An Schnittpunkt von zwei Landkreisen: Windräder umzingeln das Regental

Es ist ein Einzelfall – und doch steht er exemplarisch für die augenblickliche Situation rund um die Planungen von Windrädern und Windvorrangflächen im Landkreis Regensburg. Im Fokus stehen die bewaldeten Höhen zu beiden Seiten des Regentals zwischen Heilinghausen und Marienthal. Hier planen zwei Unternehmen den Bau von insgesamt zwölf Windrädern – genau am Schnittpunkt dreier Kommunen, zweier Landkreise und zweier regionaler Planungsverbände.
Der Regenstaufer Bürgermeister Josef Schindler blickt mit Sorge auf die Windkraft-Pläne. „Das Problem ist die Umzingelung“, sagt er und meint die nördlichste Spitze des Regenstaufer Gemeindegebiets, die sich wie ein Finger in den Landkreis Schwandorf und in das Gemeindegebiet von Nittenau schiebt.
Zwei Firmen planen Projekte
Tatsächlich haben zwei Unternehmen zwölf geplante Windräder in großen Waldgebieten rund um diesen Finger platziert – allesamt auf Gebieten, die als Windvorrangflächen angedacht sind. Wie bei einer Informationsveranstaltung Ende November in Ramspau vorgestellt, möchte die Max Bögl Wind AG aus Neumarkt insgesamt neun Anlagen errichten.
Vier davon sind zwischen Heilinghausen, Grafenwinn und Drackenstein auf Regenstaufer Gemeindegebiet geplant, zwei weitere westlich von Eckartsreuth auf Nittenauer Gebiet unmittelbar an der Gemeindegrenze zu Regenstauf. Und schließlich sollen noch drei Anlagen westlich von Heilinghausen auf dem Gebiet von Maxhütte-Haidhof entstehen, das direkt an Regenstauf und Nittenau angrenzt. Dazu kommen drei Windräder, die die Wust – Wind & Sonne GmbH & Co. KG aus Mittelfranken westlich von Marienthal auf Nittenauer Gebiet aufstellen will.
Widerstand hat sich bereits formiert
Der Widerstand der Bürger hat sich bereits formiert . 130 Bürger haben sich zu einem Verein zusammengeschlossen. Ihrer Ansicht nach sind die Höhenzüge über dem Regental nicht geeignet für Windkraftanlagen. Die Ausbaupläne sind auch ihnen zu geballt.
Das sieht auch der Regionsbeauftragte des Regionalen Planungsverbands Regensburg so. „Aus planerischer Sicht sehe ich an dieser Stelle definitiv Handlungsbedarf“, sagt Christoph Hüttl, bei dem die Fäden für ein Steuerungskonzept in der Planungsregion 11 zusammenlaufen. Dazu zählen die Landkreise Cham, Kelheim, Neumarkt und Regensburg mit 118 Kommunen sowie die kreisfreie Stadt Regensburg.
Der Landkreis Schwandorf gehört nicht dazu. Er ist Teil der benachbarten Region Oberpfalz-Nord, die ebenso wie die Region Regensburg dabei ist, Windvorrangflächen auszuweisen. Im Bereich Regenstauf, Nittenau und Maxhütte-Haidhof prallen also zwei Regionen aufeinander, die beide noch kein Steuerungskonzept für die Windenergie haben und daran unabhängig voneinander arbeiten. Das hat Folgen für das Regental. „Eine gewisse Umzingelung“ sieht dort auch der Regionsbeauftragte.
Die Anlagen sind noch nicht genehmigt
Deshalb müsse reagiert werden, betont Hüttl, der auf Abstimmung mit der Region Oberpfalz-Nord setzt. Das Gefüge ist aber komplex. Denn auch die Interessen von Windkraftunternehmen und Projektentwicklern spielen mit hinein. So wurden für die acht Windkraftanlagen, die im Landkreis Schwandorf geplant sind, bereits immissionsschutzrechtliche Vorbescheide erteilt, teilt das dortige Landratsamt mit. Genehmigungsanträge seien aber noch für keine Anlage gestellt werden.
Sollten die Anlagen tatsächlich genehmigt werden, bevor die Windvorrangflächen rechtskräftig sind, dürfen sie gebaut werden. Es spielt dann keine Rolle mehr, ob sie möglicherweise außerhalb von ausgewiesenen Vorrangflächen stehen. „Deshalb drängt die Zeit“, betont Hüttl mit Blick auf die Vorrangflächen.
Neuer Entwurf soll noch vor Ostern kommen
An einem neuen Entwurf dafür wird beim Regionalen Planungsverband intensiv gearbeitet. Der Regionsbeauftragte geht davon aus, „dass wir zeitnah etwas vorstellen können“.Den Mitgliedern der Verbandsversammlung wird dieser Entwurf bei ihrer nächsten Sitzung vorgestellt. Sie wird möglicherweise im März stattfinden. Hüttl ist guter Dinge, dass der Entwurf noch vor Ostern präsentiert werden kann.
Mehr Abstimmung und Koordinierung ist genau das, was der Regenstaufer Bürgermeister im Landkreis Regensburg vermisst. Schindler kritisiert, dass bei Vorrangflächen und Windrädern jeder selbst vor sich hinplant – anders als im Landkreis Cham. Dort wurde nicht nur die Suche nach geeigneten Flächen vom Landkreis koordiniert. Die eigens gegründeten landkreiseigenen Regionalwerke Cham wollen in den nächsten Jahren auch 20 Windkraftanlagen bauen. Partner ist hier übrigens die Firma Max Bögl. Der Landkreis Cham und seine Kommunen sollen über die Regionalwerke zu 51 Prozent an den Windkraftprojekten beteiligt werden. Weitere Beteiligungen verteilen sich auf die Firma Bögl sowie die Bevölkerung und Unternehmen.
Bürgermeister hofft auf einen Kompromiss
Josef Schindler hofft jetzt, dass die beiden Planungsverbände einen Kompromiss finden, um eine verträgliche Lösung im Norden des Gemeindegebiets zu finden. Insgesamt sieht der Entwurf des Regionalverbands derzeit gut zwei Prozent des Gemeindegebiets als Windvorrangfläche vor. Das ist nach Ansicht des Regenstaufer Bürgermeisters mehr als genug. Er fordert, dass der Blick nicht nur auf die Windkraft verengt wird. Denn im Marktgebiet wird in den nächsten Jahren auch intensiv in Freiflächen-Photovoltaik investiert. Auf rund 100 Hektar soll die Kraft der Sonne künftig genutzt werden.