Rettung oder Flop des Jahres? Burglengenfeld zieht Bilanz zu Luftfiltern

Die eine oder andere Erkältungswelle hat der Winter 2024/25 bereits gebracht, die Grippesaison soll jedoch erst jetzt beginnen. Insofern scheint die Frage durchaus berechtigt: Was ist aus den Luftreinigungsgeräten geworden, welche die Stadt Burglengenfeld (Landkreis Schwandorf) vor wenigen Jahren für Kitas und Schulen angeschafft hat, um die Folgen der Pandemie abzufedern?
Leisten sie weiter gute Dienste – oder schlummern sie mittlerweile in Lagern? Die Stadtverwaltung lieferte sehr interessante Antworten.
Wie berichtet, fasste der Stadtrat im Herbst 2021 den Beschluss, für Schulen und Betreuungseinrichtungen insgesamt 61 Luftfilter anzuschaffen. Damit sollte das Infektionsrisiko für Kinder, aber auch für Lehrkräfte und Erzieherinnen gesenkt werden.
Eine hitzige Kontroverse
Vorausgegangen war allerdings eine teils hitzige Kontroverse: Die einen hätten die Investition, die sich auf über 200 000 Euro belaufen sollte, am liebsten viel früher getätigt, andere zweifelten am Sinn des Unterfangens und plädierten für regelmäßiges Öffnen der Fenster. Zum Zeitpunkt des Beschlusses schien das Ende der Pandemie absehbar. Einige Räte orakelten, die Maschinen würden wohl erst eintreffen, wenn man sie nicht mehr brauche. Man riskiere mithin eine größere Fehlinvestition.
Tatsächlich trafen die Filter aber nach relativ kurzer Zeit ein. Laut Verwaltung wurden sie „termingerecht“ im Januar 2022 zugestellt und Anfang Februar in Betrieb genommen. Allein die Hans-Scholl-Grundschule wurde mit 23 Geräten bestückt, die Ganztagsbetreuung mit sechs. Nutznießer waren außerdem die Sophie-Scholl-Mittelschule (zehn) sowie der städtische Josefine- und Louise-Haas-Kindergarten (21).
Im Zuge der Amtshilfe, berichtet die Verwaltung weiter, seien seinerzeit auch Kindergräten unter anderer Trägerschaft angeschrieben worden, ob für sie Geräte beschafft werden sollten. Die Reaktion seien mehrere Absagen gewesen. Lediglich die damals noch selbstständige Pfarrei St. Vitus habe für den Don-Bosco-Kindergarten Interesse und Bereitschaft bekundet, auch selbst Geld in die Hand zu nehmen.
Einsparprogramm
Wegen der sich 2022 zuspitzenden Energiekrise wurden die Maschinen ab August vom Netz genommen, sagt Pressereferentin Ulrike Pelikan. Dieser Schritt sei Teil des Einsparprogramms auf kommunaler Ebene gewesen. Demnach sollten die Filter nur bei einem Wiederaufflammen der Pandemie wieder aktiviert werden.
Verwaltung und Grundschulleitung haben sich laut Pelikan abgesprochen, die Geräte aus den Klassenzimmern zu entfernen und übergangsweise in einem Nebenraum abzustellen. In der Mittelschule befänden sich die meisten Geräte noch in den Klassenräumen, würden aber nicht benutzt. Vier Geräte seien in einem Nebenraum abgestellt.
In den Ganztagsbetreuungs-Gebäuden und im städtischen Kindergarten befänden sich die Geräte noch in den einzelnen Räumen, würden aber derzeit nicht betrieben. Kindergartenleiterin Yvonne Erich erklärt dazu: „Nach Ende der Pandemie haben wir die Luftfilter außer Betrieb genommen, da sie aufgrund ihrer Größe sehr viel Platz benötigen und zudem nicht sonderlich leise sind. Bei massiven Krankheitswellen könnten sie aber – beispielsweise vereinzelt oder gruppenspezifisch – wieder eingeschaltet werden.“
Investition hat sich wohl gelohnt
Insgesamt ist die Verwaltung laut Pelikan davon überzeugt, dass sich die Investition, die zu 50 Prozent vom Freistaat gefördert wurde, gelohnt hat. Wörtlich heißt es in ihrer Stellungnahme: „Es ist Fakt, dass diese Geräte in der Lage sind, hochinfektiöse Partikel aus der Luft zu filtern. Corona-Viren waren nicht die einzigen Krankheitserreger, die in der Luft umherschwirrten. Wir gehen deshalb davon aus, dass die ein oder andere Erkältung dadurch ebenfalls vermieden werden konnte. Auch sind die Geräte in der Lage, die Luft von Allergenen und Schadstoffen freizuhalten, was unterm Strich für alle ein Gewinn war.“
Nicht der einzige Baustein
Bürgermeister Thomas Gesche (CSU) erinnert in diesem Zusammenhang daran, dass es damals für Kinder unter zwölf Jahren noch keinen Impfstoff gegen Covid19 gegeben habe. Vor diesem Hintergrund sei die Entscheidung des Stadtrats „vollkommen richtig“ gewesen. Auch dürfe man nicht vergessen, dass die Filter niemals als isolierte Lösung betrachtet worden seien, sondern als „Teil eines umfassenden Hygienekonzepts“, das auch regelmäßiges Lüften und weitere Präventionsmaßnahmen (FFP-2-Masken) umfasste.
Häufiges Stoßlüften lasse sich dadurch vermeiden
Schulleiterin Ingrid Donaubauer ist dankbar, dass die Stadt die Investition getätigt hat. Dadurch habe sich im Winter das häufige Stoßlüften vermeiden lassen, unter dem die Kinder sehr gelitten hätten. Außerdem hätten die Geräte beim Nachweis einer einzelnen Corona-Infektion in der Regel dazu beigetragen, dass der Präsenz-Unterricht in der betroffenen Klasse weitergeführt werden konnte. Das Gesundheitsamt habe seine Entscheidung unter anderem vom Vorhandensein von Luftfiltern abhängig gemacht.
Aktuell sieht Donaubauer noch keinen Anlass, die Geräte wieder laufen zu lassen. Die Schule sei bisher gut durch den Winter gekommen. „Aber wir sind nach wie vor froh, dass wir auf die Filter notfalls zurückgreifen können.“