Im Landkreis Cham gibt es fünf neue Sport-Grundschulen

In keinem Landkreis in der Oberpfalz wurden mehr Schulen vom Bayerischen Kultusministerium zu Sport-Grundschulen gekürt als in Cham. Insgesamt fünf Grundschulen, nämlich Hohenwarth-Grafenwiesen, Rettenbach, Miltach, Windischbergerdorf und Cham haben nun das Schulprofil Sport-Grundschule.
Um die Schulen für die Auszeichnungen zu ehren, hatte die bayerische Kultusministerin Anna Stolz nach Nürnberg eingeladen. Anna Teuschl, Rektorin in Rettenbach ist traurig, dass sie die Auszeichnung in Nürnberg wegen einer Schulleiterkonferenz verpasst hat. Der Grund: „Für uns als kleine Grundschule ist das etwas ganz besonderes“, sagt sie.
Ernährung wichtiger Punkt
Für den Titel Sport-Grundschule, mussten sich die Bildungsstätten bereits vor einigen Monaten bewerben. Die Schulen konnten das Kultusministerium nicht nur mit einem besonders breiten Sportangebot und Aktionstagen überzeugen. Auch ein Fokus auf gesunde Ernährung brachte Pluspunkte. Darauf legte die Grundschule Rettenbach besonders viel Wert. Zusammen mit dem Elternbeirat sorgt die Schule für geschnittenes Obst für die Kinder. „Einmal pro Woche bekommen wir Bioobst von der Ökokiste gratis“, sagt Teuschl. Außerdem nutzen sie das Gesundheitsprogramm Klasse 2000 der AOK und kooperieren mit dem Schützenverein.
Lesen Sie hier: In Waldmünchen bereits 600 Onlineanträge für die Briefwahl
An der Grundschule Cham hat man durch die Lage, was das sportliche Angebot angeht, noch größere Möglichkeiten. Im Auto, auf dem Weg zur Verleihung, zählte Rektorin Stefanie Brunner die Sportarten auf, in denen ihre Grundschule mit dem ASV Cham kooperiert: „Handball, Fußball, Tennis, Skifahren, KiSS und Fußball.“ Immer wieder gibt es Aktionstage, an denen die Kinder die Sportarten ausprobieren. Und bestenfalls im Verein weitermachen. „Wenn die Kinder das schon in der Schule sehen, kommen sie den Vereinen und damit auch dem Ehrenamt näher“, sagt Brunner. Sport mit Wettkampfcharakter erleben die Kinder bei Schulwettbewerben.
Augenmerk auf das Schwimmen
Vor allem das Schwimmen komme an Brunners Schule nicht zu kurz. Die Schüler aller Jahrgangsstufen haben während des Schuljahres Schwimmunterricht. Dass in der Grundschule jede Klasse schwimmt, ist unüblich. Außerdem gibt es ein schulinternes Schwimmfest, das alle Lehrer zusammen organisieren, um den 350 Kindern das Schwimmen näher zu bringen. „Es ist gefährlich, wenn man nicht schwimmen kann“, sagt Brunner. Deswegen würden sie an der Grundschule Cham so einen großen Wert darauf legen.
Durch die Auszeichnung zur Sport-Grundschule bekommen die Bildungsstätten mehr, als nur einen feuchten Händedruck der Ministerin. Das Ministerium stellt die nötigen Ressourcen für eine zusätzliche wöchentliche Sportstunde für die Erstklässler sicher. Die Regel sind zwei Wochenstunden, die also auf drei erhöht werden. Außerdem haben entsprechende Schulen am Anfang des Jahres 1000 Euro für neues Sportmaterial zur Verfügung bekommen. In Cham hat man das Geld bereits für Kleingeräte ausgegeben. Für den Sportunterricht gibt es neue Fußbälle, Floorballschläger- und tore, Flossen, Mannschaftsleibchen, Jonglierutensilien und ähnliches.
Kinder bewegen sich zu wenig
Das Engagement, Kinder sportlicher machen zu wollen, könnte durch eine besorgniserregende Zahl der Weltgesundheitsorganisation (WHO), die kurz vor der Corona-Pandemie durch die Medien gegangen ist, ausgelöst worden sein.
Lesen Sie hier: Haftbefehl gegen 35-Jährigen wegen zweifachen versuchten Mordes erlassen
80 Prozent der sechs bis 17-Jährigen bewegen sich zu wenig. Laut einer neueren europäischen Studie habe die Pandemie die Situation deutlich verschlechtert. Dass es daran liegt, dass die Kinder prinzipiell fauler und lustloser geworden sind, glaubt Stefanie Brunner nicht: „Man muss den Kindern ein gutes Angebot liefern“, sagt sie. An ihrer Schule würden sie und ihre Kollegen die Erfahrung machen, dass sich die Kinder dann selbst zum bewegen motivieren.