Steter Kampf gegen Barrieren im Alltag: Franz Marchl und VdK wollen nicht nur Behinderten helfen

Schon kleine Hürden können etwa für Rollstuhlfahrer oder andere eingeschränkte Personen ein nicht zu überwindendes Hindernis sein, weiß der Behindertenbeauftragte der Stadt Roding, Franz Marchl. Um die Probleme, die Menschen ohne Handicaps oft gar nicht auffallen, in den Fokus zu rücken, ist er viel unterwegs und organisiert Aktionen.
Rückendeckung erhält er dabei unter anderem vom VdK-Ortsverband Roding. „Die Arbeit für die Barrierefreiheit ist sehr wichtig“, betont Vorsitzender Dr. Michael Jobst.
Er freut sich, dass im Rodinger Ortsverband neben Marchl auch Renate Hecht, die Behindertenbeauftragte des Landkreises Cham, Mitglied ist. „So können wir diesen wichtigen Bereich sehr gut abdecken“, sagt Jobst.
„Hat sich schon viel getan“
„In Sachen Barrierefreiheit hat sich in Roding schon viel getan, aber es gibt immer noch Potenzial“, erläutert Marchl. Es gelte, die Bevölkerung weiter für die Thematik zu sensibilisieren. Dazu beitragen sollen Aktionen wie jüngst auf der Rodinger Messe, wo die Besucher unter anderem das Fahren in einem Rollstuhl selbst testen konnten. „Da ist vielen erst aufgefallen, welches Hindernis es etwa sein kann, wenn eine Bordsteinkante nicht abgesenkt ist“, erzählt der Behindertenbeauftragte vom „großen Erfolg“ den die Aktion gezeigt habe.
Auch ein Koffer mit verschiedenen Brillen, die eingeschränktes Sehvermögen oder Blindheit simulieren oder ein „Altersanzug“, der aufzeigt, welche Behinderungen der Bewegungen es im höheren Lebensalter geben kann, verfehlten ihre Wirkung nicht. „Wenn die Menschen selbst sehen und merken, welche Probleme es gibt, steigt auch das Verständnis“, hat Marchl festgestellt.
„Oft keine große Sache“
Oft sei es keine große Sache, Verbesserungen zu schaffen, etwa wenn es um die Absenkung von Bordsteinen geht. Auch am Rodinger Friedhof seien schnell Verbesserungen für alle Menschen, die etwa auch mit Rollatoren unterwegs sind, geschaffen worden, erläutert Marchl, der sich in diesem Zusammenhang auch bei Bürgermeisterin Alexandra Riedl und Geschäftsleiter Josef Kaml bedankt: „Die haben immer ein offenes Ohr, wenn es um das Thema Barrierefreiheit geht.“
Mittlerweile gibt es auch viele technische Möglichkeiten wie Induktionsschleifen in Sälen für Hörbehinderte oder spezielle Wegführung für Blinde und Sehbehinderte, weiß Marchl.
Doch um Barrieren weiter abzubauen, sei auch die Mithilfe der Bevölkerung nötig, erläutert der Behindertenbeauftragte. Dafür gibt es unter anderem einen „Kummerkasten“, der ab März wieder im Rodinger Rathaus aufgestellt wird. Bürger können dabei ein Formular ausfüllen, das daneben liegt, und so mitteilen, wo es in Sachen Barrierefreiheit Probleme gibt. „Ich hoffe, dass diese Möglichkeit wieder mehr genutzt wird, denn nur so werden wir auf manche Sachen aufmerksam“, erläutert Marchl. Die Verbesserungen würden oft nicht nur Menschen mit Handicap helfen, sondern auch etwa bei der Nutzung von Rollatoren – oder wenn man mit einem Kinderwagen unterwegs ist.
Anregungen holen
Anregungen, was in Roding auf diesem Gebiet noch verbessert werden könnte, holen sich Marchl und Renate Hecht auch bei den Treffen der Offenen Behindertenarbeit für den Landkreis Cham. Behindertenvertreter aus zahlreichen Kommunen im Landkreis tauschen sich dabei aus und holen sich Anregungen. „Auch, wenn in Roding schon vieles gut läuft, schadet es nicht, sich Tipps von anderen zu holen“, sagt Marchl, der auch mit der Behindertenarbeit im Landkreis Schwandorf in Kontakt steht.
Während der Behindertenbeauftragte bei der Kommune auf offene Ohren stößt, ist dies etwa bei privaten Bauträgern oft nicht der Fall. „Ich würde mir wünschen, dass auch in diesem Bereich mehr auf die Barrierefreiheit geachtet würde“, sagt Marchl. Auch Privatpersonen könnten oft ohne großen Aufwand deutliche Verbesserungen für Menschen mit Handicap schaffen, etwa durch eine kleine Rampe an der Eingangstür, erläutert er.
Und auch bei Menschen mit Behinderung selbst sei es wichtig, dass sie sich an die Regeln halten, sagt Marchl. So dürfe etwa auf den speziell ausgewiesenen Behindertenparkplätzen nur dann der Wagen abgestellt werden, wenn ein blauer Ausweis vorhanden ist. „Der Schwerbehindertenausweis alleine reicht nicht“, betont Marchl. Die Behindertenparkplätze müssten für die Menschen, die sie benötigen freigehalten werden, damit diese möglichst kurze Wege etwa zu Ärzten oder Apotheken haben.
Der VdK-Ortsverband Roding
Am 12. März 1947 gegründet: Der VdK-Ortsverband Roding wurde am 12. März 1947 im Gasthaus Holz gegründet, er wird also bald 77 Jahre alt.
Mitglieder-Höchststand mit derzeit 1250 Personen: Mit 1250 Personen ist der VdK-Ortsverband mittlerweile der mitgliederstärkste Verein im Rodinger Stadtgebiet.
„Beratungsbedarf ist groß“: „Das ist einerseits erfreulich, zeigt aber auf der anderen Seite auch, wie groß der Beratungsbedarf bei den Bürgern etwa bei den Themen Renten, Behinderung oder Pflege ist“, sagt der Ortsverbands-Vorsitzende Dr. Michael Jobst.