Nach Messer-Attacke vor Club am Domplatz: Regensburger (27) bekommt einen Deal

Von Philip Hell · 29. Januar 2025 um 14:33

Die Sonne war schon lange aufgegangen. König Ludwig I. hatte also beste Sicht auf das, was sich Mitte Mai vergangenen Jahres zu Füßen seiner Reiterstatue am Regensburger Domplatz abspielte. Ein heute 27-Jähriger griff mit einem Cuttermesser seinen Kontrahenten an. Zuvor waren die beiden in einem Club aneinandergeraten.

Aber von vorn: Der 27-Jährige schilderte beim Prozessauftakt am Mittwoch, dass er am Vorabend dieses verhängnisvollen Abends direkt von der Arbeit zu Dult gegangen sei. Dort habe er „ein, zwei Nasen“ Kokain gezogen und ein paar Maß Bier getrunken. Aus dem Bierzelt ging es dann in einen ersten Club, von dort im Anschluss weiter in einen Nachtclub am Dom. In der Diskothek sei ihm ein weitschichtiger Bekannter über den Weg gelaufen, schilderte der Angeklagte gestern. Seine Begleitung und eben jener Bekannte gerieten in Streit. Er habe zunächst nur schlichten wollen, geriet dann allerdings zwischen die Fronten, schilderte der Angeklagte gestern.

Nach Rangelei im Club: Regensburger von Türsteher rausgeworfen

Die Türsteher warfen den 27-Jährigen kurz nach 7 Uhr morgens aus dem Club – wenig später folgte sein Kontrahent. Dieser riss dem Angeklagten die Brille herunter und warf sie laut Staatsanwaltschaft auf den Boden. Daraufhin nahm der 27-Jährige ein Cuttermesser aus seiner Tasche. Dass er dieses dabei hatte, sei eher Zufall gewesen, sagte der Angeklagte. Er habe das Werkzeug für die Arbeit gebraucht. Mit dem Messer ging er auf seinen Kontrahenten los und schnitt ihm in den Hals. Dadurch erlitt dieser mehrere Schnittwunden. Eine davon sei „dauerhaft entstellend“, so zumindest die Einschätzung der Staatsanwaltschaft.

Die Kammer hatte dem 27-Jährigen nach einem Rechtsgespräch eine Verständigung – oder deutlicher: einen Deal – für sein Geständnis angeboten. Darüber hinaus muss er seinem Opfer 1500 Euro zahlen. Der Angeklagte nahm diesen Deal an und kann nun mit einer Haftstrafe zwischen vier und viereinhalb Jahren rechnen.

Gericht liest pikanten Brief vor

Dass der Angeklagte nicht immer zur Vernunft neigt, wurde deutlich, als das Gericht einen Brief verlas, den der 27-Jährige aus der Haft an einen Freund schrieb. Darin bat er darum, einem weiteren Freund auszurichten, er möge seine Aussage bei der Polizei doch ein wenig verändern, damit er aus der Haft frei kommt.

Bei dem 27-Jährigen scheint ein handfestes Drogenproblem zu bestehen. Es steht die Möglichkeit im Raum, dass er nicht ins Gefängnis, sondern in eine Entzugsanstalt muss. Ob es so kommt, wird sich in den kommenden Wochen zeigen. Stand jetzt soll Ende März das Urteil in diesem Prozess fallen.