17000 Kilometer unterwegs mit Josef Hader

Sieben Jahre hat Rudolf Klaffenböck den Kabarettisten begleitet. Jetzt erscheint ein Buch mit einer Auswahl seiner Fotos und im Museum Moderner Kunst in Passau eröffnet eine Ausstellung.
Es ist das Kriterium überhaupt in der Kunst: Wenn der Nachname reicht und jeder weiß Bescheid. Monroe, Sinatra, Picasso – Marylin, Frank, Pablo denkt das kollektive kulturelle Gedächtnis von selbst hinzu. Im Kabarett sticht Hader heraus. „Hader spielt Hader“ oder „Hader on Ice“ heißen Programme des österreichischen Kabarettisten, Schauspielers, Autors und Regisseurs. „Hader unterwegs“ reiht sich nun perfekt ein: So heißt ein Fotobuch des Passauer Fotografen Rudolf Klaffenböck. Der Band ist bemerkenswert – aus mindestens fünf Gründen.
Der Freund: Dass der Fotokunstband existiert, hängt substanziell damit zusammen, dass Fotograf und Fotosujet eine lange Freundschaft verbindet. Als Josef Hader in den frühen 1980ern seine Karriere beginnt, übernachtet er nach dem Passauer Auftritt bei Rudolf Klaffenböck. Beide lernten sich kennen im Kabarett Niedermair in Wien, wo sie Kabarett-Auftritte hatten. 40 Jahre später beschließen sie ein großes gemeinsames Projekt.
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Der Aufwand: Im März 2017 fotografiert Klaffenböck bei der Kinopremiere von Haders Regiearbeit „Wilde Maus“ in Passau. Er begleitet den Freund ins Kino nach Bad Füssing („Ich bin ja seit Geburt Beifahrer“, sagt der führerscheinlose Klaffenböck). Er fotografiert Hader mit Publikum, Hader vorm Kino – und es reift eine Idee: ein Buch, „Hader unterwegs“, fotografiert in Schwarz-Weiß und auch Backstage, „was die Leute sonst nicht sehen“. Sie besuchen Stationen seines Lebens, den Bauernhof in Nöchling in Niederösterreich, wo Hader aufgewachsen ist. Sie besuchen den Bahnhof Nöchling, wo er losgefahren ist ins Stiftsgymnasium Melk – das Foto mit Hader am Gleis auf dem tristen Betonsockel wird das Buchcover. Sie gehen auf den längst zugewachsenen Fußballplatz; „Josef war immer im Tor. Er war kein Sportler“, sagt Klaffenböck. Seine Sätze sind wie seine Fotografien: knapp, klar, immer mit der Option auf Ironie. Sieben Jahre reist Klaffenböck immer wieder mit Hader, 17 000 Kilometer, ohne Auto. Einige Tausend Fotos werden wochenlang am Tapeziertisch hin- und hergeschoben, bis Motive, Reihenfolge, Dramaturgie ein Buch ergeben. „Da war jetzt der Wassermann mit dem Fisch unterwegs“, erzählt Klaffenböck. „Wir sind genau zehn Jahre auseinander, Josef ist im Februar 1962 geboren und ich im März 1952. Und vor allem: Es treffen ja zwei Österreicher zusammen, das ist wichtig, dass man das Land ein wenig versteht.“ Klaffenböck – Fotograf, Maler, Grafiker, Kabarettist und Filmemacher – ist zwar in Passau geboren, aber österreichischer Staatsbürger.
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Die Optik: „Der Auftritt ist das Langweiligste“, sagt Klaffenböck, und meint nicht Haders Performance, sondern die erwartbaren Fotos, die dabei entstehen. Darum ist Klaffenböck bei Auftritten „immer der Erste und immer der Letzte“. Er fotografiert Hader auch beim Schminken in einer gefühlt nur einen Quadratmeter großen Garderobe, im Auto, an der Tanke, im Maisfeld, mit Kühen auf dem Hof, beim Dreh zu „Andrea lässt sich scheiden“. Besonders lustig: Just als Klaffenböck vor einem Hitler-Graffito den Auslöser drückt, fährt eine Frau mit verdutztem Gesicht ins Bild. „Da haben wir uns sehr gefreut über das Foto.“
Hader ohne Hader: „Wie krieg ich’s hin, dass der Josef mal nicht drauf ist?“, war eine Frage für das Buch. Die gewitzten Lösungen: Haders Bühnenschuhe, Tourgepäck, Waschbecken, gut gemeintes Catering, gar nur ein Schatten. Und natürlich enthält der Band auch famose klassische Porträts.
Hader im Museum: Das Buch ist ein Schmuckstück geworden. Robuste Haptik in grauem Halbleinen, keine Texte, Haders Biografie in zwei Zeilen plus 20 Zeilen freundschaftlicher Würdigung durch den Fotografen. Ein Nenner: „Josef Hader und ich lieben das Dunkelgrau im Humor.“ Ausgewählte Fotos sind nun im Museum Moderner Kunst Wörlen in Passau zu sehen.
Vernissage im MMK am 7. Februar
Buch: „Hader unterwegs. Fotografien von Rudolf Klaffenböck“ erscheint am 3. Februar bei Pedagrafie (144 Seiten, 28 Euro).
Ausstellung: Im Museum Moderner Kunst Wörlen Passau 8. Februar bis 27. April, Vernissage: 7. Februar
Autogramme: Signierstunde mit Josef Hader ist am 6. Februar (14 Uhr).
Führung: Rudolf Klaffenböck führt am 19. Februar (18 Uhr) durch die Ausstellung, Anmeldung bei: info@mmk-passau.de
