Ein Kammermusikabend, der keine Wünsche offen lässt

Vergnüglich und virtuos: Das Wiener Simply Quartet mit dem gefeierten Kontrabassspieler Dominik Wagner beim Musikverein im Aurelium Lappersdorf.
Im Grunde ist es für das mittlerweile in Wien beheimatete Simply Quartet reiner Luxus, sich für Antonin Dvořáks Quintett G-Dur die Dienste des gefeierten Kontrabassspielers Dominik Wagner zu sichern. Und doch war es für das vergangene Konzert im Lappersdorfer Aurelium nur konsequent, seine sensible und farbenreiche Grundierung dem klaren, hell leuchtenden Ensembleklang des Quartetts hinzuzufügen.
Dvořáks Opus 77 ist ja in seiner Konzeption fast schon eine Streichersinfonie, zumindest der Kopfsatz sprengt manches Mal die kammermusikalischen Konventionen mit einer üppigen Klanglichkeit, während man beim Konzert im Aurelium in der weiteren Satzfolge immer wieder eine musikantische, böhmische Folklore erahnen konnte.
Selbstbewusste Mittelstimmen
Durchsichtig, transparent und federleicht präsentierte sich das Simply Quartet schon im vorangegangenen, elegant schwebenden Streichquartett B-Dur op. 33 von Joseph Haydn. Mit Verve und einer sichtlichen Spielfreude begegneten Danfeng Shen und Antonia Rankersberger (Violinen), Xiang Lyu an der Viola und der Cellist Ivan Valentin Hollup Roald der Partitur von Haydn, die trotz einer augenscheinlichen harmonischen Gefälligkeit nie vor sich hinplätschert, sondern immer wieder vor vielen kleinen und großen Kunstgriffen nur so strotzt.
Deutlich hörbar gelang es den Mittelstimmen des Quartetts, sich klar und selbstbewusst zu positionieren – jenseits reiner Füllstimmen. Hier wie auch bei Dvořáks Streichquintett herrschte im gemeinsamen Musizieren immer eine technisch lupenreine Noblesse, die nie effektheischend forcierte, sondern den Ausdruck in einer feindosierten, fast filigranen Dynamik suchte. Dies war auch der Grund, warum es den Streichern in beiden Werken gelang, eine hohe dramaturgische Spannung über die Sätze zu entwickeln, die nie auch nur einen Deut nachließ.
Als Prolog für die beiden klassischen Kammermusikwerke gab Dominik Wagner in drei kleinen Solowerken zunächst eine Kostprobe seines virtuosen Könnens am Kontrabass. Die gern kolportierte Behäbigkeit des großen Instruments konnte er dabei nicht ganz widerlegen. Dominik Wagner bestach jedoch in „Ibérique Peninsulaire“ von François Rabbath (Jahrgang 1931), in der „Kadenza“ von Teppo Hauta-aho (1941-2021) und im „Vivace“ seines Vaters Wolfram Wagner (Jahrgang 1962) mit einer beeindruckenden und vielfarbigen Ausdruckskraft.
Der Träger zahlreicher Musikpreise lotete die ganze klangliche Bandbreite des Kontrabasses aus und zeigte, was technisch alles möglich ist. Ein neuer Klassiker, der einem breiteren Publikum tatsächlich im Gedächtnis bleiben dürfte, war trotz aller kompositorischer Raffinesse jedoch nicht darunter.
Symbiotisches Zusammenspiel
Dominik Wagner als Kammermusiker in der Quintettbesetzung zu erleben, war auch für sich durchaus ein Ereignis. Durchaus gewitzt, auch musikantisch, dann wieder hochsensibel reagierte er auf das symbiotische Zusammenspiel der Vier von Simply Quartet, spielte sich jedoch nie in den Vordergrund. Eher war ihm sichtlich seine Freude an der gemeinsamen Kammermusik mit dem Ensemble anzusehen. Und die Streicher wirkten über das ganze Konzert ohnehin höchst vergnügt bei der Musik von Haydn und Dvořák. Für einen hochrangigen Kammermusikabend kann man sich nicht mehr wünschen!