Neue Organisation bei Notdiensten – Wie die KI Apotheken im Landkreis Cham hilft

Von Bernd Hofmann · 24. Januar 2025 um 11:00

Viel wird momentan über die Künstlichen Intelligenz (KI) diskutiert. Solche Zukunftstechnologien gelten bei vielen oft als weltfremd und scheinen keine Auswirkungen auf den Alltag vor Ort zu haben. Seit Anfang des Jahres ist das zumindest in einem Bereich des Landkreises Cham nicht mehr so. Denn nun hilft die KI bei der Organisation der Notfall-Apotheken.

„Wir haben nichts gemerkt“, das ist das Feedback, das Jutta Rewitzer, Apothekensprecherin des Landkreises, von ihren Kunden in den letzten Wochen bekommen hat. Und das, obwohl sich im Hintergrund doch einiges verändert hat. „Die Notdienst-Apotheken waren früher ein händisches System, wir haben mit einer Landkarte die Apotheken in Gruppen zusammengefasst“, sagt Rewitzer.

Aus diesen Gruppen seien dann immer die Apotheken gewählt worden, die am entsprechenden Tag Notdienst hatten. „Das hat dazu geführt, dass die Abdeckung der Apotheken an den Landkreisrändern teilweise ausgefranst ist“, sagt Rewitzer. „Jetzt macht es die KI, und es gibt keine festen Gruppen mehr. Die KI schaut jeden Tag von jedem Punkt im Landkreis oder der Region, ob dort mindestens eine Apotheke dienstbereit ist.“ Das könne dann zum Beispiel dazu führen, dass ein Bewohner von Falkenstein nach Wörth fahren müsse, also über die Landkreisgrenze hinaus.

Eine bessere Abdeckung?

Grundsätzlich solle die neue Organisation aber für eine bessere Abdeckung sorgen. Wie es auch die Landesapothekerkammer in einer Pressemitteilung schreibt: „92 Prozent der Menschen in Bayern finden weiterhin eine Notdienst-Apotheke innerhalb von 20 Kilometern.“ Ein prüfender Blick auf die Website der Landesapothekerkammer bestätigt diese Aussage. Von Cham aus überschreitet der Weg zur nächsten Notfall-Apotheke, zum Beispiel in der sechsten Kalenderwoche, nie die 20-Kilometer-Marke. Nur wenn man sich auf der Karte der Tschechischen-Grenze nähert, werden die Wege etwas länger. Zum Beispiel müsste man in Waldmünchen an fünf Tagen länger als 20 Kilometer zur nächsten Apotheke fahren und in Furth im Wald an drei Tagen. Für die an der Grenze liegenden Ortschaften werden die 20 Kilometer also hin und wieder überschritten, was vor allem an der, durch die Grenznähe verkleinerten, Auswahl an Apotheken liegt.

Auch einen zweiten Grund gibt es für die Änderung, erklärt Rewitzer: „Gleichzeitig schaffen wir durch die gerechte Verteilung der Dienste eine Entlastung für das Apothekenpersonal.“ Denn für die Apotheken sei durch die neue Regelung per KI die Anzahl an Notdiensten gesunken, die sie pro Monat leisten müssten. „Davor hatten wir im Monat viermal einen Notdienst, in diesem Jahr haben wir ihn nur zwei- bis dreimal im Monat“, sagt Rewitzer. Die Verteilung für dieses Jahr habe sie bereits im Oktober 2024 erhalten.

Auch doppelte Wochenenddienste, also dass eine Apotheke sowohl am Samstag als auch Sonntag für den Notdienst eingeteilt ist, sei nun ein Ding der Vergangenheit. Wild verstreut seien die neuen Notdienste, so Rewitzer. Mit der neuen Neuordnung hätten die Apotheken keine regelmäßigen Notdienste mehr. Davor habe man in Intervallen immer an gleichen Tagen als Notdienst-Apotheke fungieren müssen. Dies sei jetzt nicht mehr der Fall.

Kein Chaos in Sicht

Eine chaotische Situation der Notfall-Apotheken wie im Landkreis Landsberg sieht Jutta Rewitzer im Landkreis jedenfalls nicht gegeben. Eine Augsburger Zeitung hatte dort von Umständen berichtet, an denen in einem gesamten Landkreis an manchen Tagen keine Apotheke geöffnet habe. Grundsätzlich gilt laut Jutta Rewitzer jetzt: Die Arbeitslast der Apotheken am Land hat sich verringert und die in den Städten erhöht. Die neuen Regelungen sind auch zum Teil eine Anpassung an andere Bundesländer. Wie Rewitzer berichtet, gibt es eine ähnliche Organisation der Apotheken in Hessen und in Rheinland-Pfalz bereits seit drei Jahren. Rewitzer sieht die Änderung als einen richtigen Schritt: „Das Notdienstnetz ist in der Vergangenheit immer dünner geworden. Das war jetzt die richtige Richtung, es sind die richtigen Maßnahmen.“