Lyrik unterm Apfelbaum: Veranstalter machen Riesenlust auf Literaturfestival Frauenzell

Von Marianne Sperb · 24. Januar 2025 um 18:15

Das Literaturfestival Frauenzell läuft 2025 zu Hochform auf. Mit Martina Hefter kommt sogar die Trägerin des Deutschen Buchpreises 2024 – nicht der einzige Knaller in einem Programm, das so liebevoll wie anspruchsvoll arrangiert ist und vermuten lässt: Die Gäste werden Kloster Frauenzell von 11. bis 13. Juli die Tür einrennen.

Die Details der charmanten Veranstaltung, die acht Mitglieder des Schriftstellerverbands VS Ostbayern vorbereiten, stellten nun Vorsitzende Carola Kupfer und Kollege Rolf Stemmle im „Degginger“ vor.

„Hey guten Morgen, wie geht es dir?“ reißt alle mit: die Leser, die Literaturkritiker und die Juroren der Buchmesse Frankfurt, die den Roman von Martina Hefter mit höchsten Ehren bedachten – außer vielleicht Clemens Meyer, der den Buchpreis selbst gern gehabt hätte und mit seiner unverhohlenen Enttäuschung für ziemliches Geklicke im Netz sorgte. Wie fängt man also eine so gefeierte Schriftstellerin für so junges Festival ein? Mit einem dichten Netz: Dieter Lohr, Schriftsteller, Hörspieler und Musiker aus Regensburg, ist mit Martina Hefter zur Schule gegangen. Als er sie anrief, sagte sie ja.

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Viele berühmte Namen sind angekündigt, wie Nico Bleutge, der mit seinen Gedichtbänden Auszeichnung um Auszeichnung sammelt, oder Andreas Pflüger, der Thriller schreibt und mit Drehbüchern für den „Tatort“ ein Riesenpublikum erreicht. Zwei der Gäste sind in der Region auch durch „Regensburg liest ein Buch“ bestens bekannt: Adriana Altaras, die hinreißend und traurig-komisch über ihre Familienhistorie schreibt („Titos Brille“, „Besser allein als in schlechter Gesellschaft“), aber auch spielt und inszeniert und alle Zuhörer um den Finger wickeln kann. Und Steven Uhly („Glückskind“, 2012), der sich in „Die Summe des Ganzen“ und in „Königreich der Dämmerung“ düsteren Themen souverän und klug stellt. Auch hier passt das Festival-Motto „Spuren suchen“ fugenlos.

Anja Utler aus Leipzig, die nach Russlands Angriff auf die Ukraine mit ihrem brillanten „Trauerrefrain“ – 209 Kleinst-Gedichte – den Peter-Huchel-Preis holte, ist durch ihre Heimat Schwandorf hier verbandelt, genau wie die in Regensburg verwurzelte Anna Maria Schenkel aus New York, die mit meisterhaften historischen Verbrecher-Geschichten fesselt, von „Tannöd“ (2006) bis „Richtet Sie hin!“ (2024).

Barbara Krohn, Elfi Hartenstein, Bernhard Setzwein, Marita Panzer und viele andere: Auch die Riege der regionalen Schriftsteller und Lyriker beim Festival beeindruckt. Besucher hören Lyrik unterm Apfelbaum, lernen Young Writers kennen, üben bei einem der Workshops Sütterlin-Schrift, ziehen sich zurück in einen „Raum der Stille“, in dem Lyrikschnipsel über die Wände ziehen, oder lauschen kleinen Mittagskonzerten.

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Beim Festival findet Literatur zu Musik, Kunst und Performance. Lichtkünstler Clemens Rudolph ließ 2023 Bücher über Wände fliegen und ist 2025 wieder an Bord. Eva Honold richtet die Ausstellung „Wortgeheuer“ in ihrem literarischen Salon ein, wo Gäste schmökern, stöbern und reden.

Den Reiz des Festivals macht neben all den prominenten Namen und dem Mix an Angeboten ganz sicher der Ort aus: Kloster Frauenzell (bei Brennberg im Kreis Regensburg), eingebettet in schönste Natur. Die Kombi zog schon 2023, bei der Premiere der Reihe, die Menschen an. Hunderte kauften Tickets, noch viel mehr schauten beim Kinderprogramm vorbei, das auch 2025 eine Rolle spielt. „Wir wollen uns breit aufstellen und niedrigschwellig bleiben“, sagt Carola Kupfer. Das ist übrigens auch eine Bedingung von Bayerns Kunstministerium, das heuer 46 000 Euro gibt – ein guter Teil der Gesamtkosten von 60 000 Euro.

Beim Service legt das Festival 2025 deutlich zu. Es gibt Catering aus der Klosterküche und Shuttles fahren mehrmals am Tag nach Frauenzell und zurück nach Regensburg. Tickets sind seit gestern bei www.die-kulturoptimisten.de im Verkauf: zehn Euro am Tag, 15 Euro für große Lesungen.

Große Namen, lockeres Ambiente, viel Charme: Der Gedanke ans Poetenfest Erlangen liegt da gar nicht so fern, auch wenn Frauenzell nur ein paar Hundert Einwohner hat und Erlangen 120 000. Klar, das Poetenfest hatte zuletzt 13 000 Gäste, aber das gibt’s ja auch schon seit 1980. Und es fing auch mal klein an.