Warum Waldmünchens Kultfigur Chateaubriand viele Liebschaften hatte

Von Martin Hladik · 1. August 2024 um 05:00

Im Grunde ist sie auch eine, eine die sich vom „Zauberer“ Chateaubriand, wie er oft genannt wurde, hat begeistern lassen. Am Dienstag hat Martina Mathes über die vielen Frauenbekanntschaften des französischen Dichters und Politikers Chateaubriand berichtet. Am Schluss des kurzweiligen Vortrags fragte eine Zuhörerin, wie eigentlich Mathes selbst auf Chateaubriand gestoßen sei.

Die Waldmünchner Ehrenbürgerin und langjähriger Motor der Städtepartnerschaft zu Combourg berichtete, dass sie ein Buch über Chateaubriand schon als Teenager in Amberg gelesen habe. Mit ihrer Versetzung nach Waldmünchen und dem Interesse Senator Heinrich Eibers an Chateaubriand und Frankreich organisierte sie Reisen, die schließlich zur Städtepartnerschaft mit Combourg führten, wo das Schloss der Angehörigen Chateaubriands steht. In der Pension habe sie jetzt mehr Zeit, sich mit Chateaubriand zu beschäftigen.

Ein Anreiz, das Frauenthema aufzugreifen, sei für Sie auch das Stück von Bernhard Setzwein gewesen, das am 14., 16. und 17. August wieder auf der Festspielbühne aufgeführt werde, und in dem ein Teil dieser Frauengestalten auftaucht.

Drei wichtige Frauen

In ihrem Vortrag machte Mathes deutlich, dass es für Chateaubriand trotz seiner vielen Affären drei wichtige Frauen in seinem Leben gegeben habe: Zum einen seine Schwester Lucile, die mit ihrem Bruder den romantischen „Weltschmerz“ teilt, und schon mit 40 Jahren „verzweifelt und nervenkrank stirbt“. Sie hat ihrem Bruder die Ehefrau vermittelt. Das ist Celeste, mit der Chateaubriand über 50 Jahre verheiratet, aber der er nie treu ist.

Celeste scheint sich damit arrangiert zu haben und bezeichnet die Amouren Chateaubriands als seine „Damen“. Als „Erzdame“ benennt sie allerdings die längste außereheliche Beziehung Chateaubriands mit Juliette Recamier, berichtet Mathes. Diese berühmte und einflussreiche Französin ist über drei Jahrzehnte die Herzensdame Chateaubriands. Man schreibt sich täglich oder sieht sich täglich.

Auch aus Waldmünchen gebe es Briefe Chateaubriands an Recamier, aber auch an seine Frau Celeste. Wie Chateaubriand beide sah, stellte Mathes in einem erhellenden Zitat heraus: „Alles, was ich geliebt habe, habe ich in Juliette geliebt.“ Und später heißt es in der gleichen Sentenz über seine Ehefrau: „Madame des Chateaubriand hat Ordnung und Frieden in meine Pflichten gebracht.“

Dabei ist Juliette Recamier eine außergewöhnliche Frau, wie Mathes deutlich macht. Obwohl außerordentlich schön und ihre Reize auch freigiebig zur Schau stellend und mit vielen berühmten Männern bekannt, soll sie eine „Jungfrau aus Neigung“ gewesen sein, die auch jungfräulich gestorben ist. Bezeichnend sei auch, so berichtet Mathes, dass Chateaubriand seine Geliebte gesiezt, seine Ehefrau aber geduzt hat. Eine weitere wichtige Gestalt im Leben Chateaubriands ist La Sylphide. Es ist eine erdachte Idealfigur seiner Jugend, in der er, so Mathes, alle seine Idealbilder von Frauen vereinigte.

Ansonsten berichtete Mathes über acht weitere Frauen, mit denen Chateaubriand im Laufe seines Lebens ein wie auch immer geartetes Liebesverhältnis hatte. Mathes berichtete, dass seine Affären im Laufe seines Lebens im Verhältnis zu ihm immer jünger wurden. Dabei zitierte sie den Chateaubriand-Biographen Friedrich Sieburg, der schreibt: „Er betrog seine Frauen oft mit einer beklagenswerten Hastigkeit...“

Den Typus Frau, der für Chateaubriand in Frage kommt, findet er in den besseren Kreisen Frankreichs, oft haben diese Frauen während der Revolution Schreckliches erlebt. Viele sind junge Witwen. Mathes macht deutlich, dass viele der Frauen in irgendeiner Art und Weise traumatisiert waren. Mathes zitiert Sieburg mit den Worten: „Fast alle Frauen, denen er begegnete, waren schon unglücklich und verfielen ihm deswegen so schnell.“

So erwähnt Mathes zum Beispiel Pauline de Beaumont, deren Familie 1794 hingerichtet wurde. Sie erlebte ein besonders tragisches Schicksal. Sie lernt Chateaubriand in literarischen Zirkeln in Paris kennen und beide verlieben sich. Sie unterstützt ihn bei der Arbeit an seinem Werk „Der Geist des Christentums“. Chateaubriand wird Botschafter im Vatikan. Dort hat er schon die nächste Geliebte, Delphine des Custine, die wiederum mit der Frau Napoleons bekannt ist. Die unglückliche Pauline reist ihm nach Paris nach, obwohl sie bereits todkrank ist. Später stirbt sie in Chateaubriands Armen.

Mathes berichtet, dass sie selbst schon das Marmor-Grabmal besucht hat, das Chateaubriand seiner Ex-Geliebten in einer römischen Kirche errichtet hat.

Charlotte Ives, eine englische Pfarrerstochter, war eine der ersten Geliebten von Chateaubriand. Er lernte die damals 16-Jährige als ihr Hauslehrer für Italienisch und Französisch im Exil in England kennen. Mathes berichtet von einer schon komödienhaft anmutenden Szene: Die Pfarrersfrau spricht Chateaubriand an, ob er nicht ihr Schwiegersohn werden wolle. Der gesteht ihr, dass er verheiratet sei. Die Pfarrersfrau fällt in Ohnmacht.

Er ist 60, sie 28

Lassen sie uns noch eine der Frauen erwähnen, die insofern bemerkenswert ist, weil sie Chateaubriand verlassen hat, sagt Mathes. Sonst sei das umgekehrt gewesen. Es ist Hortense Allart, die selbst Literatin ist. Chateaubriand ist wieder Botschafter in Rom, er ist 60 Jahre alt, sie 28. Chateaubriand beschreibt sie als „würdig, einen alten Liebhaber in Versuchung zu führen“, zitiert Mathes.

Verlassen wird Chateaubriand übrigens für den Engländer Lord Bulwer-Lytton, der später „Die letzten Tage von Pompei“ schrieb.