Interview mit Markus Ackermann: „2026 bin ich im Alter für den Ruhestand“

Trotz des beginnenden letzten Amtsjahres hat sich Bürgermeister Markus Ackermann viel vorgenommen. Das drängendste Problem ist eine Entscheidung zum ehemaligen Kaufhaus Reitmeier und zur TV-Halle.
Herr Ackermann, ich habe Sie als Menschen kennengelernt, der im Sinne des Kennedy-Statements sagt: Frage nicht, was Waldmünchen für dich tun kann, sondern, was Du für Waldmünchen tun kannst. Warum ist Ihnen das so wichtig?
Gesellschaft, Staat oder Gemeinden können nur funktionieren, wenn die Leute sich einbringen. Ein Staat schafft den Rahmen – mit Leben füllen müssen ihn die Menschen. Die Einstellung, sich zu 100 Prozent versorgen zu lassen, funktioniert in einem Gemeinwesen nicht. Wir haben beeindruckende Beispiele von Menschen, die sich mustergültig einsetzen. Aber: Wenn man mit Ehrenamtlichen spricht, dann merkt man, dass es Nachwuchsprobleme und Verschleiß gibt. Dem muss man gegenhalten. Ich meine das in dem Sinne, wie das auch der Bundeskanzler in der Neujahransprache gesagt hat: „Wie es in Deutschland weitergeht, das bestimmen Sie – die Bürgerinnen und Bürger.“ Das trifft auf jede Gesellschaft zu.
Warum hören Sie auf?
Es ist bekannt, dass Sie 2026 nicht mehr als Bürgermeister antreten werden. Warum eigentlich nicht mehr?
Ich bin dann 65,5 Jahre alt und im angemessenen Alter für einen Ruhestand. Ich bin dann 15,5 Jahre Bürgermeister gewesen, und es ist völlig normal, dass es nach so einer langen Amtszeit einen Wechsel und neue Ideen gibt. Theoretisch könnte ich noch, aber dann wäre ich beim Ausscheiden 72.
Da sollen andere erst große Staatsämter aufnehmen. (Am Vorabend des Gesprächs war Trump vereidigt worden)
(Ackermann lacht.) In diese Fußstapfen möchte ich nicht treten.
Herr Ackermann, Sie sind seit 15 Jahren im Amt. In dieser Zeit war Ihnen die Zusammenarbeit über die Kommune und über die Grenze hinaus immer wichtig. Mit welchem Erfolg?
Die Zusammenarbeit ist der Schlüssel zum Erfolg. Kirchturmdenken wäre falsch und würde den Problemen nicht gerecht. Ohne die interkommunale Zusammenarbeit im Aktionsbündnis Cerchov plus gäbe es das Ganzjahres-Nordic-Aktiv-Zentrum, die Revitalisierung der Landmarken oder das verschwundene Dorf Grafenried nicht. Diese Zusammenarbeit bedeutet Effektivität und schont finanzielle und personelle Ressourcen. Gerade als Grenzregion schaffen solche Bündnisse auch Vertrauen. Und das ist entscheidend für ein langfristiges, gutes Miteinander. Natürlich sind Fördergelder auch ein Erfolg, der einen freut. Aber wichtiger sind die beiderseitigen Beziehungen im Sinne der europäischen Idee. Und ich bin ein Verfechter dieser Idee.
Ein anderer Gedanke, den ich mit Ihnen verbinde, ist Ihr Mantra von Waldmünchen als Bildungsstandort. Warum ist Ihnen das so wichtig?
Persönlichkeitsentwicklung und Bildung sind Schlüssel für ein erfüllendes Leben – einmal für die Person selbst, aber auch für den Staat und die Gesellschaft. Zudem hat dies massiven Einfluss auf den Wirtschaftsstandort. Es ist ein echtes Anliegen des Stadtrates als Sachaufwandsträger, beste Voraussetzungen für die Jugend zu schaffen.
Aber überfordert sich eine Kommune mit der wachsenden Zahl dieser Aufgaben nicht?
Die Aufgabe ist herausfordernd, aber wir schaffen gut ausgebildete Leute für die Region und die Betriebe. Stellen wir uns doch einmal vor, es gäbe keine Mittel- oder Realschule in Waldmünchen, das wäre ein Nachteil für die ganze Region. Waldmünchen ist der Bildungsstandort für den Altlandkreis Waldmünchen, so bitter das für die Altstandorte von Schulen ist.
Eigentlich ging meine Frage in eine andere Richtung. Ich hätte gerne gewusst, ob die neue Ganztagsbetreuung nicht die Kommunen im Allgemeinen überfordert.
Die Gesellschaft hat sich verändert. Bund und Länder haben darauf reagiert und entsprechende Rahmenbedingungen gesetzt. Das ist nachvollziehbar. Aber als Kommune würde man sich wünschen, dass die staatliche Unterstützung, die es ja gibt, größer wäre, damit Kosten nicht bei den Kommunen hängenbleiben. Wir werden heuer in Geigant mit dem Umbau zur Ganztagsbetreuung anfangen und auch hier in Waldmünchen starten. Die Planungen laufen.
MGH, Spital, Dirrmaler Wirt, Finanzamt: Es sind viele Probleme gelöst worden, oft mit Hilfe anderer. Wie dankbar sind Sie für diese Hilfe und wie glücklich, trotzdem ein Teil der Lösung gewesen zu sein?
Ein Bürgermeister hat eine bestimmte Funktion zu erfüllen. Er hat bestimmte kommunale Entscheidungsfelder. In dem Moment, in dem er diesen Bereich verlässt, braucht er Partner. Zum Beispiel, wenn es um Privatobjekte oder um staatliche Einrichtungen geht. Beim Spital ist das gelungen, weil sich die beiden Professoren (Anm. d. Red.: Prof. Dr. Jürgen Faust und Prof. Wolfram Winter) für das Gebäude haben begeistern lassen. Aber den richtigen Mitstreiter zu finden braucht Zeit. Und das muss man als Bürgermeister aushalten können. Es ist erfüllend und bereichernd, wenn man etwas im Team geschafft hat. Ein Mannschaftserfolg kann einem mehr geben als eine Einzelleistung. Aber das kennt man ja aus dem Sport.
Ein städtebauliches Thema, an dem gerade gearbeitet wird, ist, was mit TV-Halle und dem ehemaligen Kaufhaus Reitmeier wird. Ich weiß, dass Sie keine konkreten Aussagen treffen können, aber wie sieht der weitere Fahrplan aus?
Der Stadtrat arbeitet diesbezüglich seit geraumer Zeit an sehr vielen Fragen und Einschätzungen. Sobald diese Phase abgeschlossen ist, kann man in den Abwägungsprozess gehen, was sinnvoll ist. Selbstverständlich auch vor dem Hintergrund Stadtentwicklung und Finanzen.
Ich frage jetzt etwas unfair nach. Erleben Sie als Bürgermeister diese Entscheidung noch, oder wird es so sein, dass Ihr Nachfolger, wenn er denn die Lasten dieser Entscheidung umsetzen muss, auch die Entscheidung fällen sollte?
Das Thema soll auf jeden Fall behandelt werden, und zwar nicht, weil ich diese Entscheidung treffen möchte, sondern weil die aktuellen Förderkulissen gut sind und sich der Zugang zu den Fördergeldern in der Zukunft schwieriger gestalten könnte. Aus diesem Grund sollten wir eine Entscheidung zeitnah fällen. Diese Entscheidung muss auf der Grundlage einer soliden Analyse vom Stadtrat unter Einbeziehung der Bevölkerung getroffen werden. Insofern steht dieses Thema in meinem Pflichtenheft. Die Bauausführung wird sicher nicht mehr in meine Bürgermeisterzeit fallen.
Sprechen wir über eine Entscheidung, die immer mit Ihnen verbunden bleiben wird, den Umbau des Schwimmbades zum AquaFit. Im Rückblick, war sie richtig, oder grummelt da noch was?
Die Diskussion ums AquaFit hat mich schon hart getroffen. Das war ganz am Anfang meiner Bürgermeisterzeit. Wir mussten das Bad verkleinern, um die Kosten weiter tragen zu können. Ich bin überzeugt, dass die Entscheidung richtig war. Das Bad von heute hat Qualität. Das zeigt auch die Auszeichnung mit dem Deutschen Bäderpreis. So wie es heute betrieben wird, gibt es eine hohe Zufriedenheit in der Bevölkerung. Viele andere Kommunen haben in dieser Zeit Bäder zugesperrt, weil sie die finanziellen Lasten nicht mehr tragen konnten oder wollten. Wünschenswert wäre allerdings, wenn solche Projekte nicht von einer einzelnen Kommune gestemmt werden müssten, sondern als interkommunales Projekt oder als staatliche Aufgabe im Sinne der Sportförderung.
Was muss im letzten Jahr als Bürgermeister noch unbedingt geschafft werden?
Der Saubrunnenplatz muss auf jeden Fall fertig werden. Der ist die Jahre hindurch immer wieder verschoben worden. Der Platz ist eine der Hauptzufahrten in die Innenstadt und soll wie die Zufahrt über die Bahnhofstraße beim Spital ein attraktiver Platz werden.
Die Nachfolgerfrage
Namen werden Sie sicher nicht nennen, aber hat sich Ihre Partei, die CSU, schon auf eine(n) Nachfolger/in festgelegt?
(Ackermann lacht.) Was soll ich darauf sagen? So funktioniert das nicht, dass man sagt, der oder die macht das. Das muss sich herausschälen. Natürlich gib es Gedankenspiele, aber diesbezüglich sind noch nicht ansatzweise Pflöcke eingeschlagen.