaktion von der Gestapo festgenommen. Nach seiner Rückkehr aus der Lagerhaft ist er traumatisiert. Dennoch vollendet er 1945 sein geschichtsphilosophisches Werk „Das tschechische Heidentum“. Zudem arbeitet er wieder als Journalist, nun vor allem für die sozialdemokratische und volkssozialistische Presse. Als die Kommunisten die Macht übernehmen, hält er sich mit wissenschaftlichen Stipendien über Wasser. 1949 wird er verhaftet und nach einem Schauprozess im Juni 1950 hingerichtet.

Das Landestormuseum steht für Erinnerung. Foto: Frimberger