Das Herz von Armin Hary schlägt weiter
Er war der schnellste Mann der Welt und lief 1960 in Rom zweimal zu Olympia-Gold. Anfang Dezember 2021 änderte sich das Leben der deutschen Sprint-Legende Armin Hary, die seit 13 Jahren in Langquaid wohnt, schlagartig: Herzinfarkt. Der 84-Jährige ist wieder auf den Beinen und schildert der Mittelbayerischen die näheren Umstände. „Stillhalten werde ich nicht“, sagt er.
„Ich bin aufgewacht und mir war furchtbar übel“, erinnert sich Hary an jene Nacht auf den Montag, 6. Dezember, als er gegen 3 Uhr „auch ein beklemmendes Gefühl in der Brust“ spürte. Der 84-Jährige bat seine Frau Christina (75), den Notarzt zu rufen. „Ich hatte mir nie vorstellen können, dass ich mal mit der Rettung ins Krankenhaus muss“, so der frühere Ausnahme-Sprinter.
Erst in Klinik wieder aufgewacht
Auf dem leicht ansteigenden Grundstück war der Abtransport nicht ganz einfach. „Aber davon habe ich nichts mitbekommen, ich bin erst in der Klinik wieder aufgewacht.“ Am Uniklinikum Regensburg (UKR) wurde der 84-Jährige in der Notaufnahme erstversorgt und in die Klinik für Innere Medizin II überstellt, so das UKR in einer Pressemitteilung.
Das Infarktbild ließ laut Klinikdirektor und Kardiologe Professor Dr. Lars Maier mehrere Therapieoptionen offen. Armin Hary erhielt schließlich Stents und konnte das Uniklinikum bereits zwei Tage nach Behandlung wieder verlassen. „Ich habe jetzt zwei Stents. Mir geht es gut. Das habe ich Professor Maier und seinem Team zu verdanken“, sagt der Langquaider.
Anzeichen von Herzproblemen habe er bis zu jener Nacht nie gespürt. „Ich bin noch viel im Garten aktiv und mit unserem Hund Lucky täglich unterwegs. Manchmal übernehme ich mich, aber das merke ich gar nicht.“ Er gehe fast automatisch über Belastungsgrenzen. „Das ist wohl ein Erbe meiner Sport-Laufbahn: Es gibt keine halben Sachen. Das war auch nach meiner Sprint-Karriere so.“
Die Erfolge des gebürtigen Quierschieders (Saarbrücken) bleiben auch nach 60 Jahren beispiellos für einen deutschen Sprinter. Hary stieg nach einer Fußball-und Handball-Jugend spät in die Leichtathletik ein. Schon 1958 holte er EM-Titel über 100 Meter und mit der 4x100-Meter-Staffel. Mit 10 Sekunden über 100 Meter brach er 1960 als erster Mensch eine Fabelmarke. Im selben Jahr gewann Hary bei den Olympischen Spielen zwei Gold-Medaillen (100 m/4x100 m).
Radfahren nur mit Begleiter
Auch nach der kurzen Ausnahme-Karriere (1961 hörte er auf) blieb der Sport sein Steckenpferd. „Ich habe Tennis und Golf gespielt. Bis zum letzten Sommer hinein war ich beim Radfahren.“ Dabei aber wollte er nicht mehr allein sein. „Ein Freund fuhr immer mit, falls ich mal stürze.“ Wirkliche Bedenken hatte Hary aber nie. „Einfach machen“, lautet sein Motto.
Über mögliche Ursachen des Herzinfarkts rätselt der Labertaler. „Vielleicht war ein Umzug Anfang des Jahres mit ein Grund.“ Das Ehepaar zog mit Hund von Adlhausen nach – Adlhausen. „Wir haben unser Haus verlassen, weil es zu groß wurde. Zufällig hat sich im selben Ort eine ideale Alternative angeboten.“ Wie immer bei ihm musste es „ganz schnell gehen, möglicherweise habe ich mich da übernommen“.
Beim Umzug wanderte auch ein einzigartiges Stück mit: Hary hatte 1960 für seinen Weltrekord eine Medaille aus purem Gold, zehn Zentimeter Durchmesser und ein Zentimeter dick, erhalten. Der japanische Kaiser lobte sie für den ersten Menschen in 10 Sekunden über 100 Meter aus. „Aber sonst muss man beim Verkleinern viel wegwerfen, ein Wahnsinn, was sich da angesammelt hatte.“
Der Blick geht nach vorne
Nach dem Herzinfarkt muss sich Armin Hary erst wieder erholen. „So schnell wird das nicht wieder wie vorher. Es war ein einschneidender Moment, auch die Operation.“ Er versuche, sich etwas zurückzuhalten. „Aber Liegen ist sicher nicht meine Sache.“ Spaziergänge stehen schon wieder auf der Tagesordnung.
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Ins Grübeln über Tod und Endlichkeit brachte der Schicksalsschlag ihn nicht. „Ich denke zwar an mein Alter, aber in der Weise, dass ich dafür noch ziemlich fit bin. Ich pushe mich eher hoch. Da hilft mir die Einstellung: einmal Sportler, immer Sportler.“ Traurig stimme ihn das Ableben von Freunden, unter anderem aus der Jugend, „die teils viel jünger waren als ich“.
Seine ungebrochene Lebensfreude liege auch an der Wahl-Heimat Adlhausen, über die er sagt: „Ich hatte überall schöne Lebensstationen, aber hier ist es nochmal schöner. Wir lieben dieses Tal.“ Daheimsein sei für ihn „der schönste Ort“. Seine Frau Christina sei eine Viel-Leserin, er befasst sich gerne mit Nachrichten. Der Nachmittagskaffee ist fast Ritual. Und Spazierengehen genießen auch beide.
Hilfe:Nachlass:
Armin Hary hat sich bei seinem Aufenthalt in der Uniklinik zum Unterstützer des geplanten Forschungsgebäudes D7 erklärt. Dort sollen neue Therapien für Herzerkrankungen, seltene Erkrankungen und Krebserkrankungen bei Erwachsenen sowie Kindern/Jugendlichen erforscht und entwickelt werden.Im Jahr 2018 verkaufte der Langquaider nach eigenen Angaben seine olympischen Goldmedaillen, EM-Plaketten, Spikes und Pokale an einen Amerikaner. Eigentlich wollte Hary, dass die Stücke in Deutschland bleiben. Ein deutscher Käufer fand sich aber nicht, was ihn einigermaßen enttäuschte.
„Ich habe keine Angst vor einem weiteren Herzinfarkt“, sagt die deutsche Sprint-Legende, die nächstes Jahr 85 wird. „Vielleicht sollte ich etwas kürzer treten. Wenn ich es schaffe.“