Die Ukrainerin Anna Boger engagiert sich für Menschen aus ihrem Heimatland

Immer leicht gewesen, Anschluss zu finden, war es für Anna Boger, die mittlerweile an der Universität Regensburg als Projektkoordinatorin des „Denkraums Ukraine“ arbeitet nicht. Geholfen hat ihr vor allem das Ehrenamt bei Space-Eye, wo sie bis heute andere Ukrainer unterstützt.
Angekommen ist Anna Boger zunächst in Köfering. Nach dem Abschluss ihres Lehramtsstudiums hatte die Ukrainerin beschlossen, zu reisen und ihre Deutschkenntnisse weiter zu verbessern. Als Au-pair landete sie so in der 2800-Seelen-Gemeinde im Landkreis Regensburg. „Es hieß, dass es nicht so weit ist von München“, erinnert sie sich, „was ich nicht wusste, war, wie selten dort der Bus fährt“.
Zunächst hatte sie nur geplant, ein Jahr in Deutschland zu verbringen. Doch schon mit der russischen Annexion der Krim und dem Krieg im Donbass 2014 wurde ihr klar, dass sie nicht in ihre Heimat, die Tschernihiwer Region im Norden der Ukraine, zurückkehren konnte und ihre Pläne ändern musste.
Rückkehr nach Regensburg – der Liebe wegen
Nach einem Freiwilligen Sozialen Jahr in Baden-Württemberg zog es die junge Frau schließlich wieder zurück nach Bayern. „Das war Bauchgefühl“, sagt sie. In Würzburg begann sie ein weiteres Studium in Anglistik, Amerikanistik und Germanistik. Ihr Abschluss aus der Ukraine, einem Nicht-EU-Land, war nicht anerkannt worden. Dass ihr Weg sie von Unterfranken einige Zeit später zurück in die Oberpfalz führte, war der Liebe geschuldet: Bei dem Mann, den sie kennenlernte, und mit dem sie heute verheiratet ist, handelte es sich um einen Regensburger.
Nach ihrem Abschluss zog Boger zu ihm in die Domstadt. „Ich bin schon während meines Au-pair-Jahres öfter in Regensburg gewesen. Aber dann habe ich die Stadt noch einmal ganz neu kennengelernt.“ Arbeit fand sie an der OTH Regensburg und war dort einige Jahre als Projektmitarbeiterin im International Office sowie als Internationale Koordinatorin an der Fakultät für Informatik und Mathematik tätig. „Ich habe in dieser Zeit viele Kontakte geknüpft. Die Hochschule ist für mich immer noch ein besonderer Ort.“
Russischer Angriffskrieg als Wendepunkt
Immer leicht gewesen, Anschluss zu finden, war es für die heute 36-Jährige, die mittlerweile an der Universität Regensburg als Projektkoordinatorin des „Denkraums Ukraine“ tätig ist, dennoch nicht. „Wegen der Kontaktbeschränkungen während der Corona-Zeit hat es länger gedauert, bis ich mich als Teil der Gesellschaft gefühlt habe.“
Ein Wendepunkt war der Beginn des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine am 24. Februar 2022. „Davor ist schon vieles passiert. Aber trotzdem konnte ich nicht glauben, dass nun wirklich ein offener Krieg ausgebrochen ist.“ Ein Teil ihrer Familie musste aus dem Norden des Landes fliehen. „Der Ort ist direkt zu Beginn des Krieges besetzt worden. Obwohl ich wusste, dass meine Familie von den Explosionen geweckt worden ist, dachte ich, dass das nicht sein kann.“
Unterstützung für Geflüchtete und ukrainische Soldaten
Zu diesem Zeitpunkt fing Boger an, sich zu engagieren. Sie ist einer der Gründer des Ukraine-Vereins Hromada Regensburg und hilft bis heute ehrenamtlich bei Space-Eye. Für die gemeinnützige Organisation unterstützte sie von Anfang an Geflüchtete und verletzte ukrainische Soldaten. „Wenn man die Sprache nicht kann, ist es schwierig. Man braucht Dolmetscher beim Arzt, dem Jobcenter oder der Ausländerbehörde.“
Das Ehrenamt half auch der Ukrainerin selbst, in dieser schwierigen Zeit Ansprache und Unterstützung zu finden – und „wirklich anzukommen“. „Die Menschen bei Space-Eye sind so offen und freundlich. Sie sind für mich zu einer Ehrenamts-Familie geworden. Das ist die positive Seite in dieser schweren Zeit“, sagt sie.
„Es braucht Offenheit von beiden Seiten“
Auch anderen Menschen, die aus dem Ausland kommen, rät sie, sich möglichst oft unter Leute zu begeben. „Mir hat das sehr geholfen, um mich nicht allein zu fühlen.“ Sorge bereitet ihr dennoch, dass sich in der Gesellschaft immer mehr Unruhe und Unzufriedenheit ausbreite, wenn es um das Thema Migration geht. „Ankommen ist keine Selbstverständlichkeit. Es braucht Offenheit von beiden Seiten.“