„In jedem siebten Ei“: Stefan Fleischmann sammelt seit über 20 Jahren Ü-Ei-Figuren

In einer Serie erzählen wir von der größten Leidenschaft unserer Leser – von ihren außergewöhnlichen Hobbys. In dieser Folge stellen wir Stefan Fleischmann aus Burglengenfeld im Landkreis Schwandorf vor. Der 51-Jährige ist seit 2004 leidenschaftlicher Sammler von Überraschungseier-Figuren.
An seine erste Figur aus einem Kinder-Überraschungsei im Jahr 2004 erinnert sich Stefan Fleischmann (51) aus Burglengenfeld im Landkreis Schwandorf noch ganz genau: ein Maulwurf in einem grünen Sessel. Eigentlich wäre dieses Ei, die Mischung aus „Spannung, Spiel und Schokolade“, wie es damals in der Werbung hieß, für seine kleine Tochter bestimmt gewesen. Doch ihr Papa war sofort fasziniert von der Figur – wie längst viele Sammler weltweit. Eine Leidenschaft war geweckt. Heute besitzt Fleischmann 3480 Figuren, sorgfältig aufgereiht in neun selbstgebauten Vitrinen, darunter natürlich auch der Maulwurf.
Profis gehen auf Ü-Ei-Börsen
Anfangs kaufte sich Fleischmann noch selbst einige Ü-Eier, heute tauscht er vor allem auf Börsen. Die weltweit größte Börse findet viermal im Jahr in Dreieich in Hessen statt und ist ein wahres Paradies für leidenschaftliche Sammler. Am begehrtesten seien komplette Sätze, betont Fleischmann, außerdem gebe es Nebensätze. Jedes Jahr bringt Ferrero etwa 20 Figurenserien und 150 zusammenbaubare Spielzeuge im Ei auf den Markt. In jedem siebten Ei soll eine Figur stecken. Die erste, noch handbemalte Serie, so berichtet Fleischmann, sei „Erkennst du deinen Schlumpf“ zwischen 1981 und 1983 gewesen. Die Krux seien die wichtigen Zubehöre wie winzige Stelzen oder Seile, die oft verloren gingen. Nur eine komplette Figur sei für Sammler interessant, am besten mit Beipackzettel und idealerweise gar noch mit Aufkleber, falls vorhanden, und im Original-Plastikbeutel, erklärt Fleischmann und blättert durch einen Ordner, in dem er seine vielen Beipackzettel fein säuberlich aufbewahrt. Es gebe sogar Menschen, die ausschließlich auf der Jagd nach diesen Zettel sind.
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Sammler-Hype der 90er Jahre
Ü-Eier sind anscheinend ein Phänomen. Und sie spiegeln den Zeitgeist jeder Epoche wider, wenn man zum Beispiel an die Filmfiguren von Dschungelbuch bis Herr der Ringe denkt – Helden, die die Kinder in den Jahrzehnten kennengelernt haben. In den 1990er Jahren brach ein regelrechter Sammler-Hype aus, doch dieser sei abgeflaut. Nicht bei Stefan Fleischmann: Er sprüht vor Begeisterung, wenn er von seiner Leidenschaft erzählt. Ihm gehe es einfach darum, schöne Figuren zu besitzen, die ihm gefallen – keinesfalls um damit Geld zu verdienen. Seine Lieblinge seien die Biene Maya-Figuren, wie der Oberst Emsig, sagt der Burglengenfelder strahlend und deutet auf eine große Serie davon. „Der Wert ist für mich nebensächlich. Ich habe noch nie eine Figur verkauft.“ Denn tatsächlich werden manchmal horrende Preise verlangt: Für den Eitelkeitsschlumpf und den Flötenschlumpf zum Beispiel möchte ein Sammler im Internet bis zu 10000 Euro, für den Nachtwächterschlumpf gar 12000 Euro. „Ob man das tatsächlich bekommt, ist natürlich nicht sicher“, wendet Fleischmann ein, der immerhin einen Geburtstagsschlumpf besitzt – inzwischen rund 80 Euro wert und sein teuerstes Stück. Seine älteste Figur, ein Pumuckl aus dem Jahr 1983, ist ebenfalls etwa 80 Euro wert.
Viele Fälschungen auf dem Markt
Wegen der Preissteigerungen, vor allem bei den älteren Figuren oder auch bei den Beipackzetteln, seien viele Fälschungen auf dem Markt. „Heiß begehrt sind Figuren mit Fehlern, gerade die handbemalten, wenn ein Pinsel abgerutscht ist“, erzählt Fleischmann. Dafür gebe es sogar Echtheitszertifikate. Sein wichtigstes Buch ist daher der jährlich erscheinende Katalog „Eierlei“, in dem alle Figuren aufgelistet sind und der einen guten Überblick gebe, sagt der 51-Jährige.
Das alles braucht natürlich Platz. Bis 2015 wohnte die Familie in einer Mietwohnung, und Fleischmann hatte nur eine einzige Vitrine zur Verfügung für seine Sammelleidenschaft. Dann kaufte die Familie ein Haus, das der gelernte Tischler selbst renovierte und sich im Keller einen eigenen Ü-Ei-Raum einrichtete – fast schon ein Museum. „Wichtig ist, alles in Ruhe zu tun. Ich lasse mir Zeit beim Sortieren und Aufstellen.“ Viele Abende verbringt er hier, und seine Frau Andrea hat dafür Verständnis.
Nur eine einzige Ecke im Raum ist nun noch frei, und bis Ostern, wenn wieder Sondereditionen erscheinen, will Fleischmann, der bei BMW in Wackersdorf arbeitet, auch dort eine Vitrine fertiggestellt haben. Manche Eier oder Maxi-Eier sind noch nicht ausgepackt, und das soll so bleiben. Diese seien mehr zur Dekoration. Neue Ü-Eier kauft der 51-Jährige aber außer Sondereditionen nach wie vor nicht – er steht also nicht im Supermarkt, schüttelt die Eier und horcht daran. „Ich kenne Leute, die tun das und stellen das Gewicht des Eis mit der Löffelwaage fest, um auf den Inhalt zu schließen.“
Traum: „Olympiade der Schlümpfe“ von 1983
Fleischmann jedoch möchte auch noch Zeit für sein zweites Hobby haben: Er fährt zu allen Länderspielen der Fußball-Nationalmannschaft in Deutschland. Auch dort, in jeder großen Stadt, halte er natürlich Ausschau nach Ü-Ei-Figuren. Sein größter Wunsch wäre zurzeit ein kompletter Satz „Olympiade der Schlümpfe“ von 1983 – eine Rarität. Darunter gebe es sogar eine Hüpfschlumpfine, idealerweise mit Springseil. Diese, so seufzt Fleischmann, bleibe wohl ein Traum. Aber Ziele brauche ein Sammler ja schließlich immer.
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