50 Prozent der Bürger im Landkreis Cham haben schon Glasfaser im Haus

Die Zahlen sind schwindelerregend: Von den 49000 Adressen im Landkreis Cham werden gerade rund 20000 eigenwirtschaftlich durch Telekom und Leonet erschlossen und 19000 der sogenannten Weißen Flecken durch den Eigenbetrieb des Landkreises. Von den verbleibenden rund 10000 Adressen hat der Landkreis nun 9900 zur Förderung eingereicht. Das bedeutet weitere Investitionen von 139 Millionen Euro bis 2029. Das hat Werkleiter Klaus Schedlbauer dem Werkausschuss „Digitale Infrastruktur“ berichtet.
„Dieses Thema bewegt uns sehr. Wir haben aber schon einiges vorzuweisen“, so Landrat Franz Löffler. Der Eigenbetrieb sei im April 2019 gegründet worden und werde nun fünf Jahre alt. „Da hätten wir allen Grund zu feiern“, so der Landrat. Die 20 Mitarbeiter hätten eine komplette Struktur errichtet und gute Fortschritte erzielt.
Dort hätte niemand gegraben
Die sogenannten „Weißen Flecken“ mit extrem schlechter Anbindung zu unwirtschaftlichen Bedingungen habe der Landkreis übernommen. Zu diesen 19 000 Adressen hätte außer uns niemand hingegraben“, so Löffler. Dazu habe man die 10 000 grauen und dunkelgrauen Flecken als Aufgabe übernommen. Ziel sei die Erschließung jedes einzelnen Anwesens im Landkreis Cham. 60 Prozent der Arbeiten seien abgeschlossen. 95 Prozent der Hausbesitzer hätten sich den Anschluss auch durch den Garten ins Haus legen lassen: „Das ist sehr viel und zeigt das gewachsene Vertrauen nach dem Umstieg von Mnet auf den Eigenbetrieb.“ Der Landkreis habe eine Hausanschlussquote von 50 Prozent erreicht. In Deutschland liege sie bei 19 Prozent.
„Über unser Netz haben 3000 Kunden inzwischen einen Vertrag abgeschlossen. In fünf Kommunen sind alle Häuser angeschlossen“, so Löffler. Der Förderbescheid bei den grauen Flecken sei problematisch gewesen. Da habe der Landkreis erst aushandeln müssen, dass die am Wegrand liegenden Anwesen erschlossen werden durften. Bei den dunkelgrauen Flecken habe die Regierung das zunächst verweigert. Jetzt habe man das erfolgreich verhandelt und könne graue und dunkelgraue Flecken gemeinsam erschließen. „Sonst hätte man über etliche Strecken mehrfach drübergehen müssen“, so der Landrat.
Der Landkreis sei in 19 Cluster eingeteilt worden, die an die Firmen Rädlinger und Streicher vergeben worden seien, berichtete Werkleiter Schedlbauer. 129 Millionen Euro seien investiert und 3000 Kunden bereits am Netz. Umgerechnet: Eine Strecke von Cham nach Rom sei nun ausgebaut.
Alle Glasfaserkabel seien unter die Erde gebracht worden und durch 1196 Kabelschächte bei Störungen gut erreichbar. Mehr als 60 Prozent der notwendigen Infrastruktur seien inzwischen gebaut. Der Landkreis habe überall Reserven einberechnet und im Zweifelsfall größere Querschnitte verwendet. Um Hinterlieger zu erschließen, müsse der Eigenbetrieb oft durch Nachbargrundstücke. Dafür hätten nur zwölf Prozent der Grundbesitzer Geld verlangt, so Schedlbauer. Auch das sei ein echter Vertrauensbeweis.
Zur Zwischenfinanzierung müssten ab März 2024 rund 30 Millionen Euro aufgenommen werden. Dafür werden eine Million Euro Zinsen fällig. Die Tilgung des Darlehens sei 2030 geplant. Ein bereits bestehendes Darlehen von sieben Millionen Euro werde 2024 abgelöst. Darlehen und Zinsen seien förderfähig. Die Förderung durch den Staat liege bei 80 bis 90 Prozent. Nachdem bisher noch keine endgültige Abrechnung vorliege, müsse hier erst ein Erfahrungswert gesammelt werden. 49,3 Millionen Euro werden 2024 in die neue Infrastruktur investiert, rechnete Schedlbauer vor.
Der Werkausschuss nahm die Berichte zustimmend zur Kenntnis. Im Zusammenhang mit dem Wirtschaftsplan 2024 stellte der Landrat fest: „Von solchen Summen kann der Landkreis nur träumen.“ Der Gesamthaushalt liegt bei 73,1 Millionen Euro. Die Einnahmen durch die Pacht steigen aufgrund der Verträge alljährlich an. 4,8 Millionen an Einnahmen sieht der Wirtschaftsplan 2024 vor. Es werde mit einem Anschlussgrad von 72 Prozent gerechnet. 2024 werde von einem Minus von 936 000 Euro ausgegangen.
„Ein gewaltiges Werk“, kommentierte der Landrat. Die Einnahmen der ersten sieben Jahre würden von der Förderung abgezogen. Vorher sei die Rede von 20 Jahren gewesen. Das sei aber eingepreist: „Irgendwann werden Landkreis und Gemeinden eine Freude daran haben“, so Löffler.
Wann kommt das Plus?
Hier hakte Grünen-Kreisrat Michael Doblinger nach: „Wann genau hängt das geldmäßig auf unsere Seite?“ 2033 könne es so weit sein, so Werkleiter Schedlbauer. Er sei da aber vorsichtig, weil es Unsicherheitsfaktoren gebe. Das gelte, so Landrat Löffler, insbesondere für die Höhe der Förderung. „Wir haben das aber ganz gut im Blick“, so Löffler.
CSU-Fraktionssprecher Karl Holmeier sprach von einem „Riesenprojekt mit langer Laufzeit“. Der Anfang sei nicht einfach gewesen und nach einem großartigen Spatenstich in Arnschwang glorreich gescheitert. „Jetzt läuft es“, so Holmeier. Wenn das Projekt fertig sei, habe der Landkreis bundesweit Herausragendes geleistet. „Der Haushalt wird durchgehen und wir bauen weiter“, prophezeite der ehemalige Bundestagsabgeordnete.
Kreisrat Michael Multerer freute sich als Sprecher der Bürgermeister, dass die Kommunen, die Geld ausgegeben hätten, es auch zurückbekämen: „Aber man soll das Fell des Bären nicht zerlegen, bevor man ihn geschossen hat“, so Multerer. Der Werkausschuss schlug dem Kreistag die Zustimmung zum Wirtschaftsplan vor.
Die Ausbau-Bilanz
Zum Stichtag November 2023 hat der Eigenbetrieb Digitale Infrastruktur seit dem Baubeginn im Oktober 2020 beim Breitbandausbau im Landkreis Cham diesen Zwischenstand dokumentiert:
Der Eigenbetrieb hat 10 845 Hauseinführungen verlegt, geplant sind 17 000. Von 190 Verteilerschränken stehen 96.
Die Point of Presence-Gebäude (POP) an denen die Glasfaser-Trassen zusammenlaufen, sind alle 19 bereits errichtet.
1196 Kabelschächte mit 1162 Kabelmuffen sind gegraben.
Die Glasfaserkabel-Stränge haben eine Länge von 2143 Kilometern (von insgesamt 4000) erreicht.
Die Leerrohre wurden auf einer Länge von 1835 Kilometern (von 2500) bereits verlegt.
Messpunkte sind an 460 000 Stellen vorhanden.