Die Stadt Regensburg reißt ihre Klimaziele – Umwelt-Bürgermeister hält am Zeitplan fest

Von Juliana Ried · 22. Januar 2025 um 05:00

Statt zu sinken, steigen die Treibhausgasemissionen in Regensburg: Das konstatiert die Energieagentur in ihrem Monitoringbericht. Umwelt-Bürgermeister Ludwig Artinger hält dennoch am Zeitplan fest.

Die Stadt hat ehrgeizige Klimaziele. Während die Bundesregierung anstrebt, dass Deutschland bis 2045 treibhausgasneutral ist, soll Regensburg das bereits 2035 schaffen, so steht es im „Green Deal“. Zuletzt allerdings hat sich Regensburg von diesem Ziel entfernt, anstatt ihm näherzukommen: Die Treibhausgasemissionen pro Einwohner stiegen, so berichtete es am Dienstag im Umweltausschuss des Stadtrats Ludwig Friedl, Geschäftsführer der Energieagentur Regensburg.

Was das bedeutet, fasste die Energieagentur in ihrem Monitoringbericht mit einem Warndreieck zusammen. Daneben steht: „Der Pfad gemäß Green Deal ist gefährdet.“ Der Energieverbrauch durch Strom, Wärme und Verkehr stagnierte auf hohem Niveau. Er lag 2023 bei 3820 Gigawattstunden. Beim Anteil der im Stadtgebiet erzeugten erneuerbaren Energie am Gesamtverbrauch ist Friedl zufolge „noch ein sehr geringer Fortschritt zu verzeichnen“, die Quote liegt für 2023 bei 9,7 Prozent.

Vier Prozent mehr Treibhausgasemissionen pro Einwohner

Die Treibhausgasemissionen wuchsen auf 1,25 Millionen Tonnen insgesamt und 7,1 Tonnen pro Einwohner (plus vier Prozent im Vergleich zu 2022). Zurückzuführen sei das auf den Anstieg der CO2-Werte für den bundesdeutschen Strommix sowie für Erdgas, heißt es im Monitoringbericht. Friedl sprach von einem „Nachholeffekt“ nach dem Einbruch beim Erdgasverbrauch. Das bedeute: „Wir haben bis zum Ziel sieben Jahre mit 35 Prozent Reduzierungsherausforderung vor uns.“ Bis 2030 soll der Treibhausgasausstoß um 65 Prozent gesunken sein im Vergleich zu 1990.

Dennoch hatte Friedl auch gute Nachrichten. Drei große Projekte, an denen die Wirtschaft federführend beteiligt ist, könnten „ziemlich zeitnah“ den CO2-Ausstoß um 9,6 Prozent verringern: das Konzept für die grüne Energieversorgung der großen Firmen im Südosten über ein Energieareal mit Großwärmepumpen, die Erweiterung des Energieareals West, das mit der Nutzung von Infineon-Abwärme begann, und das Energieareal Ost plus, wo Industrie, Stadt und Bürger-Energie-Region einen Solarpark planen. Gewerbe, Handel, Dienstleistung und Industrie haben einen Anteil von 51 Prozent am Gesamtenergieverbrauch, ein Prozent macht die Stadtverwaltung aus, 16 Prozent verbrauchen andere öffentliche Einrichtungen und 32 Prozent Privatpersonen.

Kommunale Wärmeplanung geht gut voran

Dass die Gesellschaft „durchaus offen ist, wenn es für sie realistisch und machbar ist“, habe der Erfolg der städtischen Photovoltaikförderung gezeigt. Von der kommunalen Wärmeplanung, die sehr gut vorangehe, erhofft sich Friedl einen großen Schub. Die Universität, die Friedl im Vorjahr noch harsch kritisierte, habe ihr Klimaschutzkonzept für den Campus abgeschlossen, die Ostbayerische Technische Hochschule soll folgen. Die Wasserstoffallianz für die Donauregion Kelheim-Regensburg sei als bayerischer Cluster anerkannt und damit Ziel einer möglichen Leitung, und beim Energiedialog Wirtschaft Regensburg, an dem sich Stadt und Landkreis beteiligen, sei ein erster Schritt erfolgt. Friedl betonte: „Die Ziele in Regensburg werden nur erreicht, wenn im Umland genug erzeugt wird.“

Weniger optimistisch äußerten sich Vertreterinnen der Ökoparteien. ÖDP-Fraktionschefin Astrid Lamby sagte, sie denke, „dass es in der Gesamttendenz einfach nicht reicht“. Grünen-Stadträtin Yasmin Hopp erklärte: „Es muss ein politisches und auch ein technisches Wunder passieren, damit die CO2-Reduktion so weit runtergeht, dass wir überhaupt noch Ziele erreichen.“ Ihre Fraktionskollegin Helene Sigloch bedauerte, dass der ÖPNV-Anteil in Regensburg zuletzt gesunken sei.

Umwelt-Bürgermeister: Glas ist halb voll

Bürgermeister Ludwig Artinger (FW) betonte: Ich freue mich lieber über das halb volle Glas.“ Die Energieareale seien „schon ganz konkret und hauen richtig rein“. Im Investitionsprogramm stünden Mittel für Sanierungen von sechs Liegenschaften, die 26 Prozent der möglichen CO2-Ersparnis aller städtischen Gebäude bringen. Limitierende Faktoren seien Geld und Personal. Auf Nachfrage von Thomas Thurow (Brücke), ob die Stadt wie der Freistaat die Klimaschutz-Ziele herunterschraube, stellte er klar: „Das werden wir mitnichten tun.“ SPD-Fraktionschef Thomas Burger räumte ein, „wir müssen noch mehr Gas geben“. Aber es gelte: „Man muss auch zur Kenntnis nehmen, dass in den letzten Jahren viel passiert ist.“

Thurow gab zu bedenken, die Politik müsse es auch schaffen, dass es einen Bewusstseinswandel in der Bevölkerung gebe. „Die Akzeptanz für Umwelt- und Klimapolitik rutscht in den Keller.“

Daten: Die Daten des Monitoringberichts der Energieagentur beziehen sich auf den Zeitraum bis einschließlich 2023. Sie wurden unter anderem von der Stadt Regensburg sowie von der Regensburg Netz GmbH und dem Energieversorger Rewag bereitgestellt.

So rechnet die Energieagentur

Bilanzierungsmethode: Für die Bilanzierung verwendet die Energieagentur das Online-Tool Ecospeed Region, das die gängigen Methoden nach der „Bilanzierungs-Systematik Kommunal“ abbildet. Diese empfiehlt das Umweltbundesamt für Kommunen.

Startbilanz: Bei der Startbilanz für das Jahr 1990 wurden als regionale Werte der Erdgasabsatz und Stromabsatz gemäß Daten der Rewag sowie zurückgelegte Kilometer im ÖPNV berücksichtigt. Der CO2-Emissionswert von 2,15 Millionen Tonnen ist die Basis für das Ziel.

Ziele: Die Stadt will eine Reduzierung der Treibhausgasemissionen um 65 Prozent gegenüber dem Basisjahr 1990 bis 2030, die Klimaneutralität der Stadtverwaltung bis 2030 und die Klimaneutralität der Gesamtstadt und der städtischen Töchter bis 2035