Bei Andreas Hanauer aus Regensburg stapeln sich die Comics bis unter die Decke

Von Philip Hell · 15. Dezember 2024 um 05:00

In einer Serie erzählen wir von der größten Leidenschaft unserer Leser – von ihren außergewöhnlichen Hobbys. In dieser Folge erzählt Andreas Hanauer aus Regensburg, warum sich in seinem Haus die Comics buchstäblich bis zu Decke stapeln.

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Um die offensichtlichste Frage gleich zu beantworten: Nein, Andreas Hanauer weiß nicht, wie viele Comics er besitzt. Was er aber weiß: Es sind viele, sehr viele. In seinem Haus im Regensburger Westen stapeln sie sich buchstäblich bis zu Decke. „Meine Frau macht das Gott sei Dank mit.“

Leidenschaft begann als Bub in Cham

Seine Leidenschaft begann als Bub in Cham. „Damals hatten wir einen Fix-und-Foxi-Club.“ Einen Fernseher schaffte die Familie erst zur Fußball-Weltmeisterschaft 1974 an. „Wir waren die ganze Zeit draußen.“ Gemeinsam hätten sie Fußball gespielt – und Comics gezeichnet.

Der Bub wurde zum jungen Mann und eine andere Leidenschaften drängte in sein Leben: die Musik. Um ein Haar hätte er mit seinen Punkband den Durchbruch geschafft. Doch der Produzent ging pleite, der Ruhm schwamm die Donau hinab. Hanauer war fast ein bissl froh drum. Schließlich war er erst kurz zuvor Vater geworden. Seine Bandkollegen sahen das anders.

„Habe die Sachen immer gerne gelesen“

Später schwappten Erwachsenen-Comics aus Frankreich nach Deutschland. „Das waren schon ganz andere Sachen dabei von Horror bis Science-Fiction.“ Deutschland war lang ein Comic-Entwicklungsland, erzählt Hanauer. „Man war stolz auf Wilhelm Busch – und die Studienräte haben halt noch Asterix gekannt. Und dann war es schon aus.“ In den vergangenen Jahren habe Deutschland aber stark angezogen. Das merkt auch Hanauer: „Früher hatte ich das Gefühl: Ich kaufe mir alles, was gut ist. Heute habe ich da gar keine Chance mehr.“ Am Ende des Tages sei das alles ja auch eine Platzfrage. „Ich habe die Sachen immer gerne gelesen. Dazu gehört natürlich das Aufheben.“ Und überhaupt: „Die meisten Comics sind Serien.“ Da will Hanauer natürlich erfahren, wie die Geschichte weitergeht.

Ein Comic-Erweckungserlebnis hatte Hanauer im Hugendubel, damals noch in der Wahlenstraße. Der junge Ludwig Kellner empfahl ihm: „Lies mal den Preacher.“ Ein trashiger Comic mit viel Gewalt und schwarzem Humor. „Das war super neuartig. Total abgefahren.“

Superhelden haben es Hanauer besonders angetan. Batman, Superman, die Watchmen – er hat sie alle verschlungen. Zum Teil sind die Geschichten schon fast 100 Jahre alt. „Es ist wie mit den griechischen Sagen. Man hat einen Mythos, etwas eskapistisches. Mit Superhelden kann man alles erzählen.“

Kolumne für Comic-Preiskatalog

Für den Comic-Preiskatalog, ein Fachmagazin, schreibt Hanauer jedes Jahr eine Kolumne – versehen ist sie mit seinen eigenen Zeichnungen. Heuer hat er sich selbst porträtiert. Sein kleines Ich spitzt um die Ecke und schaut einem Mann mit Leiterwagen nach. Darauf stapeln sich Comics. Die Szene gab es wirklich. Der Mann arbeitete bei einem Chamer Zeitschriftenhändler und brachte die Comics nach Feierabend in ein Lager. Hanauer folgte ihm unauffällig und stellte fest: „Die Tür war nicht abgesperrt.“

„Irgendwann muss ich die Comics verkaufen“

Wo wir gerade bei Preisen wären: Schlummern bei Hanauer eigentlich Comic-Schätze auf dem Dachboden. „Bei uns sind die Preise im Vergleich zu Amerika lächerlich.“ Da gehe es in die Millionen, sagt Hanauer. Wobei: „Ich habe schon ein paar relativ wertvolle Ausgaben.“ Das erste Lustige Taschenbuch zum Beispiel. „Das steht gerade bei 6000 Euro.“ Eines steht für ihn fest: „Irgendwann muss ich die Comics verkaufen.“ Seine Kinder lesen zwar durchaus Comics. „Aber es ist schon eine Belastung, wenn so viel rumsteht.“

Hanauer ist Kunsterzieher

Nicht nur Comics stapeln sich in Hanauers Haus. An den Wänden hängen auch zahlreiche Bilder von ihm. „Ich habe schon immer gern gezeichnet.“ Gut, der Mann ist Kunsterzieher, das bietet sich an. Gemeinsam mit zwei Freunden bildet er ein Künstlertrio. Zu dritt malen sie an einem Bild, wobei ein einzigartiges Kunstwerk herauskommt. Kürzlich haben sie in Roding ausgestellt. Aber selber Comics zeichnen? „Hab ich früher schon mal gemacht. Aber es ist mir zu viel Arbeit.“

Und nun, die zweitoffensichtlichste Frage zum Schluss: Nein, Andreas Hanauer hat keinen Lieblingscomic. „Eigentlich kann man die Comics auch nicht vergleichen. Jeder ist einzigartig.“

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Diese Comic-Abbildungen haben verhältnismäßig wenig gekostet – heute sind diese Exemplare deutlich mehr wert.