Leicht und lustvoll gespielt: Geigerin Ioana Cristina Goicea begeistert in Regensburg

Von Claudia Böckel · 28. Januar 2025 um 19:09

Unter dem Titel „Reisefieber“ spielten die Regensburger Philharmoniker Werke von Mozart und Mendelssohn-Bartholdy. Zu entdecken gab es Musik der US-amerikanischen Komponistin Florence Price, interpretiert von einer überragend guten Solistin.

Unterwegs waren Musiker ja oft und viel, sind es noch heute. Im Mittelalter waren es die fahrenden Sänger, die reisten, im 19. Jahrhundert waren es die Virtuosen, die von Stadt zu Stadt, von Land zu Land reisten, heute sind es die Stars der internationalen Szene, die von Festival zu Festival durch die Welt touren. Mozart, der am Tag dieses Konzerts im Neuhaussaal auch noch Geburtstag hatte, mäandrierte durch West-Europa auf der Suche nach einer Festanstellung.

Der Dirigent des 4. Philharmonischen Konzerts, Jochem Hochstenbach, stammt aus den Niederlanden, leitet die Sinfoniekonzerte des Festivals Esterházy und ist Generalmusikdirektor am Theater Trier. In Regensburg dirigierte er Mozarts Prager Sinfonie KV 504, Mendelssohns „Italienische“ und ein hochvirtuoses Violinkonzert der afroamerikanischen Komponistin Florence Price (1887-1953), die man im englischsprachigen Raum eher kennt, als bei uns. Es wäre absolut lohnenswert, mehr von ihr kennenzulernen. In einem verlassenen Haus südlich von Chicago fand man 2009 tausende Manuskripte von ihr. Seitdem wurde schon eine große Zahl ihrer Werke veröffentlicht.

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Das Violinkonzert Nr. 2 d-Moll von Florence Price ist ein einsätziges Werk, das beim Hören Erinnerungen an Korngold, Prokofjew und Tschaikowsky aufruft. Nach einem betörenden Violinsolo zu Beginn, intensiv, mit Leichtigkeit und lustvoll gespielt von der überragend guten Solistin Ioana Cristina Goicea, übernimmt das Orchester diesen melodischen Gedanken, der die Grundstimmung des Werks bestimmt. Blitzend und klar drüber strahlend brilliert die Solistin, auch wenn das Orchester satten Sound produziert. Ihr farbiges Spiel mit engem Vibrato und ausdrucksstarkem Ton bildet einen Gegenpart zum vor allem im Bläserbereich etwas behäbig reagierenden Orchester. Eine Zugabe der Solistin, Fritz Kreislers Introduction und Capriccio für Violine solo, begeistert das Publikum.

Nachdem Mozarts Figaro schon in Wien und Prag zur Aufführung kam, lud ihn „das Orchester, und eine Gesellschaft grosser kenner und Liebhaber“ nach Prag ein. Mozart leitete dort eine Aufführung der Oper und am nächsten Tag eine Akademie, bei der die später so genannte Prager Sinfonie uraufgeführt wurde.

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In Regensburg hatte der Gastdirigent zwar alles im Griff, setzte auf opernhafte Elemente, ließ aber oft zu viel Freiheit in der Gestaltung. So verschenkte man doch viele Entwicklungen und Phrasen, hielt die Bewegung im Adagio breit und statisch, arbeitete die raffinierten Dissonanzbildungen nicht genug heraus.

Dasselbe gilt für Mendelssohn-Bartholdys „Italienische“: Es war alles ganz solide gespielt, die Violinen sogar sehr klar mit all den schnellen Figuren, flexibel und aktiv. Die tiefen Streicher entgingen irgendwie dem Blick oder dem Gehör des Dirigenten, stapften gleichförmig und unstrukturiert durch das Andante con moto, während sich obendrüber so schöne Kantilenen entwickelten. Die Bläser, vor allem das Blech, hatten auch nicht ihren besten Tag. Aber am Donnerstag haben alle ja noch eine Chance, beim zweiten Konzerttermin im Neuhaussaal: 30. Januar (19.30 Uhr).