Gewissheit durch Früherkennung: Erstmals kostenloses Demenz-Screening in Roding

Je früher eine Demenz erkannt wird, desto besser kann gegen sie gearbeitet werden. Franz Marchl, der Behindertenbeauftragte der Stadt, bietet deshalb am Freitag, 14. Februar, erstmals einen Screeningtag im Rodinger Rathaus an. Von 10 bis 18 Uhr können alle Interessierten ab 65 Jahren, die sich vorher anmelden, ihre Gedächtnisleistung überprüfen lassen.
Bisher gab es die Screenings am Landratsamt in Cham. Marchl war es wichtig, das Angebot auch direkt in Roding anzubieten. Er sei schon darauf angesprochen worden, berichtet der engagierte Behindertenbeauftragte. Auch hätten einige Teilnehmer ansonsten Probleme, nach Cham zu kommen. Sollten sich viele Interessierte melden, kann sich Marchl, der gemeinsam mit dem Digitalen Demenzregister Bayern mit Sitz in Erlangen sowie Forschungspartnerin Gisela Simeth von der Ergotherapie Simeth und Kober einlädt, auch durchaus eine Wiederholung des Screenings vorstellen.
Für Menschen ab 65 Jahren
Das Testangebot richtet sich an Menschen ab 65 Jahren, die bei sich selbst eine Verschlechterung des Gedächtnisses wahrgenommen oder bei denen nahestehende Personen ein Nachlassen der geistlichen Leistungsfähigkeit bemerkt haben.
Demenzerkrankungen werden nach wie vor zu wenig diagnostiziert, weiß Marchl. Gleichzeitig werde die Demenz-Diagnose meist sehr spät und häufig erst bei fortgeschrittener Symptomatik gestellt. Deshalb seien Gedächtnistests sehr wichtig, erläutert der Behindertenbeauftragte. Für Menschen mit kognitiven Einschränkungen sowie ihre An- und Zugehörigen sei es von großer Bedeutung, frühzeitig Gewissheit zu haben: „Je früher eine Demenz erkannt wird, desto früher lernen Menschen mit Demenz sowie ihre An- und Zugehörigen mit dem Krankheitssymptomen umzugehen“, erklärt Professor Dr. Peter Kolominsky-Rabas. Der Neurologe ist einer der Projektleiter von digiDEM Bayern.
Keine Kosten
Das Ziel von digiDEM Bayern ist es, die Lebenssituation von Menschen mit Demenz sowie deren pflegenden An- und Zugehörigen nachhaltig zu verbessern. Gefördert wird die Initiative vom Bayerischen Staatsministerium für Gesundheit, Pflege und Prävention.
„Wir laden alle Bürger aus Roding zum Gedächtnistest ein. Nutzen sie die kurzen Anfahrtswege und lassen sie sich diese Chance nicht entgehen. Der kostenfreie wissenschaftliche Kurztest inklusive kurzer Beratung dauert nur etwa 20 Minuten und wird in einem geschützten Raum durchführt“, erläutert Marchl. Der Test ersetze zwar keine umfassende ärztliche Diagnose, liefere aber erste Hinweise darauf, ob eine weitere Abklärung notwendig und sinnvoll sei, betont der Behindertenbeauftragte.
Interessierte, die ihre Gedächtnisleistung überprüfen lassen wollen, können sich bei Franz Marchl anmelden, unter Telefon (09461) 91 00 45 (Montags bis freitags von 8.30 bis 12 Uhr).
Hilfsmittel mitbringen
Durchgeführt wird der erste Demenz-Screeningtag dann am Freitag, 14. Februar, von 10 bis 18 Uhr im Rathaus. Der Zugang ist barrierefrei. Interessierte, die beim Sehen und Hören eingeschränkt sind, werden dringend darum gebeten, ihre Seh- beziehungsweise Hörhilfen mitzubringen – ohne diese Hilfsmittel kann der Gedächtnistest nicht durchgeführt werden, erläutert Franz Marchl.
Digitales Demenzregister Bayern
Verlauf verstehen, Versorgung verbessern: Die Initiative „Digitales Demenzregister Bayern“ (digiDEM) baut derzeit ein Demenzregister für Bayern auf, um den Langzeitverlauf der Erkrankung besser zu verstehen und die Versorgungssituation von Menschen mit Demenz sowie deren An- und Zugehörigen im gesamten Freistaat zu verbessern. Dafür werden Menschen mit leichten kognitiven Beeinträchtigungen oder Demenz und ihre pflegenden Angehörigen systematisch zu ihrer Situation befragt.
Über 2000 Studienteilnehmer: Mit mehr als 2000 Studienteilnehmern hat digiDEM mittlerweile einen Rekordstand erreicht. Damit handelt es sich um das größte Demenz-Register in Deutschland und es gehört im Bereich Demenzforschung zu einem der umfangreichsten Projekte zur Erfassung von Langzeitdaten in der Europäischen Union.
Bayernweit Screening-Tage: Im Bereich Demenz-Früherkennung führt digiDEM bayernweit Screeningtage wie am Freitag in Roding durch. Dabei können Interessierte ihre Gedächtnisleistung direkt vor Ort kostenfrei mit Hilfe eines wissenschaftlichen Kurztests überprüfen lassen.
Digitale Angebote: Darüber hinaus entwickelt digiDEM Bayern digitale Angebote für Menschen mit kognitiven Einschränkungen und Demenz sowie für pflegende Zu- und Angehörige und ehrenamtliche Helfer. So gibt es zum Beispiel die „Angehörigen-Ampel“, einen kostenlosen anonymen Selbsttest, der pflegenden Zu- und Angehörigen mittels gezielter Fragen den Grad ihrer persönlichen Belastung anzeigt und ihnen damit einen Anstoß zur Veränderung gibt. Zu den weiteren digitalen Angeboten gehören unter anderem ein Hörtest, ein Wissenstest Demenz, ein Online-Fragebogen, mit dem nahestehende Personen von Betroffenen deren kognitiven Abbau einschätzen können, der Online-Fragebogen „digiDEM demand“ sowie Live-Webinare inklusive Mediathek und der Sciene-Watch-Newsletter.
Interdisziplinäres Projekt: digiDEM Bayern ist ein interdisziplinäres Forschungsprojekt der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, des Universitätsklinikums Erlangen und das Innovations-Clusters Medical Valley Europäische Metropolregion Nürnberg.
Förderung durch Staatsministerium: Gefördert wird das Projekt vom Bayerischen Staatsministerium für Gesundheit, Pflege und Prävention im Rahmen des Masterplans „Bayern Digital II“.