Burglengenfelder Geschäftswelt: Der Buch- und Spielladen wechselt den Besitzer

Von Thomas Rieke · 15. Januar 2025 um 16:00

Für den Buch- und Spielladen im Herzen von Burglengenfeld (Landkreis Schwandorf) wird im März ein neues Kapitel aufgeschlagen.

Ingrid Nörl, die das Geschäft am Marktplatz im August 2003 eröffnet hat, übergibt das Zepter an Nicole Sutor aus Seubersdorf. Die positive Botschaft, die damit verknüpft ist: Das Angebot soll weitgehend dasselbe bleiben, und auch Nörl selbst bleibt den Kunden erhalten.

Über einen Social-Media-Kanal hat Nörl diese Woche über die bevorstehenden Veränderungen bereits informiert; Insider hatten schon länger geahnt, dass „etwas im Busch ist“. Anders als in anderen Fällen bewahrheitete sich das Gerücht allerdings nicht, dass auch Nörls Laden vor dem Aus stünde. Nein, unter neuer Führung soll es weiter gehen, sogar gestärkt durch mehr Präsenz im Internet.

Vor 30 Jahren Schritt in Selbstständigkeit gewagt

Ingrid Nörl hat schon vor knapp 30 Jahren den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt. Im Anfang betrieb die Bauzeichnerin bei sich zuhause einen kleinen Laden für Holzspielzeug. Dann zog sie um in das Gebäude am Marktplatz 10, das viele Burglengenfelder als „Kinderhaus“ bezeichneten. Neben einer Logopädie- und einer Ergotherapiepraxis war dort nämlich auch eine Kinderpsychologin untergebracht.

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Nörl baute um und fand jede Menge Raum, sich zu entfalten. Zum Spielzeug gesellten sich Kinderbücher hinzu, später auch Literatur für Erwachsene. Zum wichtigsten Standbein aber entwickelte sich das breite Angebot für die Ausstattung von Kinderbetreuungsstätten.

Keine Konkurrentinnen

Wie der Zufall so spielt: Auf diese Weise traf Nörl auch auf ihre jetzige Nachfolgerin, Nicole Sutor. Die 38-Jährige ist nämlich unter anderem Erzieherin und hat in Burglengenfeld zehn Jahre als Leiterin einer Kinderkrippe gearbeitet. So lernte sie „Burglengenfeld lieben“ und „von der Pike auf, wie wie man Kitas ausrüstet“.

Sutor ist 50 Kilometer von Burglengenfeld entfernt, in einem Ortsteil von Seubersdorf, zuhause und hat dort mittlerweile ebenfalls ein kleines Ladengeschäft sowie den Onlineshop „Sinnestraum“ für Spielwaren und Einrichtungsgegenstände gegründet. Eigenen Angaben zufolge hat sie bayernweit rund 8500 Kontakte zu einschlägigen Institutionen. Auch der Draht zu Nörl ist nie abgerissen, im Gegenteil, man tauschte sich immer wieder gegenseitig aus und unterstützte sich. „Wir waren keine Konkurrentinnen, sondern haben uns sinnvoll ergänzt“, bringt es Sutor auf den Punkt.

Pandemie brachte sie ins Grübeln

Vor geraumer Zeit machte sich Nörl erste Gedanken, ob sie nicht kürzer treten sollte. Ihr Mann, ein Siemensingenieur, ist bereits vor zwei Jahren in den Vorruhestand gegangen. Seitdem wurde Nörl (61) von Bekannten immer öfter gefragt, wann sie es ihm gleich tun wolle.

Auch die Pandemie brachte Nörl ins Grübeln. „Jetzt bräuchte man halt ein gut funktionierendes Internet-Portal!“, ging es ihr durch den Kopf. Wissend, dass der Auf- und Ausbau des Onlinehandels mit viel Aufwand verbunden sein würde, scheute sie aber davor zurück. „Das wollte ich mir nicht mehr antun“, sagt Nörl. Sie selbst interpretierte dies selbstkritisch als Zeichen, dass sie sich langsam zurückziehen sollte.

Das bevorstehende Ende des Mietvertrags wirkte ebenfalls wie ein Katalysator. Das ein oder andere Jahr, so berichtet Nörl, hätte sie noch verlängert, mehr aber auch nicht. Und so schien es wie eine glückliche Fügung, als Nicole Sutor auf Anfrage tatsächlich ernsthaftes Interesse an einer Übernahme bekundete. Ihre eigenen Räumlichkeiten drohten nämlich aus allen Nähten zu platzen.

Alle Formalitäten sind geklärt

Sutor hatte bereits Pläne für einen Neubau in ihrer Heimatgemeinde geschmiedet. Die sind nun obsolet, die Formalitäten für den Einstieg in Burglengenfeld sind erledigt. Nörl will Sutor und Kunden als Angestellte bis auf weiteres mit Rat und Tat zur Seite stehen. Vom 1. bis 9. März wird der Laden wegen Umbaus geschlossen sein, am 10. März soll es eine Eröffnungsfeier geben.

Ingrid Nörl ist mit sich und der Welt im Reinen. Sie sagt, sie sei sehr glücklich, offenbar genau den richtigen Zeitpunkt für den Ausstieg gefunden zu haben. Die Umsatzzeilen seien noch sehr passabel, so dass sie wirklich guten Gewissens in andere Hände übergeben könne. Mit Sutors Erfahrung im Online-Geschäft sollte eine gute Zukunft gesichert sein.

Endlich mehr Zeit für die Hobbys

Auch persönlich ist Nörl vor der „Zeit danach“ nicht Bange, im Gegenteil. Sie freut sich, künftig deutlich entspannter in den Alltag gehen zu können und Freiräume für ihre vielfältigen Interessen zu gewinnen. Nörl engagiert sich als 2. Vorsitzende im Förderverein des Oberpfälzer Volkskundemuseums. Dort ist sie für die Organisation des jährlich stattfindenden Festes zuständig. Außerdem bereitet sie bereits die nächste Ausstellung vor. Ferner hat sie mit Sohn Florian einen erfolgreichen Künstler in der Familie, den sie liebend gern öfter auf seinen internationalen Reisen zu Ausstellungen begleiten würde.

Die Reaktionen im Netz auf Nörls Ankündigung, das Geschäft in andere Hände zu geben, waren im Übrigen rundweg positiv. „Gratuliere. Du hast alles richtig gemacht!“, meinte eine Userin. Bürgermeister Thomas Gesche gratulierte Nörl analog, per Händedruck bei einer zufälligen Begegnung auf der Straße. Er freut sich, dass es mit dem Buch- und Spielladen mit neuem Elan weitergeht – und das Burglengenfeld von einem weiteren Leerstand verschont bleibt.

Nicole Sutor ist ab März die neue Chefin. Foto: B. Auerbach