Onkel missbraucht Nichte in Regensburg – Opfer vertraute sich Freundin an

Ein 42-Jähriger aus Regensburg gesteht schweren Kindesmissbrauch über Jahre. Dennoch bleiben vor Gericht viele Fragen offen. Dem Mann drohen Dank eines Deals bis zu fünfeinhalb Jahre Gefängnis.
Seit Januar 2020 hat ein 42-Jähriger aus Regensburg seine Nichte sexuell missbraucht. Zig Übernachtungen in seiner eigenen Wohnung sowie im Haus seiner eigenen Schwester nutzte er dafür, sich an dem Kind zu vergehen. Das gestand der Mann am Mittwoch vor dem Landgericht. Zuvor hatten die Prozessbeteiligten nichtöffentlich einen Deal ausgehandelt. Die Jugendkammer stellte dem Regensburger nicht mehr als fünfeinhalb Jahre Gefängnis in Aussicht, wenn er alles gesteht. Denn dem Opfer bliebe so eine sehr belastende Aussage vor dem Gericht erspart.
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Rund zwei Stunden verhandelten die Juristen hinter verschlossenen Türen. Die Eltern des Kindes, die im Prozess gegen den 42-Jährigen mit Anwältin Claudia Schenk als Nebenkläger auftreten, mussten sich gedulden. Der Angeklagte saß in Hand- und Fußfesseln wenige Meter neben ihnen, bewacht von zwei Polizisten.
„Rudimentäre“ Entschuldigung per WhatsApp?
Als Mindeststrafe nannte das Gericht am Ende vier Jahre und neun Monate – zudem müssten 8000 Euro Schmerzensgeld ans Opfer fließen. Den zuvor laut Strafverteidiger Christian Reiser „rudimentären“ Entschuldigungen, unter anderem per WhatsApp, folgte vor Gericht eine knappe Ergänzung. Selbst sprach der 42-Jährige nur mit seinem Anwalt, der dann erklärte, sein Mandant „bedauert sehr, dass es zu diesen Übergriffen gekommen ist“. Zudem räumte Reiser im Namen des Mannes die verbliebenen Vorwürfe „vollumfänglich ein“. Fragen zu Hintergründen würden allerdings keine beantwortet, wie er als letzten Satz noch nachschob.
Genau davon gäbe es für die Angehörigen wohl einige. Zum Beispiel, warum es soweit kommen konnte. Der Mann habe, darauf ließ die Aussage einer Zeugin schließen, ein gutes und enges Verhältnis zu dem Kind gehabt. Er habe regelmäßig etwas mit ihm unternommen, sei bei der Familie seiner Schwester ein und ausgegangen. Wie schlimm die ans Licht gekommenen Vorfälle für die Mutter sind, war zu sehen: Als der Staatsanwalt die Anklage verlas, rannen ihr die Tränen über die Wangen. Mit versteinerter Mine wendete sie keinen Blick von dem Angeklagten.
Kinderpornos sichergestellt
Was zwischen 2020 und 2024 geschehen ist, flog im Januar des vergangenen Jahres auf. Da vertraute sich das Kind einer Gleichaltrigen an. Und diese schwieg nicht, wie sie es eigentlich versprochen hatte, sondern erzählte das Ganze noch am selben Tag wiederum ihrer Mutter. Das Opfer hatte ihr von Fesselspielchen berichtet, die es seit längerem gab, aus denen sich das Kind befreien habe müssen. „Ich will das nicht“, habe sie dazu klar gesagt. Laut Anklage auch zu ihm, spätestens Ende 2022. Weshalb ein Teil der Vorwürfe rechtlich schweren sexuellen Missbrauch von Kindern darstellt.
20 der 35 Fälle, die nach einer Teileinstellung verblieben, räumte der 42-Jährige durch sein Geständnis ein. Zudem war er bei einer ersten Durchsuchung der Wohnung in Regensburg im Besitz von 483 kinderpornografischen Bildern. Verhaftet worden war er im März 2024. Nur 18 Tage später war der Haftbefehl aber wieder außer Vollzug gesetzt worden. Diesen Beschluss hob das Landgericht dann Ende April wieder auf, weshalb er seit 15. Mai ununterbrochen in U-Haft sitzt.
Die geplanten fünf Prozesstage wird es nach dem Geständnis wohl nicht brauchen. Die Jugendkammer verzichtete auf mehrere Zeugen. Das Urteil könnte noch diese, spätestens nächste Woche fallen.