Ein aus der Not geborener Eigenbetrieb bringt dem Landkreis Cham ein Glasfasernetz

Von Christoph Klöckner · 20. November 2024 um 05:00

Alles Schlechte hat am Ende auch immer etwas Gutes. Solch philosophischen Weisheiten stimmen zwar nicht immer – doch beim Eigenbetrieb Digitale Infrastruktur des Landkreises Cham ist bislang mehr als Gutes herausgekommen. Mancher Kreispolitiker im Werkausschuss muss dazu noch zweimal hinschauen, um den Erfolg entsprechend feiern zu können, wie es scheint.

Denn bislang funktioniert das Konstrukt, mit dem der Landkreis seit 2020 bis etwa Mitte 2026 ein eigenes Glasfasernetz baut, praktisch nach Plan, bewegt Millionen an Euro und verlegt Kilometer an Glasfaser und Leerrohren. Dabei ist der Eigenbetrieb aus einer Misere entstanden: Das Münchener Unternehmen M-net, das einigen großen Stadtwerken Bayerns gehört, wollte das Glasfasernetz im Landkreis Cham eigentlich bauen, doch scheiterte damit. Danach fasste die Kreispolitik den Gedanken, es selbst in die Hand zu nehmen und gründete den Eigenbetrieb.

An diese Anfänge erinnerte am Dienstag Landrat Franz Löffler im Werkausschuss des Eigenbetriebs, hob die damaligen Risiken dieses Schrittes hervor und präsentierte das Geschaffte. Wenn man in dieser Zeit eine positive Nachricht brauche, dann sei der Eigenbetrieb Digitale Infrastruktur das Richtige dafür. „Das ist eine Erfolgsgeschichte!“, sagte Löffler und bekam Zuspruch von seinen Mitstreitern im Ausschuss, wie etwa von Karl Holmeier, der von einer „mutigen Entscheidung“ sprach, als M-net versagt habe. Die hätten zwar den größten Spatenstich gefeiert, den er je erlebt habe, doch der Rest sei dann daneben gegangen.

In den fünf Jahren seit dem Start habe man sich Kompetenz erarbeitet, sagte Löffler. „Bis 2026 werden alle weißen Flecken angeschlossen sein“, so der Landrat, also Anwesen, die bislang überhaupt keinen Internetanschluss über Kabel hatten.

Das Basisnetz für den Erfolg

Mit diesem vom Bund mit 50 Prozent und dem Land mit 40 Prozent geförderten Ausbau schaffe man die Grundlage für den Erfolg. Denn dieses sogenannte „Backbone-Netz“, das Basisnetz, ermögliche erst den weiteren Ausbau, beschrieb Löffler.

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Das landkreiseigene Netz wiederum wird nach und nach an das Telekommunikationsunternehmen Vodafone verpachtet, um mit dem Pachtzins irgendwann die Kommunen für ihre Investitionen zu entschädigen und Geld in die Kassen zu spülen. Wobei sich die ersten sieben Jahre das Land den Pachtzins gesichert hat und die Einnahmen bekommt. Jedoch sei in den Verhandlungen zunächst von 20 Jahren die Rede gewesen, erinnerte Löffler.

Was es für die Gemeinden heißt, hier zu investieren, um die restlichen zehn Prozent des Geldes für den Bau zusammenzubringen, machte Schorndorfs Bürgermeister Max Schmaderer klar. Alleinseine kleine Gemeinde habe das Projekt eine Millionen Euro gekostet. „Das war damals Wahnsinn, aber die richtige Entscheidung zur richtigen Zeit!“, so Schmaderer. Er lobte das Team des Eigenbetriebs.

Dabei sei es nicht immer einfach gewesen – auch mit ihm selbst nicht – „es war nicht immer eitel Sonnenschein!“ – dafür wolle er sich heute entschuldigen. Während der Landkreis den Hausbesitzern mit dem Glasfaseranschluss zu einem Wertzuwachs verhelfe, werde über die Grundsteuer gejammert. Man habe sich mit Mut auf den Weg gemacht – „die Zahlen machen einen sprachlos!“

Was er damit meinte? Etwa die Bausumme – insgesamt werden 230 Millionen Euro verbaut. Damit werden unter anderem 19 200 „weiße“ Flecken an Glasfaser angeschlossen, 3600 Adressen werden in Folge des Ausbaus eigenwirtschaftlich von Vodafone oder auch der Telekom in Furth im Wald und Roding ausgebaut, 4900 Adressen durch die Stadt Cham mit Telekom und den Stadtwerken.

Die Trassenlänge, die sich der Eigenbetrieb als Ausbaustrecke vorgenommen hat, hat eine Länge von 2300 Kilometern, wovon 1755 Kilometer bereits gebaut seien, so der Geschäftsführer der Eigenbetriebs Digitale Infrastruktur, Klaus Schedlbauer, in seinem Bericht zur aktuellen Lage. Um sich das bildlich vor Augen zuhalten, sei das eine Strecke von Cham bis in die Stiefelspitze von Italien – es fehle nun noch das letzte Stück bis Palermo.

Bis Mitte 2026 fertig

Wolle man die Trasse per Auto abfahren, brauche es über 21 Stunden. Schedlbauer wies auch auf die beteiligten Firmen Rädlinger und Streicher hin, ohne die der Erfolg nicht machbar sei. Bislang sind fünf der sechs Projektgebiete, in die der Landkreis Cham aufgeteilt wurde, fast komplett fertiggestellt. Die Aufträge für drei Bauabschnitte des letzten Projektgebiet würden bis Mitte Dezember vergeben, um im Frühjahr 2025 zu starten und Mitte 2026 beendet zu sein, sagte Klaus Schedlbauer zum Zeitplan. Das sechste Projektgebiet umfasst die Gemeinden Reichenbach, Walderbach, Pemfling, Pösing, Schönthal, den Markt Stamsried sowie Teile der Stadt Roding und Rötz.

Klaus Schedlbauer erwähnte auch die zunehmenden Gefahren für das größer werdende Netz. Jeder, der irgendwo baue, müsse wissen, wo die Leitungen verlegt seien.

Allein in diesem Jahr habe es bereits 1000 Anfragen dazu gegeben, so Schedlbauer, und auch einen größeren Schaden am Netz bei Reisach. So etwas koste dann gleich eine sechsstellige Summe. Daher empfehle er allen Firmen, sich vor dem ersten Baggereinsatz zu informieren, wo was liegt. Alle Daten zur Leitungstrasse seien vorhanden, über eine App digital verfügbar.

Geschäftsführer Klaus Schedlbauer, stellte dem Werkausschuss die aktuelle Ausbaulage des Netzes dar.