Goldsteig-Käsereien dürfen in Cham erweitern – aber was kommt ins Gebäude ?

Die Goldsteig-Käsereien wollen auf einer Erweiterungsfläche in Cham neue Gebäude errichten. Allerdings hat Geschäftsführer Andreas Kraus mehrfach im Stadtrat beschwichtigt: Es gehe nicht um eine Ausweitung der Produktion.
Zum Teil, so Kraus, seien die Gebäude am Standort Cham bis zu 70 Jahre alt. Nun habe man in der Nachbarschaft ein weiteres Grundstück erworben und wolle durch neue Gebäude und Sanierung des Altbestandes den Standort Cham zukunftssicher machen. Es gehe um Gebäude-Kapazität, nicht um eine Steigerung der Produktion. Bei laufendem Betrieb sei es beinahe unmöglich, ein Gebäude zu sanieren. Deswegen würden jetzt Ausweich-Möglichkeiten aufgebaut.
Kraus: Milch als Begrenzer
Eine Erweiterung der Produktion sei jedoch nicht beabsichtigt und auch angesichts der sinkenden Milch-Erzeugung schlicht nicht möglich. „Wir hätten den Rohstoff gar nicht“, so Kraus. Goldsteig wolle damit die Mozzarella-Produktion in Cham sichern. Er könne garantieren, dass es keine Ausweitung des Verkehrs geben werde. Die Anbindung an den bisherigen Standort werde emissionstechnisch keinerlei Unterschied machen. „Wir erweitern nichts“, sicherte Kraus nochmals zu. Es gehe darum, gebäudetechnisch wieder auf den modernsten Stand zu kommen.
Bürgermeister Martin Stoiber stellte fest, dass diese Botschaft wichtig sei, schon aufgrund der Nähe der Wohnbebauung. Die Anlieferung und die Abfuhr bleibe am selben Ort und werde weder weniger noch mehr, versicherte Kraus ein weiteres Mal.
Was wird aus dem Altbestand?
Stadträtin Claudia Zimmermann fragte nach, weil die Rede von einer Betriebserweiterung sei. Was passiere dann mit den Altgebäuden? Diese Gebäude würden saniert, so Kraus. Trotzdem werde die Produktion nicht erweitert, weil der Rohstoff Milch hier als Begrenzer wirke. „Es wäre schön, aber ich kann aus der gleichen Menge nicht mehr Umsatz machen“, so Kraus.
Das Büro Jocham hatte das Vorhaben auf 240 Seiten begutachtet. Planerin Jocham schilderte das Vorhaben für den Bau einer neuen Halle. „Es ist noch nicht ganz klar, wie es am Ende genutzt werden wird, aber das passiert jetzt deswegen, weil es eine Weile dauern wird, bis das notwendige Verfahren mitsamt aller Gutachten abgeschlossen ist.“ Das sei für die Betriebe immer ein schwieriger Moment, wenn sie ohne bestehendes Baurecht in Zugzwang gebracht würden.
Goldsteig wolle sich das Baurecht sichern, wenn es gebraucht werde. Die Käsereien würden das neue Gebäude über eine zweite Überführung über die Straße mit den bestehenden Gebäuden verbinden. Das nächste Wohnhaus sei für die Grenzwerte beim Lärmschutz als Referenz-Ort angesetzt worden. Für die beabsichtigte Beseitigung von Gehölz seien Ersatzmaßnahmen notwendig. „Da wird wieder ein Grüngürtel als Sicht und Abstandsschutz entstehen“, sicherte Jocham zu.
Lärm und Geruch haben beschäftigt
Es werde nun ein Rahmen festgelegt, der später aufgrund eines konkreten Bauantrages sauber ausgearbeitet werden müsse. Dann sei erneut ein Gutachten notwendig, um nachzuweisen, dass das Gebäude die Anforderungen an den Nachbarschaftsschutz erfüllt. Auch für den Artenschutz gebe es ein Gutachten, dass keine gefährdeten Tierarten auf dem Grundstück vorkommen. Die Entscheidung des Stadtrates sei der Startschuss für das weitere Verfahren.
Vizebürgermeister Walter Dendorfer erklärte, dass Lärm und Geruch seine Chamland-Fraktion schon sehr beschäftigt hätten. Die Arbeitsgemeinschaft kenne die schwierige wirtschaftliche Gesamtlage und stimme zu, wenn die Werte eingehalten werden. Das Produktionsgelände liege relativ tief im Hang. „Das spielt Goldsteig in die Hände“, argumentierte Jocham.
Energie-Abnahme bleibt
Bauverwaltungsleiter Arthur Scheurer stellte fest, dass bis zum 28. Februar das gesamte Werk ausgelegt wird und von den Bürgern eingesehen werden kann. „Das ist heute der erste Schritt, aber wir wollten von Anfang an Transparenz schaffen“, so Bürgermeister Martin Stoiber. Das saubere Abarbeiten aller Punkte und Vorgaben sei der einzige Weg, so ein Vorhaben ohne Probleme für alle Beteiligten zu verwirklichen. Am Ende des Tages müsse man sich auf die Gutachten verlassen, die heute aussagen, dass alle Vorgaben eingehalten werden können.
Stadtrat Stefan Schönberger fragte nach, ob die alten Anlagen umziehen werden und ob die Energieabnahme bei den Stadtwerken und beim Heizkraftwerk betroffen sei. „Es werden neue Anlagen eingebaut, aber die Abnahme wird im alten Rahmen bleiben“, so Kraus. Schwerpunkt des Vorhabens sei die Optimierung der Abläufe. Der Stadtrat stimmte dem Vorhaben einhellig zu und Kraus bedankte sich für das Vertrauen, auch im Namen der betroffenen Landwirte.
Was hat der Stadtrat da genehmigt?
Was genau hat der Stadtrat da eigentlich den Goldsteig-Käsereien genehmigt? Wie groß kann so eine Halle dann werden? War die Entscheidung für einen Bebauungsplan ohne konkreten Inhalt gar ein Freibrief? „Nein“, sagen Bürgermeister Martin Stoiber und sein Bauverwaltungsleiter Arthur Scheurer.
Zum einen sei die Zustimmung des Stadtrates nur die Einleitung eines Verfahrens. Jetzt würden die ganzen Pläne ausgelegt und dann die möglichen Widersprüche ausgewertet. „Vielleicht sagt ein Anlieger: Das ist mir zu hoch! Dann werden wir das prüfen und mit dem Landratsamt absprechen. Bei anderen Themen wie Lärm und Geruchsbelästigung können wir den TÜV einschalten. Der Stadtrat wird dann über das Ergebnis der Untersuchungen informiert“, erläutert Scheurer.
Was genau hat der Stadtrat da eigentlich genehmigt? In Zahlen heißt das: Goldsteig dürfte – wenn der Bebauungsplan so durchgeht – 19.200 Quadratmeter Grundstück zu 80 Prozent bebauen (Fahrwege zu 50 Prozent eingerechnet). Und zwar bis zu einer maximalen Höhe von 24 Metern. Wieso hat diese Zahlen bei der Sitzung niemand genannt? „Das war tatsächlich unglücklich“, sagt Stoiber. Allerdings habe der Stadtrat gewusst, über welche Ausmaße er da debattiert.
„Wir wollen sicherstellen, dass die Emissionswerte bei Geruch und Lärm eingehalten werden. Das ist uns wichtig, und das haben wir klargemacht. Wir wollten auch maximale Transparenz, deswegen hatten wir Geschäftsführung und Planungsbüro eingeladen.
Das mit der maximalen Transparenz war an diesem Abend aber schwierig. In den Stadtratsunterlagen und im Bebauungsplan ist von einer „Betriebserweiterung“ die Rede. Während der Sitzung sprach Goldsteig-Geschäftsführer Andreas Kraus aber dann von einer Gebäude-Erweiterung, ohne Produktionssteigerung. Gleichzeitig wollte oder konnte er aber nicht sagen, was sich in dem neuen Gebäude genau befinden wird. Die Altbauten sollen aber nicht niedergerissen werden. Er weiß zwar nicht, was reinkommt, erklärt aber im selben Atemzug, dass es nicht mehr Energie braucht, als bisher...
Dieser Widerspruch war am Freitagnachmittag nicht mehr aufzuklären, weil Kraus telefonisch nicht erreichbar war. Dasselbe gilt für die Darstellung, dass die Milchmenge die Produktion begrenzt. Was, wenn die Milch aus einem anderen Einzugsbereich zugekauft wird? Bauverwaltungs-Chef Scheurer sähe auch darin nicht das große Problem: „Die Lastzüge fahren von der Bundesstraße direkt auf das Betriebsgelände.“ Bei einem Neubau sei es ohnehin leichter, den Lärmschutz sicherzustellen. „Da kann ich die Mauer so hinstellen, dass das Wohngebiet maximal geschützt ist“, sagt Scheurer.
Er rechnet auch vor, dass aufgrund der Lage in einer Senke das neue Gebäude insgesamt fünf Meter niedriger herauskommt, als das 30 Meter hohe Hochregallager nicht höher als der Bestand im vorderen Teil der Goldsteig-Käsereien. Zudem müsse Goldsteig die Einhaltung sämtlicher Imissionsschutzwerte vor dem Bau anhand der tatsächlichen Anträge nachweisen.
Warum ist ein Bebauungsplan mit maximalen Höhen und Breiten dann kein Freibrief? „Weil das das übliche Vorgehen ist“, sagt Scheurer. Die Stadt gebe den Rahmen für die Bebauung vor. Das sei auch beim Gewerbegebiet Cham-Süd so gewesen. Da habe man für die Parzelle von Müller-Präzision die Vorgaben gesetzt, obwohl es noch keine weiteren Bewerber gegeben habe. „Da war auch erst nicht klar, wie die bauen. Das ist in den meisten Fällen so“, sagt Scheurer. .