Waldmünchen trauert um die Ehrenbürgerin Martina Mathes

„Sie war Geburtshelferin, Ideengeberin, Fürsprecherin und Unterstützerin“ – so schreibt Susanne Nock auf dem WhatsApp-Kanal des Mehrgenerationenhauses über den Tod von Martina Mathes. Das war Mathes aber sicher nicht nur für das MGH, sondern auch für viele andere in Waldmünchen.
Bestürzung, Betroffenheit, Trauer – das sind die Vokabeln, die uns bei jedem Anruf entgegenklingen, wenn wir um eine Äußerung zum Tod von Martina Matthes bitten. Vielleicht gerade weil Mathes im Leben immer ein fröhlicher und begeisternder Mensch gewesen ist.
Wie berichtet, ist die Ehrenbürgerin, Stadträtin und Motor der Städtepartnerschaft in der Nacht zum Dienstag nach kurzer, schwerer Krankheit gestorben. Am 17. Dezember hatte Mathes noch ihren 70. Geburtstag gefeiert.
27 Jahre Schulleiterin
Das größte Vermächtnis, das Mathes ihrer Wahlheimat Waldmünchen, aber auch dem Landkreis hinterlassen hat, sind die Schüler der Wirtschaftsschule, die sie in 36 Jahren ausgebildet hat. Mathes hatte dies bei ihrem Abschied aus der Schulleitung nach 27 Jahren selbst so formuliert: „Mein Arbeitgeber war nie das Kultusministerium, sondern es waren meine Schüler.“
Eine dieser Schülerinnen war Susi Nock. In ihrer offiziellen Funktion als Sprecherin des Fördervereins der Wirtschaftsschule sagt sie: „Wir sind wegen Mathes gern in die Schule gegangen.“ Mathes sei eine außergewöhnliche Lehrerin gewesen, die jede Stunde zum Erlebnis machte. Ihr Unterricht in Betriebswirtschaft sei immer mit spannenden Geschichten verbunden gewesen, die das Thema deutlich machten. Mathes habe „Feingefühl und Fürsorge“ für die Schüler gehabt.
Sie habe die Schule mit aufgebaut und ihr einen guten Ruf gegeben. Mit ihr seien die Schülerzahlen gestiegen, und sie habe das deutsch-tschechische Fach Euromanagement eingeführt. Als es immer deutlicher wurde, dass eine Weiterführung der Wirtschaftsschule in sechsstufiger Form nicht möglich sein wird, habe sie sich aktiv für die Standortsicherung einer Schule in Waldmünchen eingesetzt. Nock erinnert sich, dass Mathes ihren 60. Geburtstag in München verbrachte, um im Ministerium für die Gründung einer Realschule in Waldmünchen zu werben, was letztlich auch gelang.
Ebenfalls mit aus der Taufe gehoben hat Mathes als 2. Vorsitzende das Mehrgenerationenhaus. Für Nock war sie so was wie das Rückgrat des MGH. Mathes hat den Französisch-Stammtisch eingeführt und bis zum Dezember 2024 wöchentlich gehalten. Und sie war wichtige Ansprechpartnerin für die MGH-Mitarbeiter.
Die Partnerschaft mit Combourg
„Es ist ein riesiger Verlust für die Stadt“, sagt Bürgermeister Markus Ackermann, und man merkt seiner Stimme am Telefon die Betroffenheit an. Mathes sei nicht nur Stadträtin und die erste Ehrenbürgerin der Stadt gewesen, sie habe fast überall „fruchtbare und nachhaltige Spuren“ hinterlassen. Als eine der wichtigen zählte Ackermann den Aufbau einer seit Jahrzehnten lebendigen Partnerschaft zu Combourg auf. Dies habe sich auch in ihrem Einsatz für das Theaterstück über Chateaubriand gezeigt. Erst in der Dezembersitzung hatte der Stadtrat sie mit einem Bild (siehe oben) deswegen geehrt.
Als Leiterin der Wirtschaftsschule sei sie hoch anerkannt gewesen, habe aber „die notwendigen Weichen“ für den Wechsel zur Realschule gestellt. Im Stadtrat und Kreistag sei sie eine „sachliche und sensible“ Moderatorin gewesen. Er persönlich habe Mathes als beispielgebende Person erlebt. Sie sei ihm „beste Beraterin, Unterstützerin und Freundin“ gewesen. Gerade bei den Besuchen in Combourg habe man viele schöne Erlebnisse geteilt.
Ein „außergewöhnlich großartiger Mensch“
„Ich bin geschockt und tief betroffen“, sagte Landrat Franz Löffler. Mathes sei „ein außergewöhnlich großartiger Mensch“ gewesen, der vielen als Lehrerin das Rüstzeug fürs Leben gegeben habe. Mathes sei ganz bewusst Schulleiterin in Waldmünchen geblieben. Trotz anderer Karriereangebote wollte sie an der Basis bleiben. Mathes habe zu überzeugen gewusst, sagte Löffler, nicht etwa durch Lautstärke, sondern durch ihr Wissen. Danach ging Löffler auf die Leistung Mathes bei dem Wechsel von der Wirtschaftsschule zur Gründung der neuen Realschule ein.
Wegen ihrer Fähigkeiten habe er auch versucht, sie für die Politik zu gewinnen. Mathes saß von 2002 bis zu ihrem Tod im Stadtrat von Waldmünchen und war bis 2020 für zwölf Jahre im Kreistag. Auch hier sei sie durch ihre „überzeugenden Argumente“ aufgefallen. Sie sei, was Erziehung und Bildung betrifft, „eine perfekte Ansprechpartnerin“ gewesen. Er sei ihr dafür dankbar. In Waldmünchen habe er auch miterlebt, wie der damalige Bürgermeister Dieter Aumüller, Senator Heinrich Eiber und der damalige Combourger Bürgermeister Dr. Belliard die Partnerschaft begründeten, an der Mathes wesentlichen Anteil hatte. Das Ganze müsse man auch vor dem Hintergrund der Völkerverständigung sehen, denn Eiber und Belliard waren Kriegsteilnehmer.
Die Völkerverständigung habe Mathes dann auch an Chateaubriand festgemacht. Se sei „tiefgründig und überzeugend“ gewesen, und wer einmal eine Busfahrt durch Frankreich mit ihr erlebt habe, habe erfahren, wie spannend und geläufig sie erzählte. Mathes sei ein positiver Mensch gewesen, der stets nach vorne geblickt habe.
Engagierte Musikerin im Torelli-Orchester
Die klassische Musik war neben der Liebe zu Frankreich die zweite Leidenschaft von Mathes. Auf ihren 70. Geburtstag hatte sie noch am Vorabend mit ihren Kollegen des Torelli-Orchesters angestoßen, berichtet Vorsitzender Dr. Hartmut Holzinger. Im Orchester sei Mathes seit rund 20 Jahren eine sehr engagierte Musikerin gewesen. „Das ist gewiss ein schwerer Verlust“, sagte Holzinger.


