Ein König mit vielen Gesichtern: „Ludwig I.“ in Regensburg

Vom Hoffnungsträger und zum verspotteten Verliebten: Das Bayern-Museum leuchtet ab Mai die vielen Widersprüche des Monarchen und Menschen aus – und trumpft ab November mit historischen Spielkarten auf.
Ludwig I. macht’s einem nicht leicht. Einerseits brachte der König, der Bayern 1825 bis 1848 regierte, den Fortschritt ins Land, baute Eisenbahn und Wasserstraßen und drehte das Rad nach der Säkularisation mit ihren weitreichenden Folgen ein Stück weit zurück. Er galt als liberal und als zärtlicher Gatte.
Andererseits war er „kein Freund“ von Fabriken, in denen Arbeiter verkrümmt ihre Aufgaben verrichten. Er vergaß beim Bau der Infrastruktur den Anschluss nach Osten, ein kolossaler Fehler. Und er reagierte empört selbst auf kleine Zeichen von Ökumene. Zunehmend scharf parierte er Kritik – auch mit Zensur und Haft für missliebige Presseleute.
Der Hoffnungsträger wandelte sich zum rigiden Herrscher. Ein Gemälde von 1845 zeigt ihn, wie er sich nicht mehr auf die Verfassung stützt, sondern das Königszepter hochhält. Seine Frau Theresa betrog er nach Strich und Faden – und eine Affäre brachte ihn am Ende auch zu Fall. Der Hochverehrte war zur Spottfigur geworden, die unter die Röcke von Lola Montez abtaucht.
Lesen Sie mehr: Lauter mütende Menschen hocken aufeinander
Das Haus der Bayerischen Geschichte (HdBG) rüttelt in der Landesausstellung „Ludwig I. – Bayerns größter König?“ kräftig am Bild des Herrschers, gefüttert aus Abertausenden Notizen und Tagebuch-Einträgen und inszeniert mit allerhand multimedialen Kniffen. Zum Beispiel: Der Kopf des Königs – als Kronprinz, als Regent und als alter Mann – wird sich virtuell dreidimensional im Raum drehen und die Eisenbahn wird als rauchendes, fremdes Ungetüm unmittelbar erlebbar werden. Leiter Rainhard Riepertinger schwärmt gestern, bei der Jahresvorschau in der Bavariathek am Donau-Ufer: „Das wird a Wahnsinn!“
242000 Besucher kamen 2024 ins Haus
Das Bayern-Museum zieht. Regensburgs Bürgermeisterin Astrid Freudenstein (CSU) nennt es gestern einen geschätzten Partner. Die Stadt zahlt bei Einzelprojekten kräftig mit. 242 000 Menschen besuchten das Haus 2024, ähnliche viele wie 2023. Der Erfolg stabilisiert sich auf hohem Niveau. Die Landesausstellung 2024 dagegen unterschritt die selbst gesteckte Marke von 100 000 Gästen plus x deutlich. „Tassilo, Korbinian und der Bär“ im Diözesanmuseum Freising fand knapp 76 000 Gäste. Direktor Richard Loibl macht ein Bündel von Ursachen aus: den heißen Sommer, der Senioren abhielt, oder bürokratische Anforderungen an Schulklassen: „Wenn Lehrer fünf Formulare zur Gefahrenlage ausfüllen müssen, ist das hinderlich.“
In Regensburg profitiert das HdBG, anders als in Freising, vom Touristenstrom – ein Trumpf, den es 2025 mehrfach ziehen will: mit „Ludwig I.“, mit der Kabinettausstellung „Sau sticht König“ über historische Spielkarten und mit der Bilder-Schau „Geschichten aus dem Bayerwald“.
Lesen Sie mehr: Ein Kammermusik-Abend, der keine Wünsche offen lässt
Ökologie bleibt ein Top-Thema. Von der Bayern-Ausstellung „Ois anders“ 2024 über Großprojekte, die den Freistaat radikal verändert haben, blieb kaum ein Schräubchen übrig, das nicht wieder verwendet wurde, und 90 Prozent der Vitrinen bleiben im Einsatz. „Nachhaltigkeit lohnt sich“, sagt Loibl, auch mit Blick aufs Zertifikat als Passivhaus. Kein anderes Museum dieser Größe erfüllt diesen Standard, der auch gewaltige finanzielle Vorteile bringt, so Loibl: „Geld, das andere in die Luft blasen, können wir in Ausstellungen investieren.“ Das Bayern-Museum gibt für Energie nur ein Zehntel der Summe aus, die vergleichbare Häuser brauchen. Mit den Solarpanelen auf dem weitläufigen Dach wird’s allerdings so bald nichts. Nachdem man Dutzende Lecks entdeckt hatte, wird nun berechnet, ob der Einsatz von Spezialfolie lohnt. Eine zweite Vision – eine begrünte Fassade – könnte ebenfalls zu kostspielig sein. 30 000 bis 40 000 Euro kostet der jährliche Unterhalt für die Pflanzenwand. Vielleicht, so der Direktor, bringt ein Regenwasser-Auffangbecken die Lösung.
Papageno als Herzensbube
„Menschen im Bayerischen Wald 1900-1950“ wurde 2024 ein Überraschungserfolg. 2025 gibt’s Nachschlag. Eine Auswahl aus dem Konvolut von über 20 000 historischen Ansichtskarten erzählt „Geschichten aus dem Bayerwald II“, etwa vom Bau der Eisenbahn in Siebenhasen bei Tittling 1911, Saubahn genannt, weil sie Schweine transportierte. Oder vom Schwammerl-Lusei aus Zwiesel, einem schrägen Original aus den 1920er Jahren.
Ein außergewöhnliches Blatt legt das Haus mit „Sau sticht König“ auf. Die Schau präsentiert historische Spielkarten, darunter die „Herz-9/Papageno-Karte“ von 1793 aus Stadtamhof, die den Vogelhändler aus der Oper „Die Zauberflöte“ zeigt. Mozarts Librettist Emanuel Schikaneder aus Regensburg lässt grüßen!
Die Ausstellungen 2025 in Regensburg
„Ludwig I.“: Die bayerische Landesausstellung 2025 hinterfragt von 10. Mai bis 9. November Bayerns angeblich größten König. Zahlreiche Originale und spektakuläre Medieninstallationen leuchten den widersprüchlichen Menschen und Monarchen aus, dem die Region die Regensburger Domtürme, die Walhalla und die Befreiungshalle verdankt. Mit den Schifffahrtsgesellschaften schnürt man ein Paket, das Gäste alle drei Ziele erleben lässt.
„Sau sticht König“: Die Kabinettausstellung zeigt von 31. Mai 2025 bis 19. April 2026 bayerisches Kulturgut, das teilweise sogar internationalen Einfluss hatte. Historische Originale illustrieren die Entwicklung des Kartelns in Bayern, von den Anfängen im 14. Jahrhundert bis heute. Wer selbst spielen will, kann einen Kurs besuchen. Außerdem kommen Welt-, Europa- und bayerische Meister zu einem großen Karten-Turnier nach Regensburg.
„Geschichten aus dem Bayerwald II“: Historische Ansichtskarten aus der großen hauseigenen Sammlung erzählen in der Sonderausstellung ab 15. November über Land und Leute. Die Präsentation wird dreidimensional ausgebaut, Originalobjekte setzen Charakteristisches vom Bayerwald in Szene. Die Geschichten hinter den Bildern aus seiner Heimatregion hat Richard Loibl erforscht. Zur Ausstellung gibt er eine eigene Publikation heraus.