Das eigene Netz und seine Nutzer als Geldquelle für die Chamer Kreiskasse

Im Deutschlandvergleich hat der Landkreis die Nase vorn: 90 Prozent lassen hier ihr Haus beim Ausbau des Glasfasernetzes anschließen und 50 Prozent schließen dann noch einen Vertrag mit Vodafone ab. Im Schnitt sind es in Deutschland nur 23 Prozent, die das Netz nach dem Ausbau nutzen. Dennoch reicht es den Kreisräten und Landrat Löffler noch nicht, wie am Donnerstag im Ausschuss Digitale Infrastruktur klar wurde. Warum ist das so?
Darauf die Antwort zu finden, ist einfach: Mit jedem Nutzer bekommt der Landkreis mehr Geld vom Internetanbieter, in der Fläche von Vodafone, die das landkreiseigene Glasfasernetz gepachtet haben. Das bedeutet weitergedacht, jeder Haushalt am Netz hilft dem Landkreis auch, die Landkreiskasse zu füllen. Und damit dann wiederum Gutes für die Landkreisbürger zu tun.
Hohe Akzeptanz
Daher betonten Landrat Löffler, wie der Geschäftsführer des Eigenbetriebs für den Internetausbau, Klaus Schedlbauer, und auch die Ausschussmitglieder die Notwendigkeit weiter verstärkter Werbung für einen Glasfaseranschluss. „Die Akzeptanz ist hoch, weil es ein kommunales Vorhaben ist“, sagte Löffler.
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Vodafone selbst habe wohl nicht mit dieser Quote gerechnet. Er machte klar, dass dem Landkreis das dennoch nicht reiche: „Wir wollen mehr!“ Im Ausschuss sei oft kritisiert worden, dass neben der geförderten Glasfaserleitung, die Vodafone pachte, weitere Mobilfunkanbieter wie etwa Telekom eigenwirtschaftlich daneben eine zweite Leitung verlegen würden.
Besuch bei Vodafone
Damit werde zusätzlich Geld verbraucht, was nicht sein müsse. Denn rechtlich dürfe jeder Anbieter die an Vodafone verpachtete Leitung nutzen – es brauche dazu nur eine Einigung mit Vodafone, erläuterte Löffler. Um dieses Recht auch real werden zu lassen, sei er vergangene Woche in Düsseldorf bei Vodafone gewesen und habe auch mit dem obersten Vodafone-Chef zu dem Thema gesprochen. Dass er hier mit der Unternehmensspitze reden konnte, sei auch ein Hinweis, wie interessiert Vodafone an dem Landkreisprojekt sei, da es auch ziemlich einzigartig sei.
Arnschwangs Bürgermeister Michael Multerer sagte, er habe den Eindruck, dass den Bürgern der Nutzen für den Landkreis nicht bewusst sei, da zu wenig geworben werde. „Ich hoffe auf eine Steigerung der Anschlusszahlen.“ Ähnlich äußerte sich Schorndorfs Bürgermeister Max Schmaderer. Der Landkreis verlege hier kostenlos bis zur Hauswand, dennoch bleibe zu viel Potenzial auf der Strecke. Bei Wasser und Kanal gebe es den Anschlusszwang, hier leiste man sich eine Feudalsituation, so Schmaderer. Gehe die Telekom auch auf die Landkreis-Leitungen , werde es einen Sprung bei den Zahlen geben, sagte Landrat Franz Löffler. Er hob vorweg hervor, dass dieses Investitionsprojekt des Eigenausbaus mit einem Volumen von 230 Millionen Euro das größte je vom Landkreis gestartete Vorhaben ist.
Von diesen seien aktuell 150 Millionen Euro verplant und verbaut. 2026 werde das Weiße-Flecken-Projekt mit 19 300 Gebäuden oder Grundstücken fertig sein – dann gehe es um den Ausbau der grauen und hellgrauen Bereiche mit dem nächsten Förderprojekt, das bereits beantragt sei. Getragen würden die Kosten zur Hälfte vom Bund, 40 Prozent vom Land Bayern und zehn Prozent bringe der Landkreis auf. „Erst, wenn alle 49000 Haushalte angeschlossen sind, geben wir Ruhe!“, sagte Löffler. Klaus Schedlbauer erläuterte, dass 80 Prozent des Weiße-Flecken-Programms abgearbeitet sei, dazu hätten Vodafone wie auch die Telekom in Roding und Furth im Wald eigenwirtschaftlich 3600 Haushalte angeschlossen, die Telekom in Cham nochmals 4900.
Leonet habe acht Gemeinden fertig ausgebaut, der Rest – vier oder fünf Kommunen – sei von der Firma für heuer geplant, worauf er hoffe. Ab 2026 bis 2029 greife man die grauen Bereiche an, das seien 9300 Haushalte. Bis Oktober 2024 habe man 160 Millionen in Glasfaser und Leerrohre verbaut, sagte Schedlbauer. Bis Mitte 2025 seien alle Mittel gesichert – was danach komme, sei vom neuen Bundeshaushalt abhängig, so Schedlbauer.