In Neunburg wird wieder mehr gebaut: Zahl der Bauanträge 2024 deutlich gestiegen

Von Jan Lange · 23. Januar 2025 um 19:00

Während bundesweit die Baubranche immer noch kriselt, zeigt sich in Neunburg eine ganz andere Entwicklung. Im Vorjahr gingen im Rathaus 82 Bauanträge ein – deutlich mehr als 2023, als es lediglich 57 Anträge waren. Das überrascht sogar Bürgermeister Martin Birner (CSU).

„Das hätte ich nicht gedacht“, meint der Neunburger Rathauschef mit Blick auf die Baustatistik. Immerhin stieg die Anzahl der Bauanträge um knapp 44 Prozent an. Ähnlich hoch war der Wert zuletzt im Jahr 2018 (84), wie Bauamtsleiter Tobias Stibich am Donnerstagabend die Stadträte informierte.

Stibich und Birner bleiben vorsichtig optimistisch. Ob die Zahl von 2024 nur ein Ausreißer war oder die Talsohle tatsächlich durchschritten ist und die Zahlen dauerhaft stabil bleiben, hänge von der weiteren wirtschaftlichen Entwicklung ab, sind beide überzeugt. „Krisen merken wir ganz deutlich“, so Bürgermeister Birner. So war es auch 2023: Die hohe Inflation sorgte für stark steigende Baupreise, der anhaltende Ukraine-Krieg war für Lieferschwierigkeiten mitverantwortlich. Die Bauzurückhaltung war in Neunburg deutlich zu spüren: Mit 57 gingen so wenige Anträge wie seit vielen Jahren nicht mehr im Rathaus ein.

Die zwei riesigen Kräne sind schon von weitem sichtbar

Nun wird wieder mehr gebaut. Deutlich wird dies auch in den Baugebieten in der Stadt und in den Ortsteilen. Im 2023 erschlossenen Baugebiet in Hofenstetten werden aktuell zwei Wohnhäuser errichtet. Ein weiteres Vorhaben könnte bald starten – der Stadtrat nickte jüngst einen entsprechenden Bauantrag ab. Die insgesamt elf Parzellen sind alle vergeben.

Auch im neuen Wohngebiet an der Söltlstraße, wo die Erschließung Ende 2023 abgeschlossen wurde, herrscht mittlerweile rege Bautätigkeit. Während der Bau des ersten neuen Hauses schon sehr weit fortgeschritten ist, werden inzwischen zwei weitere Wohngebäude errichtet. Riesige Kräne künden schon von weitem davon.

Mit der Ausweisung neuer Baugebiete hat die Stadt dafür den Weg geebnet. Neben den 2023 erschlossenen Flächen an der Söltlstraße und in Hofen-stetten wurden auch im Ortsteil Kleinwinklarn drei Parzellen ausgewiesen. Nachdem vor kurzem für den zweiten Bauplatz die Beurkundung beim Notar erfolgte, ist nun nur noch ein Grundstück frei, erklärt Stibich.

Es gibt noch Bauplätze in Seebarn, Kemnath und Kleinwinklarn

Dem Bauamtsleiter sind keine Fälle aus den vergangenen Monaten bekannt, bei denen Parzellen von potenziellen Bauherren aus finanziellen Gründen zurückgegeben wurden. Im Vergleich dazu gab es in Schwandorf durchaus Stornierungen von Bauinteressenten aufgrund der gestiegenen Preise und Zinsen. Die wieder freigewordenen Grundstücke konnten laut Stadt aber an andere Bewerber, die auf einer Warteliste standen, vergeben werden.

Bei der Neunburger Bürgerversammlung im vergangenen November hatte Martin Birner darüber informiert, dass aktuell noch Bauplätze in Seebarn, Kemnath bei Fuhrn, Kleinwinklarn und an der Söltlstraße verfügbar sind. „Wenn wir nichts anbieten, kann sich Neunburg auch nicht entwickeln“, steht für den Bürgermeister fest. Deshalb sei die Stadt immer auf der Suche nach weiterem Bauland. Durchaus mit Erfolg, wie Birner durchblicken lässt. So sei ein neues Baugebiet in einem Ortsteil in Vorbereitung. Und am Kröblitzer Steig könnte auch das Gelände der alten Kegelbahn nach deren Abriss wieder bebaut werden, so der Bürgermeister. Im Dezember hatte der Stadtrat dazu bereits einen Beschluss gefasst: Der Bauvoranfrage zur Errichtung von zwei Doppelhäusern wurde einstimmig das gemeindliche Einvernehmen erteilt.

Bei der Erschließung neuer Flächen besteht kein Zeitdruck

In der Kernstadt gebe es noch weitere städtische Flächen, die als Baugebiete erschlossen werden könnten, sagt Birner. Bei deren Entwicklung gebe es aus Sicht des Bürgermeisters aber keinen Zeitdruck. „Sie rennen uns nicht davon.“ Damit will die Stadt auch verhindern, dass zu viele Bauflächen auf einmal auf den Markt kommen und die Preise dadurch vermutlich fallen würden.

Neben der überraschenden Entwicklung beim Wohnungsbau freut sich Martin Birner auch über den positiven Trend bei den Gewerbeobjekten. Hier stieg die Zahl der Anträge von 15 auf 22. „Es ist absolut erfreulich, dass unsere Unternehmen selbst in schwierigen Zeiten investieren wollen“, meint der Rathauschef. Erst kürzlich wurde in seiner Anwesenheit der umgebaute Werksverkauf der Trolli GmbH wiedereröffnet.

So sieht die Lage aus

Bauanträge: Die Zahl der Bauanträge stieg von 57 (2023) auf 82 (2024).

Einfamilienhäuser: Im Vorjahr wurde der Bau von 14 Einfamilienhäuser beantragt, 2023 waren es zehn.

Gewerbeobjekte: Auch bei den Gewerbeobjekten gab es einen Anstieg von 15 auf 22 Vorhaben. Besonders viele Anträge für Gewerbeobjekte wurden in den Monaten Oktober bis Dezember gestellt.

Monatsverlauf: Die meisten Bauanträge (14) wurden im Juli gestellt, gefolgt vom November (elf) und Dezember (zehn). Nachdem 2023 in keinem einzigen Monat zehn oder mehr Anträge gestellt wurden, wurde diese Grenze 2024 in drei Monaten erreicht beziehungsweise überschritten.

Ortsstatistik: Für die Kernstadt gab es 37 Anträge (2023: 22), neun betrafen Penting (2023: sechs), sieben Kemnath (2023: sechs).

Die elf Parzellen in Hofenstetten sind alle vergeben. Im Bau befinden sich derzeit zwei Gebäude. Foto: Jan Lange