Initiative verstärkte Gegenwind: Steht Windrad-Planung auf der Hohen Linie bei Tegernheim vor dem Aus?

Der Widerstand begann mit einem selbstgebastelten Windrad-Modell am Gartenzaun von Ferdinand Kiermeier. Vor rund einem Jahr stellte er es neben einem rot-weißen Stecken auf, der im Größenverhältnis den Fernsehturm auf der Hohen Linie bei Tegernheim (Landkreis Regensburg) symbolisiert.
Dadurch wollte er Aufmerksamkeit auf ein Projekt lenken, das im Oktober 2023 im Tegernheimer Gemeinderat vorgestellt wurde, das im Nachgang aber nicht sonderlich präsent in der Debatte war: die Windrad-Planung auf der Hohen Linie.
Wind hat sich gedreht
Nun, ein Jahr später, hat sich der Wind gedreht, die vier bis fünf angedachten Anlagen polarisieren, mit der Folge, dass sich sämtliche Anliegergemeinden von Hoher Linie und Kreuther Forst in unterschiedlicher Tonlage gegen diese Areale als Windvorrangflächen im Regionalplan ausgesprochen haben. Aus Kiermeiers Gartenzaun-Installation ist die „Initiative Einmaligen Lebensraum, Walhalla und Weltkulturerbe retten“ entstanden. Deren Sprecher Günther Zahnweh sagt zufrieden: „Die Ziele, die wir uns für 2024 gesetzt haben, haben wir erreicht.“
Initiative mobilisiert Bürger
Mitte März kamen etwa zehn Nachbarn zu einem ersten Treffen zusammen. „Das war die Initialzündung“, sagt Zahnweh. Man habe die Strategie und die Ziele besprochen – zunächst galt es Bürger zu informieren und Unterstützer zu gewinnen. Relativ schnell trugen sich 400, 500 Sympathisanten auf der Homepage der Initiative ein. Über den Sommer wollte man erreichen, dass der Gemeinderat dem Projekt das Einvernehmen versagt. „Da haben wir die Zeit genutzt, auf die Gemeinde einzuwirken“, erläutert Zahnweh auf MZ-Anfrage.
Tegernheim lehnt Windkraft-Areal auf Hoher Linie ab
Mit Erfolg. In Tegernheim stand Mitte September die Formulierung einer Stellungnahme zur Fortschreibung der Windvorrangflächen des Regionalen Planungsverbands auf der Tagesordnung – Showdown für die Initiative. Sie hatte an die 300 Bürger mobilisiert, die der in die Mehrzweckhalle verlegten Sitzung beiwohnten. Bürgermeister Max Kollmannsberger hatte mit hohem Interesse gerechnet, aber eher in einer Größenordnung von 50 Zuhörern. Windkraft-kritische Aussagen von Gemeinderatsmitgliedern wurden lautstark beklatscht, mehreren Ermahnungen von Bürgermeister Kollmannsberger zum Trotz. Schlussendlich wurde die ablehnende Haltung mit 12:6 Stimmen beschlossen. In einer längeren Wortmeldung hatte sich – neben dem Bürgermeister, der aber um neutrale Formulierung bemüht war – einzig Sebastian Zirngibl (FWG) für den Bau von Windrädern an diesem Standort ausgesprochen und kritisierte das Floriansprinzip, wenngleich eine kritische Prüfung des Standorts hinsichtlich des Denkmalschutzes nötig sei. Ein Jahr zuvor, als das Fürstenhaus die grundsätzliche Idee von Windrädern in ihren Forsten im Gemeinderat vorstellte, waren noch deutlich mehr positive Wortmeldungen aus dem Gremium zu hören.
Initiative zeigt sich „vorsichtig optimistisch“
Auch in anderen Anliegergemeinden des Kreuther Forsts wurde die Bürgerinitiative aktiv. In Donaustauf bestand der Großteil der Zuhörerschaft bei der Gemeinderatssitzung mit dem Tagesordnungspunkt zur Regionalplan-Fortschreibung überwiegend aus Tegernheimern. In Wenzenbach brachte die Initiative das Thema so vehement auf die Agenda, dass Bürgermeister Sebastian Koch ebenfalls eine negative, wenngleich konstruktive Stellungnahme an den Regionalen Planungsverband sandte.
„Unsere Hoffnung ist natürlich, dass bei der Überarbeitung unser Gebiet, sprich die Hohe Linie, aus der Planung genommen wird“, teilt Zahnweh mit. „Da sind wir vorsichtig optimistisch.“ Der Projektierer GP Joule könnte unabhängig von der Fortschreibung der Windkraftvorrangflächen bereits jetzt den Bau der Windräder auf der Hohen Linie und im Kreuther Forst beantragen. Günther Zahnweh rechnet nicht damit, nachdem GP Joule mehrmals betont hatte, die Bürger bei dem Vorhaben mitnehmen zu wollen.
Denkmalschutz ist Hoffnung
Auch eine Mitteilung von Wissenschaftsminister Markus Blume (CSU), der keine denkmalfachlich unproblematischen Stellen zwischen Walhalla und Regensburg erkennen kann, gibt Zahnweh Hoffnung, dass die Windrad-Pläne auf der Hohen Linie gekippt werden.
Mittlerweile haben sich über 1800 Menschen auf der Homepage der Initiative als Unterstützer eingetragen. Das sei aber gar nicht mehr so relevant, sagt Zahnweh. „Der entscheidende Punkt ist, wie präsent das Thema ist.“ Und dass sich der Wind in der Debatte ein Stück weit gedreht hat.
