Imker Georg Graf und sein besonderes Bienenhaus in Untertraubenbach

Cham. Georg Graf war Imker mit Leib und Seele. Er baute sich in Untertraubenbach ein Bienenhaus direkt neben sein Wohnhaus an der Straße. Die Nachbarn und die Bienen lebten friedlich miteinander. Nur einmal hat es den Postboten erwischt...
Wenn man in Untertraubenbach entlang der alten Dorfstraße aus Richtung Cham kommend seine Blicke nach rechts richtete, sah man bei der Hausnummer 28 ein kleines, fast eingezwängtes Häuschen, das sich in die angrenzenden Nachbarhäuser gut einfügte. Schon einen Blick weiter gab es eine zweite Überraschung. Ein Bienenhaus stand dort in der Enge des Dorfes.
Es war kein kleines und war vollgefüllt mit vielen starken Bienenvölkern. Wie das hier möglich war, noch genau vor 20 Jahren, das wollen wir erzählen.
Georg Graf, der damals, am letzten Tag des Jahres 2003, 81 Jahre alt wurde, wohnte hier und erfreute sich nach wie vor an seinen Bienen. Aber wie kommt es, dass man in dieser dörflichen Enge überhaupt imkern konnte? Für den Schorsch war dies kein besonderes Problem. Er erzählte damals dann etwas mehr aus seiner „Imkerlaufbahn“.
Genau genommen war Georg Graf nämlich schon in Sachen Bienen vorbelastet. „Auf dem Haus“ in Pösing, wo er geboren wurde, hatte man schon Bienen, und von seinem Großvater hatte er schon so manches frühzeitig erlernt. Als er 1949 seine Frau Maria aus der Hallertau heiratete, bekam er einen Schwiegervater, der ebenfalls eine Imkerei mit etwa 150 Bienenvölkern betrieb.
Was lag nun für den Schorsch näher, als mit dem vorhandenen Wissen ebenfalls mit dem Imkern zu beginnen. Und das tat er auch, damals schon fest unterstützt von seiner Frau, die ebenfalls imkerliches Blut in ihren Adern hatte. 1951 kauften sich die Grafs das kleine Anwesen in Untertraubenbach, und der Schorsch baute sich sofort, wenn auch wenig Platz war, dicht vor der Haustür ein Bienenhaus.
Ein zweiter Bienenstand im Au-Wald
Von seinem Schwiegervater bekam er zwei Bienenvölker als Grundstock, und aus diesen erfolgte dann eine stete Aufwärtsentwicklung. Als er die vielen Völker, der höchste Stand waren 51, bei ihm zuhause nicht mehr unterbringen konnte, baute er sich einen zweiten Bienenstand im Au-Wald. Die vielen Bienenkästen schreinerte er sich selbst, denn zum Kaufen fehlte das Geld. Und so betrieben die Eheleute Graf nebenbei die Imkerei. Als 1992 Grafs Ehefrau gestorben ist, ging mit ihr auch ein Stück Lebensfreude für den Schorsch verloren. Zuvor hatte er schon aus Altersgründen seinen Waldbienenstand in der Au aufgegeben und nur mehr daheim geimkert. Zehn Bienenvölker standen dann noch in seinem Bienenhaus. Doch allein das Gefühl, dass Bienen in der Nähe sind, beflügelte schon seinen Alltag. Und was liegt in diesem Fall näher, als auch zu fragen, ob er unter diesen räumlichen Umständen keine Schwierigkeiten mit den Nachbarn hatte, die dauernd von den Bienen umschwärmt wurden. Doch der Schorsch winkte ab. „Ich habe sehr gute Nachbarn und habe noch nie Schwierigkeiten damit gehabt. Des derfst ma glaubn“. Die Bienen müssen gleich hoch aufsteigen, damit sie über die Dächer kommen und das ist schon ein Vorteil und stechlustig waren sie sowieso nicht, so der Schorsch.
Nur einmal, so erinnerte er sich, hat es einen Postboten erwischt und drüben in der Au einen Bahnarbeiter bei Gleisarbeiten. Dieser hat es einige Tage mit einem arg geschwollenen Gesicht aushalten müssen. Georg Graf gehörte damals auch schon über 50 Jahre dem Imkerverein Radling an und war dort bereits Ehrenmitglied.
Zum Schluss erzählte uns Schorsch noch eine lustige Geschichte aus seinem Imkerleben: Es ist schon lange her, da kam eines Tages ein Untertraubenbacher mit einem vor Schmerz gebeugten Rücken zu ihm. Er habe arg Kreuzweh sagte dieser und er habe gehört, dass Bienenstiche, wenn es Rheuma ist, helfen sollen.
Fünf Bienenstiche gegen Rheuma
Und er bat den Schorsch, eine Biene zu fangen, die ihm dann einen giftigen und heilsamen Stich geben soll. Dieser fing auch eine Biene, setzte diese auf der schmerzenden Stelle am Rücken auf die blanke Haut. Die Biene brauchte gar lange, bis sie diesen Wunsch erfüllte. Das war zu wenig, meinte der Leidende und bat darum, ihm mehrere Stiche zu „verabreichen“. Der Schorsch holte nun fünf Bienen aus einem Volk und setzte sie auf die schmerzende Stelle. Das genügte. Am nächsten Tag kam der Mann wieder, frei von Schmerzen, und bedankte sich.
Früher standen in den Gärten von Untertraubenbach mehrere Bienenhäuser und vervollständigten in der damaligen Zeit das Ortsbild. Georg Graf war einer von mehreren den Imkern. Er starb im Jahr 2007 im Alter von 85 Jahren.



