Nominierung noch am Montagabend: Brücke eröffnet den Kommunalwahlkampf in Regensburg

Die erste Person, die im Wahlkampf nach dem Amt des Regensburger Oberbürgermeisters greift, bekommt große Aufmerksamkeit, muss aber auch den längsten Atem beweisen. Dafür hat sich nun der Verein „Die Brücke“ entschieden: Wer kandidiert, wird am Dienstag bekannt gegeben.
Der Termin der Bekanntgabe nach der Nominierung am Montagabend fällt in den Bundestagswahlkampf, mit dem gerade viele Parteien beschäftigt sind, nicht aber der Regensburger Verein. Auf die Frage, warum das gerade jetzt passiert, sagt Fraktionschef Joachim Wolbergs: „Es ist gut, so etwas frühzeitig zu machen, damit sich die Menschen orientieren können.“
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Zur Anzahl oder zu Namen möglicher Aspiranten wollte er sich im Vorfeld der Nominierung nicht äußern. Er selbst dürfe nicht antreten. „Weil der Freistaat Bayern ein Gesetz erlassen hat, wonach zwar Straftäter für das Amt des Oberbürgermeisters kandidieren dürfen. Sollte es aber eine Verurteilung gegeben haben, die zum Wegfall der Bezüge führte, darf derjenige auf Lebenszeit nicht mehr kandidieren“, erklärt Wolbergs. Auch wenn er das Gesetz als Skandal empfinde, könne sich der Kandidat oder die Kandidatin der Brücke seiner Loyalität zu einhundert Prozent sicher sein.
Eine Personalie macht in Bezug auf die Nominierung hellhörig: Brücke-Stadtrat Thomas Thurow soll bald eine Fraktions-Doppelspitze mit Wolbergs bilden. „Das hat die Fraktion beschlossen“, sagt Wolbergs. Thurow bestätigt, dass es diese Idee gibt. Auf die Frage, ob er sich die Kandidatur vorstellen kann, antwortet er: „Das werden wir sehen.“
Ein grüner Bürgermeister?
Gerade die kleinen Parteien könnten das Feld bei der kommenden Kommunalwahl von Hinten aufrollen. Beispielsweise das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW): Hier ist es vor allem ein Name, der aufhorchen lässt. Sie ist zwar selbst nicht Mitglied beim BSW, wohl aber in einem Unterstützerkreis: Anne Maltz, die Schwester der amtierenden SPD-Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer. Wird es 2026 sogar ein Schwesternduell geben? Maltz’ Mitstreiterin und Stadträtin Irmgard Freihoffer ist gerade mit dem Bundestagswahlkampf beschäftigt. Freihoffer steht auf Listenplatz fünf. Grob könnte man in Bayern mit einem Mandat je Prozent rechnen, sollte das BSW im Bund die Fünf-Prozent-Hürde knacken oder mit drei Direktmandaten in den Bundestag einziehen. Freihoffer könnte es also schaffen. Bei der Europawahl waren es allerdings nur 3,8 Prozent. „Die Brücke tritt nicht bei der Bundestagswahl an, die haben Zeit“, sagt Freihoffer auf Anfrage. „Diese Wahl hat Vorrang.“ Sie gehe aber davon aus, dass das BSW einen Kandidaten oder eine Kandidatin auch 2026 fürs OB-Amt aufstellen werde.
Klein sind die Grünen in Regensburg schon lange nicht mehr. Mit elf Stadträten stellen sie die zweitstärkste Fraktion nach der CSU und sind fast doppelt so stark wie die SPD. Von ihrem phänomenalen Abschneiden 2020 führte der Weg allerdings in die Opposition. Das könnte sich, vorausgesetzt, die Grünen bleiben stark in Regensburg, 2026 schlagartig ändern. Zumindest ein Bürgermeister-Posten dürfte dann drin sein. Auffällig häufig posieren die beiden Fraktionsspitzen Daniel Gaittet und Maria Simon derzeit bei allerlei kommunalpolitischen Themen mit Dr. Helene Sigloch auf Instagram, beispielsweise beim Kaufhof-Thema. Die Mathematikerin bringt sich in Stellung für eine OB-Kandidatur, heißt es. Fraktionschef Gaittet kommentiert das nicht, er sagt lediglich: „Meine Partei wird zu einem geeigneten Zeitpunkt über die Kandidatur entscheiden.“
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Bleiben die beiden Favoriten SPD und CSU. Die SPD ist deshalb in der Pole Position, weil man das Amt derzeit innehat. Doch nicht nur parteiintern fragt man sich, wie es weitergeht: Soll die dann 65-jährige Gertrud Maltz-Schwarzfischer nochmals antreten? Oder kommt Dr. Thomas Burger zum Stich, der seit Jahren einerseits das bürgerliche Lager für die SPD warm hält, andererseits aber auch immer wieder mit Sticheleien gegen die OB aufgefallen ist? Maltz-Schwarzfischer betont stets, man werde sich nach der Bundestagswahl festlegen. Sie selbst machte kürzlich im MZ-Interview jedenfalls deutlich, zumindest körperlich fühle sie sich durchaus in der Lage für eine weitere Amtszeit. Entscheiden wird das am Ende die Regensburger SPD.
Freudenstein bewirbt sich
Bei der CSU ist die Sache eindeutiger. Zwar gibt sich Bürgermeisterin Astrid Freudenstein zurückhaltend. „Ich werde mich bei meiner Partei bewerben – und die wird das dann entscheiden“, sagte sie kürzlich zur MZ.
Die Freien Wähler wollen den Fahrplan für die Kommunalwahl im Frühjahr festzurren, kündigt Bürgermeister Ludwig Artinger an. „Ich werde nicht mehr zur Verfügung stehen und mich in die zweite Reihe zurückziehen.“ Auf mögliche Kandidaten angesprochen sagt er, dass er dem Gremium nicht vorausgreifen werde. Michael Schien aus dem FW-Vorstand bittet auf die Frage, ob er sich vorstellen kann zu kandidieren, um Geduld. FW-Stadtrat Christoph Schießl, dessen Name in Zusammenhang mit einer möglichen Kandidatur schon fiel, sagt, das nicht ausschließen zu wollen, verweist aber auf die noch ausstehende Debatte zu dem Thema. „Und vielleicht gibt es auch noch den ein oder anderen, der das will“, überlegt er.
Bei der ÖDP hat die Bundestagswahl den Fahrplan für die Kommunalwahl am 8. März 2026 laut Vorsitzendem Robert Fischer durcheinandergewirbelt. Nach der werde es eine Woche Pause geben. Fischer hofft, dass die Liste dann bis zum Sommer steht.