Ein Verein bietet Albanern in Abensberg eine zweite Heimat

Von Lucia Pirkl · 5. Februar 2025 um 15:00

Der albanische Verein Nazmi Ukësmajli in Abensberg (Landkreis Kelheim) pflegt Sprache und Kultur – und gibt Anschub zur Integration.

Albanisch in einer deutschen Schule? Das hätte dem albanischen Verein Nazmi Ukësmajli aus Abensberg gut gefallen. Denn nach dem regulären Unterricht gleich im Schulhaus zu bleiben und die Muttersprache zu lernen, das würde einiges erleichtern, so die Ansicht von Vereinsvorsitzendem Besim Kelmendi.

Muttersprachlicher Ergänzungsunterricht, wie eben Albanisch, ist Sache der Konsulate, und, sofern das Sachaufwandsträger wollen, könnte der beispielsweise an Schulen stattfinden – freilich außerhalb des regulären Unterrichts. In der Mittelschule Abensberg hatte es damals nicht geklappt. „Wir brauchen den Platz für die Ganztagsschule“, so Rektor Wolfgang Brey. Sprachkurse seien zudem besser außerhalb der Schule aufgehoben.

Gemeinsame Sprache

So kam es, dass seit ein paar Jahren freitags Kelmendis Töchter und andere Kinder, deren Eltern albanischstämmig sind, die Sprache ein paar hundert Meter weiter, bei einer privaten Sprachschule pauken.

In und um Abensberg wohnen viele albanischstämmige Familien aus dem Kosovo, aus Albanien selbst, aus Mazedonien oder Montenegro. Sie alle eint kulturelles Brauchtum, Tänze, Kleidung, aber vor allem eben eine gemeinsame Sprache. Und die zu erhalten, das hat sich der Verein auf die Fahne geschrieben. Im Sprachunterricht, der vom Verein organisiert ist, sollen die Kinder erfahren, wo die Wurzeln ihrer Eltern liegen, und auch Geografie und Geschichte soll ihnen vermittelt werden.

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Denn vor allem die zweite Generation, die hier geboren ist, muss diese Geschichte oft neu erlernen. Als in den 1990ern der Balkankrieg ganz Europa erschütterte und im Kosovo Unruhen ausbrachen, suchten viele Menschen fernab von Gewalt ein sicheres Leben. Dazu gehört auch Kelmendi. Seit 1992 lebt der heute 47-Jährige in Deutschland. Sein Vater aber war bereits mit der ersten Gastarbeiterwelle aus dem Balkan in den 1970ern in Fulda gestrandet. Doch als sich die Zustände in der Heimat immer mehr zuspitzten, verließ auch die Mutter mit Sohn Besim den Kosovo. Der war damals 14. Fernab der Heimat, unsicher, was mit den Verwandten auf dem Balkan passieren und wie das Leben weitergehen wird, schlossen sich die Menschen zusammen. In Abensberg ist so der Verein Nazmi Ukësmajli entstanden. „Es ging in den Anfangsjahren vor allem um humanitäre Hilfe für den Kosovo“, so Kelmendi. Aber auch darum, Proteste zu organisieren. 2004 wurde der Verein in Abensberg eingetragen.

Die Geschichte des Kosovo, die ist freilich noch lange nicht zu Ende geschrieben. Auch Jahrzehnte nach dem Ende des Krieges brodelt es. Kelmendis Blicke und die seiner Landsleute richten sich so manches Mal auch bange auf den Ukrainekrieg. Denn Russland habe Einfluss auf Serbien. Wenn die Ukraine den Krieg verliere, dann hätte das auch Auswirkungen auf die politischen Verhältnisse auf dem Balkan, ist Kelmendi überzeugt.

Umso wichtiger sei es, dass man in der Ferne zusammenhalte. Der kosovarische und albanische Nationalfeiertag wird groß gefeiert, mit traditionellen Tänzen und auch mit Essen aus der Heimat. „Es ist uns einfach wichtig, die Kultur zu erhalten und uns auch von der besten Seite zu zeigen“, sagt Kelmendi. So organisiert der Verein nach wie vor humanitäre Hilfe, im Übrigen auch für andere Länder. Weniger ernst, mehr heiter geht es bei den gemeinsamen Fußballspielen zu. Und auch auf so manch anderem Fest präsentieren sie ihre Kultur. Allein, was fehlt, ist ein Raum, in dem sich der Verein regelmäßig trifft und in dem man die Vereinsutensilien lagern könnte.

In Deutschland daheim

Kelmendi und andere, die seit vielen Jahren im Verein sind, sind in Deutschland angekommen. „Ich glaube, dass die, die in den 1990ern kamen, sich gut integriert haben. Und ich glaube, dass einem auch die Gemeinschaft des Vereins dabei hilft“, so Kelmendi. Wenn man wisse, woher man komme, auf Unterstützung hoffen kann, ließe sich leichter ein Leben aufbauen.

Kosovo: Ein Staat, der sich noch finden muss:

Unabhängigkeit: Die Republik Kosovo hat etwa 1,8 Millionen Einwohner, die Kosovaren genannt werden, und gilt als ein De-facto-Staat oder weiterhin stabilisiertes De-facto-Regime. Seit der Unabhängigkeitserklärung vom 17. Februar 2008 ist der Kosovo aus Sicht seiner Institutionen ein souveräner Staat. Bis heute haben 115 von 193 UN-Mitgliedstaaten die Unabhängigkeit des Landes anerkannt (Quelle: Wikipedia).

Verein: Der Verein hat derzeit 140 Mitglieder – auch aus Riedenburg, Schierling, Rottenburg und Mainburg.

„Community“: Es gebe an die 50 verschiedenen albanischen Unternehmen rund um die Stadt, schätzt Vorsitzender Besim Kelmendi. Das Einwohnermeldeamt Abensberg verzeichnet 1197 kosovarische Staatsbürger und 44 aus Albanien (Stand: Januar 2025).

Feier: Der Verein feiert am 22. Februar ab 18 Uhr im Sportheim Saal Unabhängigkeitstag. Dann werden auch die Kinder Tänze in der traditionellen Tracht vorführen. Und am 23. Februar um 9 Uhr ist ein Fußballturnier.

Besim Kelmendi ist Vorsitzender im albanischen Verein Nazmi Ukësmajli. Foto: Pirkl