Liebesgrüße aus Peking: Wieso der chinesische Botschafter in Regensburg mit „Roter Fahne“ vorfährt

Der chinesische Botschafter hat sich am „Grünen Tisch“ im Regensburger Rathaus am Dienstagmorgen ins Goldene Buch der Stadt eingetragen. Dabei ging es weniger um die große Politik, denn die wurde nur am Rande kurz erwähnt.
Vielmehr wollte sowohl der Botschafter, als auch die OB, aber auch örtliche Unternehmensvertreter wie etwa von Krones klar machen, wie sehr die Beziehungen in den Fernen Osten zu unserem Wohlstand beitragen.
Wenn der Botschafter eines Landes kommt, dann wird er traditionell mit großem Protokoll im ehrwürdigen Alten Rathaus von Regensburg empfangen. Umso mehr gilt das für den obersten diplomatischen Vertreters eines Landes, das mit mehr als einer Milliarde Menschen fast 15 Mal so groß ist wie Deutschland.
Mit „seine Exzellenz“ begrüßte Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer den Botschafter. Der Raum, das Kurfürstenzimmer, steht sinnbildlich für die Ordnung des Mittelalters, aber auch für die Entwicklung des Parlamentarismus und der Freiheit in Mitteleuropa. Denn als Kaiser Friedrich II. die „Stadtfreiheit“ an Regensburg verlieh, bekam die Freie Reichsstadt einen Bürgermeister und einen Stadtrat.
Nun, das hatte natürlich damals eher etwas mit dem Kommunistischen Zentralkomitee in chinesischen Städten zu tun als mit Demokratie im heutigen Sinne. Und doch: Der Grüne Tisch, an dem die Kurfürsten berieten, ist ja bis heute sprichwörtlich im Deutschen verankert, wenn man etwas „am grünen Tisch“ verhandelt.
Merklich beeindruckt bedankte sich Botschafter Deng auf Chinesisch bei der Oberbürgermeisterin. Die Übersetzerin gab der versammelten Gesellschaft gerne wieder, was der Botschafter als Antwort an Maltz-Schwarzfischers Ansprache parat hatte. „Herzlichen Dank für die warmen Worte und die positiven Bewertungen zu China“, so der Botschafter. Die erste Reise des Diplomaten, der relativ neu im Amt ist, führte ihn nicht nur nach Bayern, sondern auch ins historisch wichtige und wirtschaftlich agile Regensburg.
„Jenseits der Geopolitik“
Seine Mitarbeiter hatten ihm dann auch ein Zitat aus einem Interview der Oberbürgermeisterin herausgesucht, das wohl klar machen sollte, dass man politisch nicht einer Meinung sein muss – das macht man dann mit Handel wett. „Im vergangenen Jahr zeigte das deutsch-chinesische Verhältnis eine stabile und gesunde Entwicklung, die durch die strategische Unterstützung beider Staatsführungen gefördert wurde“, sagte der Botschafter. Und Maltz-Schwarzfischer habe in besagtem Interview davon gesprochen, „der Austausch zwischen Städten, Regionen, Unternehmen und Menschen sollte nicht beeinflusst werden von geopolitischen und geoökonomischen Faktoren“. Wann sie das sagte, blieb unklar – die OB nickte jedenfalls, während der Botschafter dies zitierte. Dann verwies er darauf, dass die OB im Sommer in die Partnerstadt nach Quingdao fahren würde, er lud Regensburger Unternehmer ein, dort zu investieren – auch im Bereich „Decarbonisierung“, also im Umweltbereich. Dass China eine Wirtschaftsmacht ist, das belegte auch die Teilnahme von zwei Wirtschaftsvertretern an dem Empfang. Norbert Sturm von der Krones AG war beispielsweise anwesend. Er betonte, wie wichtig die engen wirtschaftlichen Bande in den Fernen Osten sind.
Der Durst der Chinesen nimmt zu
Krones ist bereits seit Jahrzehnten mit mehreren Standorten in China vertreten, sagt Peter Mörtl, ein Sprecher des Konzerns. Insgesamt arbeiten dort rund 1000 Mitarbeitende. In Taicang verfügt Krones zudem über eine eigene Produktionsstätte, die insbesondere den chinesischen Markt bedient. D„ie Nachfrage nach abgepackten Getränken soll dort laut Global Data zwischen 2025 und 2028 um durchschnittlich 3,8 Prozent pro Jahr steigen“, so Mörtl. „Damit zählt China in unserer Branche zu den wachstumsstärksten Ländern der Welt.“
Auch Dominique Mommers, Abteilungsleiterin International bei der IHK, verwies auf diese wichtigen Beziehungen. Gleichzeitig warb sie für eine Veranstaltung der IHK am 27. März unter der programmatischen Überschrift: „China 2025: Geostrategischer Rivale oder Zukunftsmarkt?“
Als Geschenk überreichte die OB dem Botschafter übrigens eine Replik eines Bronzepferds aus der Römerzeit, das man in Regensburg gefunden hatte. Er antwortete auf Chinesisch – die Übersetzerin stand stets parat –, dass es in China ähnliche, aber wohl ältere solcher Statuen geben würde.
Automarke „Rote Fahne“
Draußen vor der Tür wartete dann auch schon die gepanzerte Botschafter-Limousine. Exzellenz fährt einen Hongqi, zu Deutsch heißt das „Rote Fahne“, „best Car in China“, wie ein Botschaftsmitarbeiter vor der Tür zum MZ-Reporter sagte. Der antwortete: „Looks like a BMW“ – „schaut aus wie ein BMW“.


