Attacke gegen Kommandanten: Burglengenfelder Wehr müht sich um Schadenbegrenzung

Die Freiwilligen Feuerwehr Burglengenfeld ist wie eine große Familie. Das bedeutet: Wenn’s drauf ankommt, hält man zusammen, ab und an gibt es aber auch Stunk. Deutlich wurde dies bei der Jahresversammlung, die traditionell am 6. Januar über die Bühne ging. Mittlerweile scheinen sich die Wogen wieder gelegt zu haben.
Rückblende: Die Versammlung im Gasthaus 3 Kronen war bereits so gut wie gelaufen, da sorgte kein Geringerer als Ehrenmitglied Karl-Heinz (Stux) Strobel für einen Eklat. Er ergriff das Wort, um den ersten Mann der Aktiven, Kommandant Michael Prehn, frontal anzugreifen – und zum Rücktritt aufzufordern.
Prehn, so der Kernvorwurf, habe gegen ihn, Strobel, aus unerfindlichen Gründen ein Hausverbot verhängt. Er dürfe das Gerätehaus nur noch betreten, wenn keine Aktiven anwesend seien. Dem Vorsitzenden des Feuerwehrvereins, Marcus Härtl, habe Prehn außerdem vorgeworfen, er richte die Feuerwehr zugrunde.
Im Saal herrschte betretenes Schweigen
In Wahrheit aber, so argumentierte Strobel, sei es genau umgekehrt. Prehn zerstöre mit seiner Gangart die Feuerwehr. Er habe Veranstaltungen des Vereins unterlaufen und sogar die Abnahme einer Leistungsprüfung unterbunden. Die Liste ließe sich fortsetzen, meinte Strobel. Nun sei es an der Zeit, dass Prehn, der vor vier Jahren auch mit Unterstützung Strobels zum Chef der Aktiven gewählt worden war, das Handtuch werfe.
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Im Saal herrschte daraufhin teils betretenes Schweigen. An den Tischen steckten Leute die Köpfe zusammen und fragten sich: „Hat ,Stux‘ Recht?“ Versammlungsleiter Härtl blieb indes ruhig, bedankte sich formell „auch für diese Wortmeldung“ und gab Prehn die Chance, sich zu verteidigen.
Michael Prehn konterte – und bekam Applaus
Der Kommandant erwiderte, ein „Hausverbot“ gegen Strobel habe er „so nicht“ ausgesprochen. Im Übrigen vertrete er die Meinung, dass es ihm durchaus gelungen sei, die Feuerwehr und auch den Verein voranzubringen. Sollte Strobel die „Beleidigungen“ wiederholen, müsse man sich „woanders unterhalten“. Eine Reihe von Kameraden reagierte mit Applaus.
Und dann gibt es noch einen zweiten Fall: Vorsitzender Härtl bestätigte in derselben Veranstaltung, dass er sich vor einigen Wochen aus dem Kreis der Aktiven zurückgezogen habe. Einen Grund nannte er dafür nicht. Nach MZ-Informationen soll er jedoch von Prehn heftig kritisiert worden sein.
Nur eine „interne Angelegenheit“?
Mittlerweile sind alle Seiten um Schadensbegrenzung bemüht. Keiner der Beteiligten wollte auf Nachfrage zu den Meinungsverschiedenheiten Stellung beziehen und sie näher erläutern. Man sprach von „internen Angelegenheiten“. Aus Verbundenheit zur Feuerwehr wolle man in der Öffentlichkeit darüber nicht sprechen. Das Risiko, dass die Institution dadurch Schaden nehme oder in der Bevölkerung Verunsicherung ausgelöst werde, sei zu groß. Viele würden nicht zwischen Feuerwehrverein und Truppe der Aktiven unterscheiden.
Karl-Heinz Strobel, 70 Jahre alt, über 40 Jahre aktiver Feuerwehrmann, berichtete, er habe mittlerweile mit dem Kommandanten telefoniert. Es sei gelungen, die Unstimmigkeiten weitgehend aus der Welt zu schaffen. Vieles habe wohl auf Missverständnissen beruht. Außerdem, so räumte er ein, neige er zu emotionalen Reaktionen und sei „oft gleich auf 180“.
Der Vorsitzende rückt nicht mehr mit aus
Prehn wiederum erklärte, es sei „legitim, dass es mal abweichende Meinungen gibt“. Allerdings habe Strobel mit der Generalversammlung die falsche Bühne genutzt, seine Sicht der Dinge zu schildern. Nun werde es weitere Gespräche geben, um sich wieder anzunähern.
Ein Kriegsbeil scheint also begraben zu sein. Aber wie schaut es zwischen Prehn und dem Vorsitzenden Härtl aus?
Hier üben sich beide Seiten aus Liebe zur Feuerwehr noch mehr in Zurückhaltung. „Kein Kommentar in der Öffentlichkeit“, hieß es. Dass er als Vereinsboss aktuell nicht mehr mit zu Einsätzen ausrücke, sei eine persönliche Entscheidung, erklärte Härtl. Für die Schlagkraft der Wehr sei dies ohne Bedeutung. Diesbezüglich vertraue er voll auf das Können seiner Kameraden.
Bürgermeister warnt vor Überbewertung der Kontroverse
Wie gut diese arbeiteten, habe sich erst beim Großeinsatz im November vergangenen Jahres auf einem landwirtschaflichen Betrieb im nördlichen Umland gezeigt. Im Übrigen möge man sich an die Spitze der Stadtverwaltung wenden.
Zu denen, die sich bemühen, die Wogen zu glätten, zählt auch Bürgermeister Thomas Gesche (CSU). Er warnte auf Anfrage vor einer Überbewertung der Differenzen . Dass es bei „so einem großen Verein“ verschiedene Meinungen und unterschiedliche Strömungen gebe, ist in seinen Augen „überhaupt nichts Besonderes“. Das komme in jedem Verein vor – und das habe es auch in der Feuerwehr Burglengenfeld immer wieder Mal gegeben, auch unter den Vorgängern des jetzigen ersten Kommandanten.
Thomas Gesche: Kein Grund zur Sorge
Das liege quasi auch in der Natur der Sache, so der Bürgermeister weiter. Ein Kommandant müsse Entscheidungen treffen, das werde von ihm erwartet. Nicht jeder sei mit den Anweisungen einverstanden, und es könne auch nicht immer jeder einverstanden sein. Da gehe es ihm als Rathauschef nicht anders.
„Es gibt also keinen Grund zur Sorge“, betonte Gesche. Insgesamt könne man in Burglengenfeld auf eine „hervorragende Feuerwehrmannschaft“ blicken. Die drei Kommandanten leisteten grundsätzlich gute Arbeit. Für jeden Einzelnen, der sich in den aktiven Dienst einbringe, sei man dankbar.