Magd und Dienstherrin unter einem Dach: Aus dem Leben von Babett Hofbauer aus Stamsried

Vor zehn Jahren ist Babett Hofbauer gestorben – sie war wohl eine der letzten Dienstmägde im Raum Stamsried. Sie lebte und arbeitete bei der Familie Häusler. Der 2. Februar hatte für Dienstboten eine besondere Bedeutung.
Wer kannte die Hofbauer Babett nicht im Rodinger Raum? Sie gehörte jahrzehntelang zu Stamsried, zur Familie Häusler in der Lukas-Rauffer-Straße wie keine andere. Echo-Berichterstatter Jakob Moro kannte Babett noch aus seinen Kindertagen, als sie mit ihrem „Cormick“ vom Feld oder von der Wiese nach Stamsried tuckerte.
Es gibt heute kaum mehr jemanden, der noch Dienstbote war und es gibt sicher noch weniger, die auf sechs unterschiedliche Dienststellen zurückblicken konnten, wie die Babett. Geboren ist Barbara Hofbauer in Großenzenried. Ihre Mutter ist früh gestorben.
Die Babett erzählte: „Meine Mutter kannte ich nicht mehr. Mein Vater besaß eine kleine Landwirtschaft, heiratete nochmals. Er machte Rechen, die er an die Bauern der Umgebung verkaufte. Es reichte kaum zum Leben.“ In die Schule ging sie in Stamsried. Noch gut erinnerte sie sich an das Mädchenschulhaus neben der Stamsrieder Kirche, das vor Jahrzehnten abgerissen wurde. Auch erinnerte sie sich noch gut an ihre Mitschülerinnen.
Gefragt nach den Dienststellenwechsel an Maria Lichtmess erzählte sie, dass sie da ein paar Tage zu Hause war und nicht arbeiten musste. Babett hatte immer ein fröhliches Gemüt, und war immer zu einem Spaß aufgelegt. Barbara Hofbauer war selbstbewusst und sagte: „Mir kann niemand was nachsagen, ich hab meine Arbeit getan.“ Sie fühlte sich sehr wohl an ihrer letzten Dienststelle bei der Familie Häusler in Stamsried. Sie lebte mit ihrer „Chefin“ Anna Häusler in der Lukas-Rauffer-Straße zusammen und versorgte den gemeinsamen Haushalt.
Sie gehörte zur Familie
Anna Häusler stammte aus dem Sudetenland. 1946 heimatvertrieben, heiratete sie den Schmiedemeister Johann Häusler und war selbst nach dem Krieg in Stellung bei mehreren Haushalten in Stamsried. Sie war froh über ihre „Babett und sagte über sie: „Babett ist jetzt seit über 40 Jahren bei uns, seit 1986 in Rente. Babett war für uns eine große Hilfe – für Hans und mich.
Sie hatte den Bulldog-Führerschein, den sie bei ihrer letzten Dienststelle auf dem Todhof gemacht hat, bevor sie zu uns kam, befuhr ohne Unfall die enge Hofstelle bei uns, fuhr das Heu und das Stroh nach dem Mähdreschen heim. “ Einfach war das Leben auf einem Bauernhof früher nicht. Es herrschte eine strenge Rangordnung zwischen den Bauern, den Oberknecht, dem Anderknecht, Unterknecht und Hütebub. Auch bei den Frauen galt eine ähnliche Rangordnung: Die große Dirn kam gleich nach der Bäuerin, dann kam die Mitterdirn und dann die Kuchldirn. Die Hofbauer Babett kannte diese Rangordnung bei der Familie Häusler in Stamsried nicht, sie gehörte zur Familie.
An Maria Lichtmess begann auf den Bauernhof ein neues Arbeitsjahr. In den bäuerlichen Arbeitsmarkt kam Bewegung. Bauern, die mit ihren Dienstboten nicht mehr zufrieden waren, konnten den Dienst aufkündigen, ber auch für die Dienstboten, Knechte und Mägde war es die Gelegenheit, sich nach einem neuen Bauern umzusehen. Der Lichtmesstag war auch der größte Zahltag im Jahr.
Der Dienstbotenhierarchie entsprach auch die Bezahlung. Während der Oberknecht bis zu 100 Gulden im Jahr verdiente, lag der Lohn eines Hütebuben zwischen 25 und 30 Gulden. Weibliche Dienstboten wurden wesentlich schlechter bezahlt, meist erhielten sie nur rund die Hälfte des Lohns ihrer männlichen Kollegen. Neben den Geldlohn erhielten die Dienstboten zum Teil bis ins 20. Jahrhundert hinein Naturalien und Bekleidung. So erhielt ein Pferdeknecht um 1900 zwischen 140 und 200 Mark Jahreslohn, dazu 1/8 Schäffel Hafer (entspricht knapp 20 kg), sieben bis zehn Sack Kartoffeln, einen Arbeitsanzug, drei Hemden und drei Schürzen. Die Mägde erhielten zusätzlich meist Leinen, Schuhe und Schmalz.
Ein- oder ausgestellt wurden die Dienstboten zu Lichtmess (2.2.) oder zu Michaeli (29.9.). Eine neue Arbeitsstelle fand man entweder durch Kontakte im Wirtshaus oder seit Mitte des 19. Jahrhunderts durch professionelle „Gesinde-Vermiether“, ähnlich den heutigen Leiharbeitsfirmen. Gute Kost spielte für die Wahl der Dienststelle eine wichtige Rolle. Meist war das Dienstbotendasein Durchgangsstation zwischen Schulentlassung und Heirat nach Ankauf oder Erbe eines eigenen Anwesens. Zur Heirat benötigte man früher die Erlaubnis der zuständigen Heimatgemeinde. Diese Erlaubnis wurde nur erteilt, wenn das betreffende Paar in sicheren Vermögensverhältnissen lebte.
Gesindeordnungen sorgten für Disziplin der Dienstboten. Im Dienstbotenbuch gab es zahllose Anweisungen, wie: Jeder Dienstbote auf dem Lande ist sich auf ein Jahr zu verdingen schuldig, und darf unter keinem Vorwande freiwillig seinen Dienst verlassen. Weiter heißt es in der Verordnung etwa: Jeder Dienstbote muss bei Strafe von einem Gulden 30 Kreuzer mit einem Dienstbuch versehen seyn, und ebenso wird jeder Dienstbote, der sein Wanderbuch verliert, ebenfalls mit einem Gulden und 30 Kreuzer gestraft.
Wappeln für die Rente
Der Stellungswechsel an Lichtmess war nicht nur ein Brauch, sondern in den 1828 für ganz Bayern erlassen Vorschriften über die Verhältnisse der Dienstboten verankert. Die Vakanz (dienstfreie Zeit) für die Dienstboten dauerte bis zum Agathentag, sprich bis zum 5. Februar. Dienstboten, die den Hof verließen, entließ der Bauer mit einem Eintrag ins Dienstbuch, das bei einer Neueinstellung vorgelegt werden musste. Das Dienstbotenbuch war später wichtig, wenn der Nachweis für die Rente erbracht werden musste. Dies hieß früher Wappeln. Hat ein Bauer nicht in die Rentenversicherung einbezahlt, hat der Dienstbote auch nicht gewappelt, dann bekam er später auch keine Rente.

