Ausstellungen, Bücher, Konzerte: Das bringt das Kunstjahr in Adlmannstein

Wilma Rapf-Karikari und Ingo Kübler feiern den „Idyllenstörer“ Max Bresele, seinen Nachbarn Heiko Herrmann und das „Sterntalerleben“ von Margot Luf, dazu erscheinen zwei Biografien von Julia Weigl-Wagner.
Wer die Kunstpartner bei Bernhardswald im Kreis Regensburg besucht, kommt Margot Luf nicht aus. Im Garten empfängt einen „Die Jongleurin“, die meisterhaft die bronzene Schwere von Bronze mit verschwenderischer Leichtigkeit vereint. Erst vor ein paar Tagen hat eine wunderbare blaue Blume von ihr an einer Wand Platz genommen. Und oben im Schaulager ist ihr Vorlass verwahrt. Die Künstlerin, die die Tradition der Klassischen Moderne fortführt, wird 80. Das ist Anlass für eine Ausstellung, für Konzerte und ein Buch – und nicht der einzige Geburtstag, den Ingo Kübler und Wilma Rapf-Karikari in diesem Kunstjahr feiern.
Vor 20 Jahren eröffnete das Paar seine Galerie für Kunst der Region im Gewölbe des wuchtigen, 300 Jahren alten Hauses bei Bernhardswald, und vor fünf Jahren ihr Schaulager in der ehemaligen Scheune vis-á-vis. Hier, unter der luftigen Haube aus Holzlamellen, hüten beide das Werk von Margot Luf, die als Münchnerin eine Ausnahme im Portefolio bildet. Das Bindeglied zur Ostbayern schafft Lothar Fischer, Mitglied der Künstlergruppe SPUR. Luf war in den 1970ern Assistentin des berühmten Bildhauers, dem sich in Neumarkt ein Museum widmet, lernte von ihm, Ton mit Messer und Gabel zu bearbeiten, und ließ sich von der Malerei weglocken zur Bildhauerei. „Unsere Ausstellung fragt, was Margot Luf beeinflusst hat“, sagt Wilma Rapf-Karikari gestern bei einem frühen Tee. Arbeiten von Luf treffen zum Beispiel auf Objekte von Fischer und auf Malerei von Heimrad Prem, einem anderen Mitglied von SPUR.
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Geistige Anstifterinnen und künstlerische Wegbegleiter von Margot Luf hat die Regensburger Autorin Julia Weigl-Wagner intensiv recherchiert, von der Zigarre rauchenden Tante Fränzi bis zu Stefan Moritz Becker, dem Malerfreund und Lebenspartner, mit dem Luf, im Atelier in New York, den Weg vom Weiß-Grau-Schwarz ihrer frühen Jahre in klare Farbigkeit fand.
Ein Glück: Lufs Mutter führte für ihre Tochter ein Tagebuch. Die akribischen Einträge und vielen Fotos waren für Weigl-Wagner eine Schatzgrube. Zur Ausstellung legt sie nun eine von Florian Toperngpong wunderbar gestaltete Biografie vor, herausgegeben von Luf und Rapf-Karikari. Das samtig-glatte Cover in Kinderblau zeigt eine typische Luf-Arbeit: Kegel, Sichel und Kreuzblume jonglieren in heiterer Balance, darüber tanzen Buchstaben: „Ein Sterntalerleben“. Der Titel ruft den Stern auf, der in Lufs Werk immer wieder auftaucht, und spielt auf das große Herz und die Offenheit der Münchnerin an: „Margot ist eine Geberin“, sagt Weigl-Wagner.
Der 80. Geburtstag der Künstlerin, die sich gegen Widerstände – auch der Mutter – ihren Weg von Oberbayern in die Welt bahnte, feiern die Kunstpartner mit hochkarätigen Konzerten. Ins Schaulager wird ein Flügel gehievt, an dem Jazz-Freigeist Lorenz Kellhuber und der Klassik-Pianist Kilian Langrieger spielen werden und an dem außerdem „Die Diven und der Schmidt“ ihre Musik-Revue begleiten.
Das zweite große Ausstellungsprojekt im Kunstjahr in Adlmannstein wendet sich zwei Nachbarn zu: Der eine, Heiko Herrmann, Maler und Bildhauer, hat ebenfalls Einflüsse der Gruppe SPUR aufgenommen, er war Mitarbeiter bei Heimrad Prem. Dem winzigen Pertolzhofen im Kreis Schwandorf hat er durch die Kunstdingertage internationales Aufmerksamkeit geschenkt. Der andere, Max Bresele, wäre heute 80 und ist noch ein Jubilar, den die Kunstpartner 2025 feiern. Beide Künstler wohnten nur ein paar Kilometer entfernt und der eine, Herrmann, sagt über den anderen, Bresele: „Er lässt einen staunen.“
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Bresele hauste in einem Stall in Uckersdorf, wo er aus allem, was keine Verwendung mehr fand, verquere, dysfunktionale Objekte und Möbel schuf. Wie seine „Karren der Depression“: armselige Wägelchen, beladen mit Kritik am falschen Wohlstand. Ein antikapitalistischer Allround-Künstler war er, ein Avantgardist, der die Themen Recycling oder Migration vorausdachte, als es die Begriffe noch kaum gab. „Idyllenstörer“ nennt ihn Julia Weigl-Wagner in ihrer Biografie, herausgegeben vom Kunstverein Weiden, die im März erscheint.
Als Bresele 1998 starb, hinterließ er ein Moped und einen Berg an Schrott und Fundstücken. Einige charakteristische Werke des Utopisten – seltsam-charmante Möbel etwa – hüten die Kunstpartner in ihrem Schaulager.
Ausstellungen, Bücher, Konzerte
Die Ausstellung: „Margot Luf zum 80.“ ist zu sehen vom 18. Mai bis 15. Juni in der Galerie der Kunstpartner in Adlmannstein. Bei wird die Biografie zu Margot Luf vorgestellt.
Das Buch: „Ein Sterntalerleben“ von Julia Weigl-Wagner, herausgegeben von Margot Luf und Wilma Rapf-Karikari, (162 Seiten, 15 Euro), Info: bei www.kunstpartner.eu.
Die Konzerte: Im Schaulager gastieren am 25. Mai Lorenz Kellhuber, am 1. Juni „Die Diven und der Schmidt “ mit einer Musik-Revue, am 15. Juni Pianist Kilian Langrieger.
Der Ausblick: Die Ausstellung „Heike Herrmann und Max Bresele – Nachbarn“ ist von 14. September bis 12. Oktober zu sehen, dazu gibt’s ein Kunstgespräch, einen Musikabend und ein Buch.