Nach der Bundestagswahl fallen Entscheidungen: 2026 werden Karten im Alten Rathaus neu gemischt

Regensburger Verhältnisse spiegelten lange die Ampel in Berlin wieder: Da haben sich Partner zusammengetan, die sich zumindest zuletzt Spinnefeind waren. Doch in Berlin ist man weiter: Dort wird neu gewählt. Diese Wahl soll auch die Weichen dafür stellen, dass die Regensburger wissen, wie sich die Parteien die Zukunft der Stadt vorstellen.
Maßgeblich dabei: Wer wird ab März 2026 die Amtskette der Regensburger Oberbürgermeister tragen? In der SPD kam diese Woche ein kleinster Kreis zusammen, der zumindest aufhorchen lässt: Die beiden Parteispitzen Claudia Neumaier und Raphael Birnstiel trafen sich mit dem SPD-Fraktionsvorsitzenden Dr. Thomas Burger – und der Amtsinhaberin, Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer. Beim Ex-Koalitionspartner und härtesten Konkurrenten um den Posten im Alten Rathaus begann das Getuschel: Tritt die Oberbürgermeisterin wieder an?
Bei der SPD winkt man ab. „Wir wissen nichts“, sagte Stadtrat Alexander Irmisch auf Anfrage. Er war nicht bei dem Treffen dabei. Dabei war aber Birnstiel: „Wir geben jetzt Vollgas bis zur Bundestagswahl am 23. Februar, bis dahin ist das kein Thema“, sagte der SPD-Chef. „Wir haben eine amtierende Oberbürgermeisterin und es obliegt ihr, sich Gedanken zu machen, ob sie 2026 antreten möchte.“
Maltz-Schwarzfischer selbst hatte sich in der Vergangenheit stets so geäußert, dass sie Lust auf eine erneute Kandidatur habe, aber das von ihrer Partei und Faktoren wie Gesundheit abhängig ist. Nun sagt sie: „Jetzt steht für mich und die SPD erst mal die Bundestagswahl auf dem Programm.“
Für die Beschäftigung mit der Aufstellung zur Kommunalwahl „ist danach noch ausreichend Zeit“.
Die SPD-Alternative
Ein anderer aus der SPD gilt als möglicher Alternativ-Kandidat, sollte Maltz-Schwarzfischer doch nicht antreten. Widerstand aus der SPD ist unwahrscheinlich. Die wenigen noch verbliebenen Stadträte stehen hinter, einer zumindest neben ihr: „Ich werde von vielen Seiten gefragt, ob ich als OB-Kandidat antrete“, sagt Thomas Burger. Aber auch er hat sich auf die Sprachregelung festgelegt, die im SPD-Kreis getroffen wurde: „Das Thema wird bei uns diskutiert, wenn die Bundestagswahl vorbei ist.“ Burger sagt wörtlich: „Die Oberbürgermeisterin macht ihren Job.“
Angesprochen werde er von mehreren Seiten auf eine mögliche Kandidatur, „weil ich ein Grenzgänger bin zwischen SPD und konservativ.“ Zudem habe er eine anspruchsvolle Berufstätigkeit bei einem großen Autozulieferer, der gerade in einem Übernahmeprozess ist. „Für mich ist derzeit Thema, was in meiner Firma passiert. Das ist mein Fokus.“
Eine Absage sieht anders aus. Klarer ist man sich bei der CSU. Bei der letzten Kommunalwahl waren es faktisch 500 Stimmen, die ausgereicht hätten, um der SPD die Stadtspitze zu entreißen. „Ich werde mich bei meiner Partei bewerben – und die wird das dann entscheiden“, sagt Astrid Freudenstein. Die CSU-Politikerin bekleidet das Amt der zweiten Bürgermeisterin, zuständig für Soziales. Die letzten beiden Oberbürgermeister – Maltz-Schwarzfischer und Wolbergs – hatten das gleiche Amt inne, wenngleich in einer anderen Reihenfolge. Maltz-Schwarzfischer war in das Amt durch den sogenannten Spendenskandal und die Suspendierung ihres Vorgängers Joachim Wolbergs gekommen. Der hatte die CSU 2014 in einer Stichwahl deklassiert und hatte sich gegen Christian Schlegl mit 70 Prozent der Stichwahl-Stimmen durchgesetzt. 2026 darf Wolbergs nicht mehr antreten, weil es eine Änderung des Kommunalwahlrechts gab, das auf die Aberkennung der Bezüge als Wahlbeamter abstellt, was bei Wolbergs durch ein rechtskräftiges Urteil geschehen ist. Wolbergs in einem MZ-Interview vor wenigen Wochen: „Jemand kann einen Raub begehen, fünf Jahre im Knast sitzen – und darf danach antreten. Ich darf das nicht.“ Dem Vernehmen nach wurde zumindest ein prominenter Regensburger angesprochen, ob er für den Wahlverein in die OB-Wahlkampfschlacht ziehen wollen – dieser habe aber nach eigenem Bekunden abgelehnt. Ob die Brücke einen Kandidaten aufstellt, ist offen.
Eine nicht unwesentliche Rolle werden die Grünen spielen. Bei der vergangenen Kommunalwahl waren sie die großen Gewinner: Sie legten auf mehr als 20 Prozent der Stimmen zu, verdoppelten damit ihr Ergebnis von 2014 und wurden mit elf Stadträten die zweitstärkste Fraktion nach der CSU.
Die hatte massiv Federn lassen müssen und war von 17 auf 13 Stadträte geschrumpft. Der Höhenflug der Grünen im Bund dürfte zumindest gedämpft werden bei der kommenden Bundestagswahl – wie das im Stadtrat aussieht, ist offen. Einen Oberbürgermeister-Kandidaten wird man jedenfalls aufstellen: „Meine Partei wird zu einem geeigneten Zeitpunkt über die Kandidatur entscheiden“, antwortet einer der beiden Fraktionssprecher, Daniel Gaittet.
Auch die FDP stellte bisher einen OB-Kandidaten auf. Das macht dann meistens Horst Meierhofer. Vergangene Woche darauf angesprochen, sagte er lapidar: „Ich weiß es noch nicht“. Vieles ist also noch offen. Klar ist: Die Karten werden nach der Bundestagswahl auch in Regensburg neu gemischt. Und auch die Freien Wähler stellten die vergangenen Wahlen stets Kandidaten.
Stichwahl wahrscheinlich
Bisher war Bürgermeister Ludwig Artinger das Schlachtross, mit dem die FW in den OB-Wahlkampf zogen. Artinger sagt: „Bei uns wird es 2026 einen Stabwechsel geben.“ Auch bei den Freien Wählern werde dieser die kommenden Monate erst eingeleitet. Mit Dr. Christoph Schießl, einem Verwaltungsrichter und Stadtrat, könnte man diesmal auf ein frisches Pferd setzen. Die Regel, die auch in Regensburg gilt: Umso mehr Kandidaten antreten, umso unwahrscheinlicher wird eine absolute Mehrheit im ersten Wahlgang. Und in der Stichwahl ist vieles offen.



