Kandidieren gegen den Bedeutungsverlust: Mascha Buchwald tritt für die Linke in Kelheim an

Von Martina Hutzler · 29. Januar 2025 um 05:00

Die Partei Die Linke kämpft derzeit bundesweit gegen den Verlust einer Bedeutung, die sie im Wahlkreis Kelheim-Landshut noch nie so wirklich hatte. Dennoch ist Direktkandidatin Mascha Buchwald entschlossen, die Idee des demokratischen Sozialismus in der niederbayerischen Diaspora zu vertreten. Was sie zur Partei geführt hat und was ihre Ziele im Bundestag wären, schildert die 26-Jährige im Redaktionsgespräch.

Viel Wählerschaft hat die Linke verloren, als Sahra Wagenknecht abwanderte und das nach ihr benannte Bündnis BSW gründete. In der einstigen Hochburg Brandenburg etwa flog die Linke vorigen September aus dem Parlament, während das BSW 13 Prozent holte. Trotzdem sagt Mascha Buchwald, Bundestags-Direktkandidatin der Linkspartei für den Wahlkreis Kelheim/Landshut: „Ich war froh, als es damals vorbei war“ und Wagenknecht ging. Nun sei auch im Kreisverband Niederbayern-West, zu dem Kelheim gehört, ein neues Miteinander spürbar, kämen neue Mitglieder hinzu.

Dass das Direktmandat für sie trotzdem kein realistisches Ziel sei, räumt Mascha Buchwald unumwunden ein. Sie will im Wahlkampf vor allem „die Partei nach außen vertreten“ und ihr so beim Verbleib im Bundestag helfen. Denn „die Linke hat als Oppositionspartei gute Arbeit gemacht“ und sei sich bei ihren zentralen Themen immer treu geblieben, findet die 26-Jährige. Andere Parteien hingegen hätten „doch immer mal einige ihrer Themen fallengelassen habe“, etwa in Koalitionsverhandlungen. Solche Zugeständnisse waren für die Linkspartei auf Bundesebene nie vonnöten, weil hier nie eine Regierungsbeteiligung in Aussicht war.

„Mehr soziale Gerechtigkeit“

Für Buchwald als Studentin der Sozialen Arbeit ist das wichtigste Polit-Thema der „Kampf gegen soziale Ungerechtigkeit“. Der habe sie 2021 auch in die Partei geführt, mit all seinen Aspekten: angefangen von der Bildung für Kinder und Jugendliche, über die Zeit der Erwerbstätigkeit bis zur Rente. In Bayern freilich punktet die Linkspartei auch mit diesen Themen kaum: Bei der Landtagswahl 2023 etwa holte man im Wahlkreis Kelheim gerade mal 0,9 Prozent der Stimmen. Schade, findet die gebürtige Berlinerin, die als Teenager nach Bayern kam. „Ich will mit meiner Kandidatur zeigen, dass auch Bayern profitieren würde, wenn man sich mehr mit sozialer Gerechtigkeit befassen würde und linke Positionen hier zu hören wären.“

Allzu viel zu hören bekommen die Wählerinnen und Wähler im Kreis Kelheim allerdings nicht: Für größere Wahlveranstaltungen fehlen der Partei genügend Aktive vor Ort. Und die Direktkandidatin muss sich nach eigenen Worten mühen, Wahlkampf mit Studium und dem zum Studieren nötigen Nebenjob irgendwie unter einen Hut zu bringen. Recht viel mehr als eine größere Abschlussveranstaltung in Landshut und ein „Treffen für Aktive und Interessierte“ im Kreis Kelheim werde man in der Kürze der Zeit wohl nicht organisieren können.

Immerhin kann Mascha Buchwald dann aus dem Nähkästchen plaudern, wenn es um das Thema „finanzierbares Leben“ geht – denn das habe sie sich, mit ihrer Familie, selbst erkämpfen müssen. Als ältestes von fünf Kindern einer alleinerziehenden Mutter, als Schülerin, dann in ihrer Kinderpflege-Ausbildung, und jetzt als Studentin in Landshut: Mit Geld hauszuhalten, sei für sie selbst seit jeher nötig gewesen, schildert sie.

ÖPNV ist derzeit „ein Graus“

Bei noch einem Thema könne sie aus ureigenster Erfahrung mitreden, so Buchwald im Redaktionsgespräch: in Sachen Öffentlicher Nahverkehr, auf den auch sie als Studentin angewiesen ist. Schon in der Stadt Landshut sei das „ein Graus“; manche Strecke, die mit dem Auto eine Sache von Minuten sei, bedeute im Bus eine, anderthalb Stunden Fahrt. „Und am Land ist es ohne Auto noch schwieriger“, was vor allem Jugendliche und Ältere vor große Probleme stelle.

Dass, gerade am Land, bislang noch keine Partei ein wirklich taugliches ÖPNV-Modell gefunden hat? Mag sein, aber sie wolle zumindest „darüber reden, wie sich der Nahverkehr verbessern lässt. Man könnte zum Beispiel das Neun-Euro-Ticket wiedereinführen“. Dieses Ticket hatte es im bundesweiten ÖPNV im Sommer 2022 drei Monate lang gegeben, um Vielfahrer finanziell zu entlasten und Neukunden zu gewinnen.

Als Angehörige der Generation junger Erwachsener liegt ihr noch ein Thema am Herzen. „Zur Zeit wird auf jungen Menschen viel herumgehackt“. Hohe Erwartungen, wenig Leistungsbereitschaft, diese Vorurteile höre man oft von Älteren. „Aber viele Junge müssen sich anstrengen, um Studium oder Ausbildung überhaupt zu finanzieren“; daher fehle vielen einfach die Zeit, sich politisch zu engagieren. Mit der Folge, dass die Politik den Jungen kaum Aufmerksamkeit widme, kritisiert Buchwald.

„Nicht zynisch werden“

Sprüche im Studium wie „lieber weiterrauchen, als lange leben und in der Altersarmut landen“ vernimmt sie als Warnsignal. „Da muss sich was ändern“, fordert die junge Frau – die ihrem Freund versprechen musste, „dass ich selbst nicht zynisch werde im Wahlkampf“.

Zur Person:

Privates: Mascha Buchwald ist zwar eine waschechte Berlinerin, aber seit sie zwölf Jahren alt ist, lebt sie in Bayern. Ihre Mutter war alleinerziehend und hatte viel zu tun, um die insgesamt fünf Geschwister zu versorgen. Das habe einerseits oft Verzicht bedeutet. Es habe sie aber andererseits auch gelehrt, dass es „ ohne

gegenseitige Unterstützung und Zusammenhalt in der Familie nicht gegangen wäre“. In ihrer Freizeit liest sie gerne – und ist großer Fan von Videospielen, genauer gesagt: von Fantasy-Rollenspiele wie „The Witcher“.

Beruf: Nach der Schule hat Mascha Buchwald eine Ausbildung zur Kinderpflegerin absolviert. Mittlerweile studiert sie Soziale Arbeit an der Landshuter Hochschule für angewandte Wissenschaften. Nach dem Master, den sie anstrebt, kann sie sich eine Tätigkeit im Bereich der Fort- und Weiterbildung vorstellen.

Politik: Zwei Jahre lang hat sie überlegt, wo sie politisch aktiv werden will – und dann 2021 beschlossen, bei der Linkspartei einzutreten, gemeinsam mit ihrem Freund. Ihr sei wichtig zu vermitteln, „dass Politik kein Hexenwerk ist“ und dass den Großteil der Politik „die Leute vor Ort machen“.

Wir stellen in einer Serie die Direktkandidatinnen und -kandidaten für den Wahlkreis Kelheim-Landshut im Porträt vor. Die Veröffentlichung erfolgt in alphabetischer Reihenfolge.