Lange Sanierung der „Rennstrecke“ steht an: Ausweichverkehr ärgert Anrainer in Ihrlerstein

Von Martin Rutrecht · 24. Januar 2025 um 19:00

Enge Straßen, starke Steigungen, Gefahrenstellen für Kinder – der Verkehr am Herzberg und Gstaigkircherl in Ihrlerstein (Landkreis Kelheim) wird bei Sperren der „Rennstrecke“ zum Problem, klagen Anwohner. Autos und Lkw nehmen die Ausweichroute über die Brand. Ab dem zweiten Halbjahr wird das zum Dauerzustand.

Hugo Scheuenpflug schüttelt den Kopf. Vor knapp zwei Wochen rutschten von einem Lkw in der Steigung am Herzberg knapp zehn Tonnen Fleisch auf die Straße. „Es gilt eine Beschränkung auf 3,5 Tonnen – der Laster hätte hier nie fahren dürfen“, sagt der Anwohner aus dem Gstaigkircherl. Bürgermeister Thomas Krebs pflichtet ihm bei: „Wenn sich der Fahrer an die Verkehrszeichen gehalten hätte, wäre dieser Unfall vermeidbar gewesen.“

Offensichtlich suchte der Lkw-Fahrer wegen der Sperre der „Rennstrecke“ zwischen Kelheim und Abzweigung Alling die kürzeste Ausweichroute. Seit Freitag (25. Januar 2025) ist dieser Abschnitt der ST 2233 wieder offen. Ab dem Frühsommer gilt die Sperre wegen der Sanierung ein halbes Jahr. „Dass der Verkehr ausweichen muss, verstehe ich. Aber Schilder zu ignorieren, kann’s nicht sein“, so der 73-jährige Anwohner.

Beschwerden bei Polizei Kelheim über Laster

Immer wieder, so Scheuenpflug, donnerten schwere Laster hoch und runter. „Anrainer der Straße Am Herzberg haben gemeldet, dass häufiger als zuvor Lkw, deren zulässige Gesamtmasse höher als 3,5 Tonnen war, die Straße befahren“, bestätigt die Polizei Kelheim diesen Eindruck.

Allein im Begegnungsverkehr führt das zu Problemen, zumal Steigung bzw. Gefälle stellenweise bis zu 22 Prozent aufweisen. „Da, das Bankett ist schon ausgefahren“, deutet Scheuenpflug auf die Straße. Selbst Autos kommen an Engstellen kaum aneinander vorbei. Und das geltende Tempo 30 scheint für manche nur eine Empfehlung. „Zu Stoßzeiten wird es für meine beiden Kinder richtig gefährlich“, sagt eine Nachbarin, die zum Gespräch hinzu tritt. Ihren Namen will sie nicht nennen.

Offizielle Umleitung über Panzerstraße

Die offizielle Umleitungsstrecke verläuft laut Bürgermeister und Polizei über die ST 2230 in Richtung Essing und über die KEH 5 (Panzerstraße) nach Ihrlerstein bzw. Painten. „In wieweit sich die Verkehrsteilnehmer daran halten, entzieht sich dem Eingriffsbereich der Gemeinde“, sagt Krebs. Ausweichverkehr durch Ihrlerstein sei unvermeidbar.

Bereits im Vorjahr gab es eine ähnliche Situation. Die „Rennstrecke“ war wegen des ersten Sanierungsabschnitts zwischen Abzweigung Alling und Ihrlerstein dicht. „Ortskundige oder nach Navi fahrende Verkehrsteilnehmer haben vermehrt die Strecken über die Straßen Am Herzberg, Gstaigkircherl und Cramannsdorfer Weg benutzt, was zu einem höheren Verkehrsaufkommen führte“, erklärt Kelheims Polizeisprecher Steffen Heppenheimer.

Bangen um die Kinder

Die Gemeinde stellte eine Geschwindigkeitsmessanlage mit dem Hinweis „Engstelle“ in der Hauptstraße auf. „Danach hat sich der Verkehr im Hinblick auf die Geschwindigkeit normalisiert“, so der Bürgermeister. Eine Häufung von Verstößen gegen Tempolimits hat auch die Polizei nicht festgestellt.

Subjektiv ist das Empfinden mitunter anders. „Zeitweise bin ich echt erleichtert, wenn es die Kinder sicher über die Straße schaffen“, sagt die Mutter aus dem Gstaigkircherl. Manche Kreuzungen mit Wohn- oder Nebenstraßen seien nur schwer einsehbar. „Wenn die Autos auch noch zügig fahren, wird es schwierig.“ Die Polizei berichtet auf Anrage zudem von Beschwerden eines Anrainers „über das Verkehrsaufkommen im Bereich Am Herzberg und Gstaigkircherl“. Diese hätte er aber auch schon in den Jahren vor der Sperrung vorgebracht.

Gemeinde und Polizei kündigen Kontrollen an

Bürgermeister Krebs rechnet durch die neuerliche Sperre ab dem Sommer indes „nicht mit Mehrverkehr, da eine Ausweichmöglichkeit des Zu- und Abfahrtsverkehrs auch über die B16 gegeben ist“. Selbstverständlich habe sich jeder an die gültigen Verkehrszeichen zu halten. Geschwindigkeitsüberwachungen würden durch den Zweckverband Kommunale Verkehrssicherheit Oberpfalz durchgeführt.

„Eine Kontrolle der Tonnage-Beschränkung durch die Polizei Kelheim wäre am sinnvollsten“, ergänzt der Gemeindechef. „Eine Aufgabe der Polizei ist es den fließenden Verkehr zu überwachen, weswegen auch hier die geltenden Bestimmungen überwacht werden“, erklärt PI-Sprecher Heppenheimer. Anrainer Scheuenpflug appelliert an alle Auto- und Lkw-Fahrer: „Bitte fahrt vernünftig, wie es sich im Straßenverkehr gehört.“

Hugo Scheuenpflug steht an gleich mehreren Verkehrszeichen am Veilchenhang. Teils würden weder Tempo 30 noch die 3,5-Tonnage-Beschränkung eingehalten, sagt der Anwohner. Foto: Rutrecht