Geld- und Lehrermangel: Regensburg hinterfragt Betreuung am Von-Müller-Gymnasium

Die Kassen sind klamm, es mangelt an Lehrern: Aus diesen Gründen stellt die Stadt Regensburg die Ganztagsbetreuung am städtischen Von-Müller-Gymnasium (VMG) auf den Prüfstand. Eltern kritisieren die Pläne und die Aussage, die bestehende hochwertige Betreuung sei ein „Luxus“.
Wie viel Geld kann die Stadt Regensburg für Bildungseinrichtungen ausgeben? Welche freiwilligen Zusatzangebote für Schüler kann sie sich leisten? Und wo ist die Grenze zum „Luxus“? Diese Fragen wirft eine Entscheidung des Bildungsreferats auf, die gerade am städtischen Von-Müller-Gymnasium (VMG) für Diskussionen sorgt: Die Ganztagsbetreuung soll umgestellt werden. Am Dienstag verteidigt nun Bildungsreferentin Dr. Sabine Kellner-Mayrhofer diese Pläne bei einem Treffen mit den Eltern. Diese sehen die Umstellung teils kritisch.
„Das im November 2015 vom Stadtrat beschlossene und gut funktionierende offene Ganztagskonzept soll nun [...] umgebaut und deutlich reduziert werden“, schreibt Elternbeiratsvorsitzender Kurt Buchloh in einem Rundbrief, der Eltern sowie Politiker erreichte. Als einziges staatliches Gymnasium in Regensburg hat das VMG eine Betreuung, bei der voll ausgebildete Lehrkräfte am Nachmittag den Schülern beispielsweise bei Hausaufgaben helfen.
Ein „Porsche“ und „Luxus“
Diese Zusatzleistung mag einen großen Mehrwert für die Schüler bringen, jedoch ist die Stadt in Sorge, dass sie sich das in Zukunft nicht mehr leisten kann. „Die Stadt Regensburg ist in Zeiten einer besonders angespannten Haushaltslage gezwungen, freiwillige Leistungen konsequent zu hinterfragen und ggf. zu reduzieren“, teilt die Pressestelle der Stadt mit.
Schon im Dezember versuchte die Stadt, diese Situation bei einem Treffen des Schulforums den Eltern zu erklären. Überspitzt verglich Bildungsreferentin Kellner-Mayrhofer das derzeitige Niveau der Betreuung mit einem „Porsche“ und sprach von „Luxus“. Diese Formulierung kam bei einigen Eltern nicht allzu gut an und so schrieb Elternbeiratsvorsitzender Buchloh: „Hier wird ein Leuchtturmprojekt aus dem Jahr 2015 nun plötzlich als nicht mehr finanzierbarer Luxus bezeichnet.“
Die Stadt wiederum verstehe den Unmut, sieht sich aber auch unter Zugzwang. Die Wiedereinführung des G9 werde zu einem erheblichen Lehrkräftemangel führen, so die Pressestelle. Sieben neue Lehrkräfte brauche das VMG für die hinzukommende Jahrgangsstufe. Da sei „aus Sicht der Stadt nicht zu verantworten, dass im städtischen Gymnasium zusätzliche Ressourcen an Lehrkräften im Offenen Ganztag gebunden werden“.
Und nun? Bedeutet das das Aus für die Ganztagsbetreuung? Die Stadt stellt klar: Nein. „Eine Betreuung am Nachmittag ist weiterhin gewährleistet“, schreibt die Pressestelle. Diese soll aber eben in Zukunft nicht mehr von voll ausgebildeten Lehrern übernommen werden, sondern von einem freien Träger, wie es auch an allen anderen staatlichen Gymnasien der Fall sei, so die Stadt. „Die Stadt Regensburg ist sehr zuversichtlich, einen passenden Kooperationspartner zu finden.“
Welche Auswirkungen dies auf die Qualität des Angebots haben könnte, wird sich zeigen. Elternbeiratsvorsitzender Buchloh plädiert zumindest für den Wert des derzeitigen Angebotsniveaus. Das „eigenständige Arbeiten ohne störende Einflüsse und Lernen unter Beratung und Betreuung voll ausgebildeter Lehrkräfte“ biete auch „Chancengleichheit und Bildungsgerechtigkeit für alle Schüler“.
OB: Kein Sparen bei Bildung
Ist nun diese Entscheidung, die Ganztagsbetreuung am VMG umzustellen, ein Zeichen, dass Regensburg generell im Bildungsbereich den Rotstift ansetzen wird? Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer widerspricht: „Nein, der Bildungsbereich hat Priorität“, betont das Stadtoberhaupt. „Im konkreten Fall am VMG geht es darum, den Übergang zum G9 zu schaffen. Dafür, das heißt für den Pflichtunterricht, brauchen wir die Lehrerinnen und Lehrer.“ Abgesehen davon habe die Stadt ein „äußerst ambitioniertes Investitionsprogramm“ geschnürt, das allein 172 Millionen Euro in den Schulbereich pumpen soll.
Trotz dieser vielen Millionen bedingten die „knappen Kassen“, dass an manchen Stellen Abstriche gemacht und „freiwillige Leistungen hinterfragt“ werden, so die Stadt. Nach der Infoveranstaltung am Dienstag wird die Umstellung „den politischen Gremien zeitnah zur Entscheidung vorgelegt“, so OB Maltz-Schwarzfischer.