Der Oligarch zu Besuch

Manchmal kann man sich seine Staatsgäste nicht aussuchen. Nicht einmal, wer auf der richtigen und wer auf der falschen Seite der Geschichte steht. Regensburg hat jedenfalls eine lange Tradition mit seinen Partnerstädten. Die meisten völlig unverfänglich. Da reihen sich Städte wie Brixen und Clermont-Ferrand ein, oder Tempe in den USA, übrigens beliebtes Reiseziel für Stadtoberhäupter vergangener Jahre. Aber eben auch Qingdao in China, das sich der Wirtschafts-Oberlenker Hans Schaidinger eingebildet hat, da ist man dann schon glasklar in einer Diktatur. Dass wir Deutschen die Ukraine unterstützen, ist selbstverständlich: Dort ist ein Despot einmarschiert. Völkerrechtswidrig. Doch auch auf der ukrainischen Seite gibt es nicht nur Engel. Zu den etwas halbseidenen Gestalten der Geschichte gehört nun ausgerechnet der Oberbürgermeister der Partnerstadt Odessa, Gennadyi Trukhanov. Nicht nur, dass er in den berüchtigten Panama Papers auftauchte, der Oligarch war einst sogar recht Russland-nah, was sich mit dem Einmarsch von Putins Soldateska allerdings erledigte. Jetzt gibt es Korruptions-Ermittlungen gegen ihn, er kam gegen Kaution aus der Untersuchungshaft frei. Kein Grund also, vorzuverurteilen: Auch für einen Oligarchen gilt die Unschuldsvermutung.
