KZ-Gedenkstätte Flossenbürg: Vier Vorstöße eines Oberpfälzer Bürgers

Vom Nein zur Windkraft im Umfeld der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg bis zu Konzepten für die zugewucherten Häftlingstreppe: Der Wissenschaftsausschuss des Landtags hat am Mittwoch über vier Forderungen des Oberpfälzers Stefan Krapf beraten.
Das Erinnern an die Gräuel im Konzentrationslager Flossenbürg hat sich der Oberpfälzer Stefan Krapf zur Lebensmission gemacht − so unbeirrbar, dass er neben grundsätzlicher Wertschätzung bisweilen Irritationen auslöst. Die vier jüngsten Vorstöße des 48-Jährigen Flossenbürgers standen am Mittwoch im Wissenschaftsausschuss des Landtags zur Debatte. In einem zentralen Punkt erhielt Krapf ein Nein. Abgesehen vom AfD-Politiker Ulrich Singer vertrat niemand die Position, dass die Burgruine Flossenbürg und das ehemalige KZ-Lager in die Liste der „besonders landschaftsprägenden“ Denkmäler aufgenommen werden sollten, um Windkraftanlagen im Gemeindebereich zu verhindern.
Windkraft bleibt Konfliktpunkt
Krapf will nicht locker lassen. Er sieht das Gedenken von Besuchern gestört, wenn aus Burgruine, früherem KZ-Steinbruch oder von der ehemaligen Häftlingstreppe aus der Blick auf Windräder fällt. Die Unterstützung der AfD ordnete er nach Ende der Ausschusssitzung nüchtern ein: „Die AfD ist generell gegen Windräder. Das ist für sie ein gefundenes Fressen.“
Vielleicht interessiert Sie auch dieses Thema: Bürgerdialog in Regensburg: Grüne verteidigen Brandmauer gegen AfD
Sowohl der Oberpfälzer CSU-Abgeordnete Stephan Oetzinger wie auch die Grünen-Politikerin Sabine Weigand, beide Berichterstatter zu den vier Petitionen, teilten Krapfs Bedenken gegen Windräder nicht. Oetzinger verwies darauf, dass mögliche Anlagen in den Staatsforsten erst deutlich entfernt vom Ortsrand errichtet würden. Schon im Vorfeld hatte auch der Leiter der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg, Jörg Skriebeleit, keine Einwände angemeldet. „Wir sehen keine Bedrohung des Landschaftsbildes durch einen potenziellen Windkraftpark“, sagte er.
Krananlagen schon unter Denkmalschutz
Die übrigen drei Vorstöße Krapfs kreisten um den Steinbruch, in dem in der Nazizeit in der Spitze bis zu 2000 Häftlinge unter erbärmlichsten Bedingungen schuften mussten und viele zu Tode geschunden wurden. Das Gelände soll künftig in die Gedenkstättenarbeit eingeschlossen werden. Die Planungen sind weit fortgeschritten. Nach dem Zweiten Weltkrieg hatten Privatunternehmen im Steinbruch weiter Granit abgebaut. Ende des Jahres läuft aber der letzte Pachtvertrag aus. Krapf wollte vom Wissenschaftsausschuss schon jetzt „zwei imposante Krananlagen“ im Steinbruch gesichert wissen. Sie dokumentieren für ihn, was am Erinnerungsort in der Nachkriegszeit geschehen ist. Oetzinger konnte in der Sitzung allerdings vermelden, dass dieser Wunsch schon erfüllt ist. Vergangenen Sommer habe es mit dem Landesamt für Denkmalpflege einen Ortstermin gegeben. Das Resultat: „Beide Kräne werden in die Denkmalliste aufgenommen.“
Vielleicht interessiert Sie auch dieses Thema: Stadt Regensburg hat drei Optionen für das Ex-Kaufhof-Gebäude am Neupfarrplatz
Die Abstimmung über die zwei weiteren Forderungen Krapfs wurde auf März vertagt. Eine interministerielle Arbeitsgruppe arbeite gerade dazu an Konzepten, sagte Oetzinger. Das betrifft zum einen das von Krapf geforderte Beseitigen von meterhohem Abfallgestein an der sogenannten Häftlingswand – hier ist noch zu klären, was als Zeitdokument besser liegen bleibt bzw. was überhaupt beseitigt werden kann, ohne die Statik anderer Felswände ins Wanken zu bringen.
Krapf: „Wichtig ist, dass etwas gemacht wird.“
Das findet auch Krapf richtig. Bei seinem letzten Punkt, über den nun ebenfalls erst in ein paar Wochen abschließend beraten wird, drängt er aber auf Tempo: Es geht um die stark zugewucherte Häftlingstreppe. Schon 2015 habe er – ohne Wirkung – aufs Problem aufmerksam gemacht, sagte er. Inzwischen wurzle dort ein Baum mit 40 Zentimetern Durchmesser. „Der Baum wächst munter vor sich hin.“ Tatsächlich laufen laut Oetzinger unter Beteiligung der OTH Regensburg bereits akribische Untersuchungen, wie ein optimales Konservieren der Treppe aussehen könnte. Das findet Krapfs Segen. „Wichtig ist, dass etwas gemacht wird.“