3900 Haushalte in Cham sind am Netz und bis 2029 sollen es 90 Prozent sein

Cham. 160 Kilometer Glasfaser sind verlegt, 32 Netzverteiler aufgestellt – die Telekom, die Stadt und ihre Werke haben die erste Ausbaustufe hinter sich und 3900 Chamer Haushalte erschlossen. Die Stadt hat es nach langen Verhandlungen geschafft, dass die Telekom in Cham die erste Modellregion in Deutschland ausgerufen hat, in der gemeinsam mit den Stadtwerken auf Kosten des magentafarbenen Anbieters ausgebaut wird.
Der Stolz auf diesen bundesweit einmaligen Durchbruch ist groß. Schließlich sind seitdem in Cham die Zeiten vorbei, in denen Straßen immer wieder aufgegraben werden, weil jeder die Leitungen legt, wann es ihm genehm ist, ohne Rücksicht auf Bürger und vorhandene Infrastruktur.
22 Kilometer Graben
Die Stadtwerke haben sich damit ein neues Standbein geschaffen und verlegen seit der Investition ins Fernwärmenetz bei jeder Baumaßnahme Glasfaser gleich mit. Dieses Netz wird nun von der Telekom angemietet, berichtete der Netzverantwortliche der Stadtwerke, Harald Jucht.
Stadtwerke-Geschäftsführer Stefan Raab und Bürgermeister Martin Stoiber lobten den Erfolg dieser Zusammenarbeit. Denn die Stadtwerke treten gemeinsam mit der Telekom inzwischen bei Ausschreibungen erfolgreich als Bieter auf und haben bereits den Zuschlag für eine zweite Ausbauphase erhalten und sich für eine dritte beworben.
Das große Ziel verkündete der Bürgermeister: „Wir wollen bis 2027 rund 90 Prozent aller Bürger im Stadtgebiet ein Glasfaserangebot ins Haus machen.“
Wer sind dann die zehn Prozent der Bürger, die übrigbleiben? Stoiber sagt, dass diese Bürger heute schon 50 bis 100 M/bit Anschlussleistung haben und damit einigermaßen gut versorgt sind. „Falls es noch Geld in den Fördertöpfen gibt, wollen wir aber auch da möglichst schnell in die Ausschreibung gehen“, um an die 100 Prozent zu kommen.
Stadt und Telekom loben aber auch die Leistungsfähigkeit der Baufirma Rädlinger, die in diesem ersten Schritt 22 Kilometer Graben mit 160 Kilometern Kabel bestückt hat. Und zwar „unauffällig“, wie der Bürgermeister betont. Es habe kaum Beschwerden gegeben.
Andreas Schönberger, Bereichsleiter Netzbau bei Rädlinger, gab das Kompliment der guten Zusammenarbeit an seinen Bauleiter weiter. Der Auftrag in der eigenen Heimatstadt sei Rädlinger wertvoll. Aus den Erfahrungen in anderen Städten könne er sagen, dass Cham unglaublich weit vorne sei bei der Breitbandversorgung seiner Bürger.
Peter Flory, bei der Telekom zuständig für den Bereich „Fiber Süd“, bestätigte, dass das Chamer Modell noch immer in der Republik einmalig sei und gerade von mehreren Städten mit der Telekom nachvollzogen werde. Man habe sich bereits erfolgversprechend für weitere Ausbaustufen in Cham gemeinsam mit den Stadtwerken beworben.
1000 Haushalte im Stadtgebiet werden derzeit in den Bereichen Untertraubenbach, Windischbergerdorf, Kothmaißling und Selling durch den Landkreis erschlossen. „Das ist dort, wo die Stadtwerke noch nichts verlegt haben“, so Bürgermeister Stoiber. Für die „weißen Flecken habe die Telekom gemeinsam mit der Werken bereits einen weiteren Zuschlag erhalten für 3,4 Millionen Euro. Die Ausschreibung für die „grauen Flecken“ laufe bereits. Hier gebe es aber noch keinen offiziellen Zuschlag, so Stoiber. Das Ziel sei – wie gesagt – bis 2027 rund 90 Prozent der Bürger ein Glasfaser-Angebot machen zu können.
Enttäuschend sei, so Stoiber, dass bisher nur 50 Prozent der möglichen Haushalte das Angebot eines kostenlosen Anschlusses am Haus genutzt hätten. „Es ist völlig unverständlich, dass die Bürger nicht anschließen, obwohl es nichts kostet und zu keiner Annahme irgendeines Angebotes verpflichtet“, so Stoiber.
Anschluss noch umsonst
Die Telekom, so Peter Flory, werde das Angebot eines kostenlosen Hausanschlusses bis zum Jahresende verlängern. Flory vermutet, dass es irrationale Befürchtungen bei den Bürgern gebe. Etwa, dass ihr Garten verwüstet und ein Riesenloch ins Haus gebohrt werde. „Beides ist nicht der Fall“, versicherte er.
Der Bürgermeister appellierte erneut und erinnerte an die Pandemie: „Während Corona hat sich gezeigt, dass Glasfaser ein lebenswichtiger Beitrag ist zur Konkurrenzfähigkeit im Wettbewerb der Regionen.“