65 Jahre nach Olympia-Sieg: Armin Hary erfüllt besonderen Autogrammwunsch eines Fans

Von Martin Rutrecht · 22. Januar 2025 um 19:00

Autogrammanfragen an den zweifachen Olympiasieger Armin Hary sind auch 65 Jahre danach nicht ungewöhnlich. Doch diese war besonders: Markus Krötz aus dem Taunus stöberte die Sprintlegende in Adlhausen (Landkreis Kelheim) auf, um ihn auf Originaltickets von Rom 1960 signieren zu lassen. Sein Vater war damals im Stadion und vererbte die Erinnerungsstücke.

Eine Fabelzeit macht ihn unsterblich. Armin Hary lief 1958 die 100 Meter als erster Mensch der Welt in 10,0 Sekunden. Zwei Jahre später bestätigte der damals 23-Jährige nicht nur die Rekordmarke, er sprintete bei den Olympischen Spielen in Rom auch zu zwei Gold-Medaillen (100 m und Staffel). „Mein Vater war 1960 beim legendären 100-m-Finale im Stadion und hat Zeit seines Lebens von diesem beeindruckenden Erlebnis geschwärmt“, erzählt Markus Krötz aus Kelkheim.

Besagter Papa, Karlheinz Krötz, war 21 Jahre jung, fuhr mit einem Kumpel mit dem Zug von Heidelberg nach Rom und hockte gebannt im Olympia-Oval. Zwei Eintrittskarten und ein Programmheft erwarb er am Einlass. Und hob Tickets und Broschüre auf, als wären sie ein Schatz. „Vor neun Jahren starb mein Vater mit 77. Die Erinnerungsstücke gingen in meinen Besitz über und ich hüte sie wie meinen Augapfel“, so der 52-jährige Sohn.

Unterschrift als „Krönung“ auf dem Erbe

„Das Sahnehäubchen und die absolute Krönung“, so Markus Krötz, wäre ein Autogramm von Armin Hary auf den Originaltickets von 1960. Und machte sich vor zwei Jahren auf die Suche nach dem Sprintstar aus Quierschied (Saarbrücken), der seit 2008 in Adlhausen in der Gemeinde Langquaid lebt. Den Wohnort fand Krötz heraus, aber keine Kontaktdaten. Und kam auf die Mediengruppe Bayern zu, als er auf einen Artikel unserer Zeitung über Hary stieß. „Vielleicht würde er sich über diese Art der ihm entgegengebrachten Wertschätzung freuen“, schrieb Krötz in einer E-Mail an die Mediengruppe. Dem Manne konnte geholfen werden.

Der Kelkheimer fragte beim Ehepaar Hary an, ob er vorbei kommen dürfe. „Ich war vergangenen Samstag mit meinem Sohn Florian bei einem Spiel des FC Bayern, da bot sich ein Abstecher nach Adlhausen an.“ Die Harys willigten erfreut ein. Nach einer Übernachtung kam es am Sonntag zum Zusammentreffen in deren Haus und die Sprintlegende signierte die beiden Eintrittskarten. „Wir waren fasziniert von der Offenheit und Freundlichkeit, mit der man uns begegnete“, zeigte sich Krötz danach begeistert.

Führung durch Sammlung und Geschenke zum Abschied

Er erzählte ihnen die Geschichte von der Rom-Reise seines Vaters. Markus Krötz und sein Sohnemann (11) durften Lieblings-Souvenirs von Hary bestaunen – unter anderem ein Foto mit Vierfach-Olympiasieger Jesse Owens. Zum Abschied bekamen sie eine CD, auf der die Reportergröße Harry Valerien Harys Olympiasieg in Erinnerung ruft, und ein Buch über den „Läufer des Jahrhunderts” geschenkt. „Auch mein Sohn war beeindruckt und hat Hary immer wieder Fragen gestellt.“

Der Doppel-Olympiasieger und seine Frau Christina (79) waren ähnlich angetan vom Besuch, der vier Stunden Heimreise hatte. „So eine Story vermutet man nicht, das ist schon erstaunlich“, sagt Armin Hary. Autogrammanfragen und „nette Briefe“ erreichen ihn immer wieder, ergänzt seine Gattin. „Dieser Wunsch war aber durchaus außergewöhnlich. Vater und Sohn Krötz sind ganz liebe Leute.“

Armin Hary hat sich von Herzinfarkt erholt

Die Gäste aus Kelkheim konnten sich auch überzeugen, dass sich Hary von einem Herzinfarkt Ende 2021 recht gut erholt hat. „Mei, wie geht’s schon einem fast Hundertjährigen“, scherzt er mit der Mediengruppe Bayern am Telefon. Tatsächlich vollendet er am 22. März sein 88. Lebensjahr.

Markus Krötz will die Eintrittskarten, nunmehr mit Harys Unterschrift versehen, und das Programmheft „in Ehren halten“. Vielleicht werde er die Erinnerungsstücke auch einrahmen lassen. Verkaufen will er sie auf keinen Fall.

Alles wird in Ehren gehalten

„Ich werde alles irgendwann wie mein Vater meinen Kindern übergeben. Möglicherweise interessieren sie sich mehr dafür als mein Bruder bei unserem Vater“, schmunzelt er. Die Erinnerungen an Rom 1960 kommentierte selbiger mit: „Nimm’ du den Kram.“ Entstanden ist eine rührende Geschichte um eine Autogrammjagd 65 Jahre später.

Trauer um Staffel-Gefährten

Staffel-Kollege: Am Wochenende (18./19. Januar 2025) ereilte Hary die Nachricht, dass sein Staffel-Mitstreiter Bernd Cullmann im Alter von 85 Jahren verstorben ist. Mit ihm, Walter Mahlendorf und Martin Lauer holte er Gold in Rom.

Anteilnahme: „Natürlich macht mich das betroffen. Wir hatten nur einen Tag vor seinem Tod noch Kontakt“, sagt Hary. Aus der Siegesstaffel leben jetzt nur noch er und Mahlendorf.

Markus Krötz holte sich 65 Jahre später ein Autogramm von Hary (r.) auf Originaltickets ab. Foto: Krötz
Krötz’ Vater war in Rom und hatte Eintrittskarten (Bild) und Programmheft Zeit seines Lebens aufbewahrt. Foto: Krötz